Nachrichten

21. Oktober 2023 | Oktober-Treffen | 

Zuversicht – in den Rissen schaffst du Raum


Ein großes Banner in der Aula der Anbetungskirche macht das neue Jahresmotto der Schönstatt-Bewegung Deutschland präsent  (Foto: Klaus Kröper)

Ein großes Banner in der Aula der Anbetungskirche macht das neue Jahresmotto der Schönstatt-Bewegung Deutschland präsent  (Foto: Klaus Kröper)

Hbre&Cbre. Am heutigen Samstag (21. Oktober 2021) hat die Schönstatt-Bewegung Deutschland zu ihrem jährlich stattfindenden Oktober-Treffen eingeladen. Der Tag dient dazu, Mitglieder der Bewegung aus den unterschiedlichen Gemeinschaften und Projekten sowie Freunde und Interessierte gemeinsam auf die Mitte Oktober beginnende neue Jahresarbeit einzustimmen. Dazu ist einerseits die Begegnung an sich und der Austausch unter den knapp dreihundert Teilnehmenden ein wichtiger Faktor, andererseits ist es auch der Input durch unterschiedliche Referenten, die sich mit dem neuen Jahresmotto der Bewegung: „Zuversicht – in den Rissen schaffst du Raum“ auseinandersetzen. Nicht zuletzt geht es aber auch um ein gemeinsames spirituelles Erlebnis, besonders durch die Feier der Eucharistie und eine Gebetszeit mit Bündniserneuerung am Urheiligtum der Bewegung.

Pater Frank Riedel, Vorsitzender des Landespräsidiums der Schönstatt-Bewegung Deutschland, steht der Eucharistiefeier zur Eröffnung des Oktobertreffens in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt vor (Foto: Klaus Kröper)

Pater Frank Riedel, Vorsitzender des Landespräsidiums der Schönstatt-Bewegung Deutschland, steht der Eucharistiefeier zur Eröffnung des Oktobertreffens in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt vor (Foto: Klaus Kröper)

Predigt: Pater Lothar Herter ISch, Leiter der Schönstattwallfahrt (Foto: Klaus Kröper)

Predigt: Pater Lothar Herter ISch, Leiter der Schönstattwallfahrt (Foto: Klaus Kröper)

Risse öffnen den Blick zum Heiligen

Nach einem „Treffpunkt Urheiligtum“ mit Abendsegen und Begegnung am Freitagabend beginnt das Oktobertreffen mit einer Eucharistiefeier in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt. Pater Lothar Herter macht in seiner Predigt das aktuelle Weltgeschehen, vor allem die jüngsten Ereignisse in Israel und Palästina, in ihrer ganzen erschreckenden Tragweite präsent. Gleichzeitig zeichnet er ein Bild von Gott, der solidarisch und mitbetroffen vom tiefen Leid, sein Erbarmen und seine Liebe anbietet: Dass der Vorhang des Tempels entzweiriss, als Jesus am Kreuz starb, habe den Blick zum Heiligtum geöffnet. Das Heiligtum sei dadurch überall gewesen, Gott könne überall gefunden werden. Er suche – und damit stellte Pater Herter den Bezug zum Jahresmotto her – in den Rissen, die er erlebe, eine doppelte Zuversicht. Einmal den Gott, der sich betreffen lasse durch all das Leid, der sich sein Herz zerreißen lasse. Und zum anderen die Zuversicht, dass über allem Geschehen Jesu Wahrheit stehe, die größer sei: „Habt Mut, ich habe die Welt besiegt!“ (Joh 16,33) Wo Christus sei, sei ein großer Friede. „Durch die Risse hindurch treten wir ein in den Raum des Heiligen. Wir schauen auf Christus, das Bild des neuen Menschen und auf Maria, in der Menschsein ohne Bruch vor Augen gestellt ist. Ein Mensch mit vom Schwert durchbohrtem Herzen, aber in Würde und Schönheit.

Moderatorin Stephanie Pascual Jova und Pater Ludwig Güthlein ISch, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland  (Foto: Klaus Kröper)

Moderatorin Stephanie Pascual Jova und Pater Ludwig Güthlein ISch, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland  (Foto: Klaus Kröper)

Beim Hineingehen in die Risse wird etwas dazugeschenkt

Die Moderatorin des Tages, Stephanie Pascual Jova, Lehrerin am Gymnasium für Deutsch und kath. Religion in Konstanz, übergibt nach einer Programmübersicht das Wort an Pater Ludwig Güthlein. Im Sinne eines thematischen Einstiegs berichtet der Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland vom Anliegen der Delegiertentagung, auf der das Jahresmotto gefunden wurde, dass mit dem Wort Zuversicht die Risse nicht überdeckt werden sollen. Vielmehr soll das Vertrauen zum Ausdruck kommen, dass beim Hineingehen in die Risse etwas dazugeschenkt wird.

Prof. Dr. Joachim Söder, Professor für Philosophie an der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Aachen (Foto: Klaus Kröper)

Prof. Dr. Joachim Söder, Professor für Philosophie an der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Aachen (Foto: Klaus Kröper)

In den Rissen … Strukturlinien einer neuen Zeit

Thematisch ist der Vormittag zunächst den „Rissen“ gewidmet. Prof. Dr. Joachim Söder, Professor für Philosophie an der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Aachen, hat die Aufgabe übernommen, mit seinem Vortrag „In den Rissen … Strukturlinien einer neuen Zeit“ die Teilnehmenden mit aktuellen Entwicklungen und möglichen Einordnungen zu konfrontieren. Er benennt als die drei tiefen Risse, die drei Bruchkanten, die die aktuelle Zeit charakterisieren die „Vermassung versus Selbstoptimierung“, den vor allem den kirchlichen Bereich betreffenden Trend „Belonging without believing“ versus „Believing without belonging“ und den Riss „Post-Christlich versus Post-Säkular.“ Dass sich gerade in der Kluft zwischen den jeweiligen Risskanten ein Raum für Neues öffne, sei das eigentlich Spannende in dieser Situation.

Knapp 300 Teilnehmende sind in der Aula der Anbetungskirche zum Oktobertreffen 2023 versammelt (Foto: Klaus Kröper)

Knapp 300 Teilnehmende sind in der Aula der Anbetungskirche zum Oktobertreffen 2023 versammelt (Foto: Klaus Kröper)

Schwester Francine-Marie Cooper, Schönstätter Marienschwester (Foto: Klaus Kröper)

Schwester Francine-Marie Cooper, Schönstätter Marienschwester (Foto: Klaus Kröper)

In den Rissen… Biographie und Sendung Pater Josef Kentenichs

Biographie und Sendung Pater Kentenichs ist Thema des Beitrages von Schwester Francine-Marie Cooper, Schönstätter Marienschwester, Produzentin des Doku-Dramas „Einer muss vorangehen“. Ihr Beitrag ist als Baustein zu verstehen in der Beschäftigung mit dem Riss, der durch die ab Juli 2020 erhobenen Missbrauchsanschuldigungen gegen den Gründer Schönstatts und die am 3. Mai 2022 vom Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann verfügte Aussetzung des diözesanen Verfahrens zur Seligsprechung entstanden ist. Schwester Francine-Marie beschreibt eindrucksvoll in ihrem Film, der inzwischen in neun Sprachen übersetzt wurde, wie aus den Rissen im Leben Pater Kentenichs immer etwas Neues entstanden ist. Kentenich habe Auseinandersetzungen und Brucherfahrungen in seinem Leben benutzt, um zu lernen und nach Lösungen zu suchen. Wie Maria ihm wie ein roter Faden in seinem Leben den Weg durch die Risse wies, wird auch in kurzen Filmeinspielungen deutlich.

Pater Eduardo Aguirre ISch, Postulator im Seligsprechungsprozess Pater Kentenichs (Foto: Klaus Kröper)

Pater Eduardo Aguirre ISch, Postulator im Seligsprechungsprozess Pater Kentenichs (Foto: Klaus Kröper)

Im Anschluss an diesen Beitrag begrüßt Pater Güthlein den Postulator des Seligsprechungsprozesses Pater Kentenichs, Pater Eduardo Aguirre. Dieser greift das Jahresmotto im Blick auf die augenblickliche Situation um das Seligsprechungsverfahren auf: Die durch die Anschuldigungen gegen Kentenich auch im Prozess entstandenen Risse und Schwierigkeiten lädt er ein, in einer zuversichtlichen, vorsehungsgläubigen Haltung zu sehen. Die dadurch ausgelösten Forschungen seien eine neue Chance, das Charisma Pater Kentenichs und Schönstatts besser zu verstehen und neu in die Kirche hineinzugeben. Pater Aguirre kündigt an, in der Austauschgruppe am Nachmittag Weiteres zum Stand der Forschungen zu sagen und dazu, wie die internationale Schönstattbewegung dies mittragen kann.

Die Initiatoren des Familienfestivals 2024 (25./26.5.) stellen das Projekt unter dem Motto "Das WIR bewegt" vor und fordern die Teilnehmenden auf mit jeweils zwei neuen Familien am Festival teilzunehmen (Foto: Klaus Kröper)

Die Initiatoren des Familienfestivals 2024 (25./26.5.) stellen das Projekt unter dem Motto "Das WIR bewegt" vor und fordern die Teilnehmenden auf, mit jeweils zwei neuen Familien am Festival teilzunehmen (Foto: Klaus Kröper)

Prof. Dr. Rita Pécsi, Professorin an der Katholischen Hochschule Apor Vilmos in Vác bei Budapest, Ungarn (Foto: Klaus Kröper)

Prof. Dr. Rita Pécsi, Professorin an der Katholischen Hochschule Apor Vilmos in Vác bei Budapest, Ungarn (Foto: Klaus Kröper)

Schlüssel zur spirituellen Erneuerung: organisches Wachsen zwischen Freiheit und Bindung

Der Nachmittag stellt die Räume, die sich aus Rissen ergeben können ins Zentrum. Zum Auftakt gibt es einen weiteren Input von Prof. Dr. Rita Pécsi, Professorin an der Katholischen Hochschule Apor Vilmos in Vác bei Budapest, Ungarn. Sie zeigt unter dem Thema „Schlüssel zur spirituellen Erneuerung: organisches Wachsen zwischen Freiheit und Bindung“ Ansatzpunkte und Antworten auf, die in der pädagogischen Spiritualität Schönstatts gewachsen sind. Mit dem biblischen Vergleich: neuer Wein braucht neue Schläuche, charakterisiert sie die alten Schläuche als die auf allen Ebenen im Moment stattfindende mechanistische Denk- und Lebensweise. Die neuen Schläuche stellten die organische Sicht- und Wirkweise dar. Diese habe den ganzen Menschen im Blick, umfange ihn in seiner Ganzheit.

"Impulse für eine Kirche von morgen" - Moderation: Stephanie Pascual Jova, Schwester M. Anrika Dold, Rebekka Bischoff und Maria Pelz (v.l.) (Foto: Klaus Kröper)

"Impulse für eine Kirche von morgen" - Moderation: Stephanie Pascual Jova, Schwester M. Anrika Dold, Rebekka Bischoff und Maria Pelz (v.l.) (Foto: Klaus Kröper)

Austauschgruppen mit den Referenten

Danach sind alle Teilnehmenden in Austauschgruppen in Gesprächen mit den Referenten aufgefordert, sich mit den Rissen und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten vertiefend zu beschäftigen. Zusätzlich gibt es auf dem Hintergrund der aktuell laufenden Weltsynode eine Austauschgruppe zur „Impulse für eine Kirche von morgen“. Drei Referentinnen berichten dort aus drei ganz unterschiedlichen Erfahrungsfeldern, in denen sie hoffnungsvolle Neuansätze für Kirche erlebt haben: Maria Pelz, die beim „Europäischen Kontinentaltreffen zur Vorbereitung der Weltsynode“ in Prag dabei sein konnte, weist auf die synodalen Strukturelemente der Schönstatt-Bewegung hin und lädt ein, an der Haltung Pater Kentenichs abzulesen, wie man sich an der Lehre der Kirche freuen und treu zu ihr stehen und gleichzeitig, wo nötig, konstruktive Kritik einbringen kann. Schwester M. Anrika Dold berichtet von ihren Erfahrungen bei der „Dennoch Konferenz“ in Hamburg, die sich an Aufbruchskräfte aus den verschiedensten Kirchen richtete und von der viel Inspiration, Austausch, Bildung und Training an einem Wochenende ausging. Rebekka Bischoff, Gründungsmitglied des deutschlandweiten Netzwerkes „Jugend für Kirche“, stellt die Leitlinien dieser Initiative vor. „Wir geben Zeugnis davon, dass junge Menschen heute Jesus in großer spiritueller Vielfalt nachfolgen – in Liebe und Treue zu Christus und seiner Kirche. Wir wollen einander geistlich und praktisch bereichern und eine christliche Kultur von gegenseitiger Wertschätzung leben.“ Dabei seien die persönliche Gottesbeziehung und die Lehre der katholischen Kirche Grundlage und Orientierung, so Bischof. Das Publikum ist eingeladen, von eigenen Zuversichts-Erlebnissen in der derzeitigen kirchlichen Situation zu berichten. Deutlich wird in allen Beiträgen, dass Beziehung, Verbundenheit und Freude am Glauben für die Kirche der Zukunft von zentraler Bedeutung sind.

Eine Musikgruppe sorgte für die musikalische Gestaltung (Foto: Klaus Kröper)

Eine Musikgruppe sorgte für die musikalische Gestaltung (Foto: Klaus Kröper)

Zuversicht: Zeugnisse aus dem Leben – Wege gestalten

Nach den Austauschgruppen liegt der Fokus auf Zuversicht. Fünf Zeugnisse aus verschiedensten Berufs- und Lebensfeldern geben dem neuen Jahresmotto eine beeindruckende Tiefe. „Das geschieht nur“, so Moderatorin Stephanie Pascual Jova, „wenn Menschen bereit sind, ihr Herz ein Stück weit zu öffnen.“

Zusammenfassung: Pater Ludwig Güthlein ISch (Foto: Klaus Kröper)

Zusammenfassung: Pater Ludwig Güthlein ISch (Foto: Klaus Kröper)

„Zuversicht - risk it!“

Mit den drei Stichworten „Risse“, „Miteinander Raum“ und „Göttliche Zuversicht“ fasst Pater Ludwig Güthlein das Oktobertreffen 2023 zusammen. Risse schaue man nicht gern an. Aber der Versuch, den Riss nicht wahrhaben zu wollen, verhindere den Kontakt zur Realität. Bei aller Freude über Ideales sei der Riss, das Realitätsmächtige wichtig, um die Größe der Realität wahrzunehmen. Er sei dankbar – so der Bewegungsleiter – „wenn wir auf die Risse auch in unserem Bewegungs-Alltag schauen, weil wir merken, dass Vermeiden Wachstum verhindert. Das Hinschauen in einer guten, ehrfürchtigen Weise führt zum Wachstum.“ Der Raum, der es möglich mache, dass Risse auch Wachstum bedeuten, sei der „Miteinander-Raum“. Beziehung verlange immer Zeit, Investition. „Aber ohne den Miteinander-Raum, den Beziehungs-Raum kann keiner von uns auf die Dauer Schönstatt aufbauen.“ Kentenich spreche vom Stehen in göttlicher Zuversicht. „Wenn wir meinen, wir können es organisieren und Schönstatt nicht aus der Erfahrung der göttlichen Dimension herauswächst, wird dieses Schönstatt nicht leben können.“ Er sei froh mit dem Motto – so Güthlein – gleichzeitig halte er die Luft an, was es heiße, bereit zu sein, in die Risse hineinzuspringen. Ein tolles und anspruchsvolles Jahr stehe vor der Bewegung: „eines, das uns in die Tiefe führt. Wenn man überlegt, was kommen kann in der Weltgeschichte, ist vielleicht gerade dieser Schritt der Tieferführung eine Vorbereitung“, so der Bewegungsleiter.

Der intensive Tag mündet am Abend in ein gemeinsames Abendgebet, das in der Pilgerkirche beginnt und am Urheiligtum mit der Bündniserneuerung endet. Beim sich anschließenden Lagerfeuer am Pilgerhaus gibt es Gelegenheit zur Begegnung und zum weiteren Austausch.

 


Top