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Abschied vom Heiligtum der Vaterliebe in Karlsruhe-Durlach
Etwa 150 Gäste aus nah und fern waren gekommen, um die Hl. Messe am Schönstatt-Heiligtum in Karlsruhe-Durlach mitzufeiern (Foto: Bertram Ganz)
Sylvia Ganz. Das Heiligtum in Karlsruhe-Durlach wurde über 54 Jahre lang vom Säkularinstitut der Frauen von Schönstatt betreut. Am Sonntag, 20. September 2026, wurde es in einem feierlichen Akt profaniert. Das Innere der Kapelle wird nach Luque in Paraguay geschenkt, wo die dortige Schönstatt-Familie ein neues Filialheiligtum errichtet.
Das am grünen Stadtrand von Karlsruhe gelegene Bethanien-Heiligtum hat am 20. September 2026 zum letzten Mal viele Menschen angezogen. Etwa 150 Personen waren zum Abschiedsgottesdienst an der Schönstatt-Kapelle gekommen, um der feierlichen Profanierung des Heiligtums beizuwohnen. Das Heiligtum war jahrzehntelang geistlicher Treffpunkt der Bewegung im Raum Karlsruhe gewesen und wurde seit dem 2. Juli 1972, dem Tag der Einweihung, vom Säkularinstitut der Frauen von Schönstatt betreut. Die Frauen waren in all den Jahren Ansprechpartnerinnen für die vielen Besucher des Heiligtums, Gastgeberinnen zahlreicher Gruppen und Veranstaltungen und haben bis zuletzt regelmäßige Gottesdienste und Eucharistische Anbetung ermöglicht. In den letzten 17 Jahren hatte Maria Fischer, die seit Sommer 2025 neue Generaloberin des Säkularinstituts der Frauen von Schönstatt ist, die Verantwortung vor Ort inne.
Pfarrer Peter Falk, Diözesanleiter der Schönstatt-Bewegung im Erzbistum Freiburg, hielt die Predigt anlässlich der Profanierung (Foto: Bertram Ganz)
Viele Gäste aus nah und fern
Pfarrer Peter Falk, Diözesanleiter der Schönstatt-Bewegung im Erzbistum Freiburg, stand dem Abschiedsgottesdienst vor. Mit ihm feierten auch zahlreiche Geistliche mit, darunter Pater Felix Geyer ISch, Leiter der Schönstatt-Bewegung in Deutschland, Pater José Melo, geistlicher Direktor des Säkularinstituts der Frauen von Schönstatt, Pfarrer Andreas Rapp, Priester des Schönstatt-Priesterverbands im Ruhestand, der in den letzten Jahren die Messe im Heiligtum gefeiert hat, und Pfarrer Steffen Jelic, Kooperator in St. Stephan, Karlsruhe. Eine Delegation mit 13 Schönstättern war eigens aus Luque, Paraguay, angereist.
Mein Herz – dein Bethanien
Pfarrer Peter Falk ging in seiner Predigt auf die besondere Bedeutung des biblischen Ortes Bethanien und seine Übertragung in unsere Zeit und Situation ein. Er zitierte den Schönstatt-Gründer Pater Josef Kentenich, der, so Falk, Karlsruhe in sein Herz geschlossen habe: „Wir sind noch nicht fertig mit unseren Heiligtümern. Jetzt kommt das Wichtigste. Was ist das? Das Herzensheiligtum.“ Falk brachte die Sendung und das Charisma des Ortes Bethanien in die Kurzformel „Mein Herz – dein Bethanien“.
Papst Leo XIV., so Peter Falk, habe Bethanien in drei kurzen Stichworten benannt: „Bethanien, das ist Gastfreundschaft, das ist Dienen und das ist Zuhören. Das ist der innere und der äußere Vorgang von Bethanien. Und genau das will durch uns und in uns weitergehen.“ Er schloss seine Predigt: „Und es ist doch ein riesiges Geschenk, dass heute so viele liebe Gäste aus Paraguay zu uns gekommen sind. Sie nehmen Bethanien mit nach Hause.“
Worte des Dankes
Der anschließenden Profanierung des Heiligtums gingen einige Grußworte voraus. Die Regionaloberin der Regio-Süd der Frauen von Schönstatt, Brigitte Wacker, dankte Maria Fischer für ihr segensreiches Wirken. „Nach jahrelangem Abwägen, Ringen und Suchen nach einer guten Lösung für unser Schönstatt-Zentrum hier kommt jetzt dieser große, ja gewaltige und schmerzliche Schritt: Unser Heiligtum wird nicht mehr das uns bekannte Heiligtum sein. Doch wir vertrauen, dass der Gott des Lebens in den gegenwärtigen Wandlungsprozessen am Werk ist und die Gottesmutter mitgeht.“
Maria Fischer, Generaloberin der Frauen von Schönstatt, begrüßte die Gäste und die mitfeiernden Priester: Pfarrer Steffen Jelic, Pater Bernhard Schneider, Monsignore Dr. Peter Wolf, Pater Felix Geyer ISch, Pater José Melo, Pfarrer Peter Falk und Pfarrer Andreas Rapp (Foto: Bertram Ganz)
Im Namen der regionalen Schönstattfamilie bedankte sich auch Marie-Luise Gerber: „Wir haben viel von euch bekommen in den vergangenen Jahrzehnten. Ihr habt der Schönstatt-Bewegung der Region Karlsruhe über Jahrzehnte ein offenes Heiligtum ermöglicht. Danke für alles, was wir hier miteinander ausprobiert haben.“
Eine Vertreterin aus Luque, Paraguay, richtete ebenfalls ihren Dank an die Gemeinschaft der Frauen von Schönstatt. In Luque gebe es die Familienbewegung bereits seit 43 Jahren und seitdem sei die Sehnsucht nach einem Filialheiligtum in der Stadt gewachsen. Hinter dem Schmerz eines Abschieds hätten die Frauen von Schönstatt es verstanden, die Wege der göttlichen Vorsehung zu erkennen und diesen Moment in einen neuen missionarischen Auftrag zu verwandeln.
Ringen um die Zukunft
Pater Felix Geyer ISch würdigte den Trauerprozess in den Herzen vieler Menschen und ordnete in seinem Grußwort das Geschehen ein. Die Frauen von Schönstatt hätten die gesamte Bewegung einbezogen in ihr Ringen um eine Entscheidung. „Wenn uns das gelingt, dass von diesem Tag heute ausgehend dieses innere Ringen zunehmend zu unserer Art wird, wie wir Probleme und große Fragen der Zeit beantworten, dann hat dieser heutige Tag eine Sendung, die für die Zukunft ausstrahlt.“ An die Delegation von Luque und an alle Gäste gerichtet sagte Pater Felix Geyer abschließend: „Ich wünsche euch, dass der Neuanfang auf diesem Fundament von jahrzehntelangem Gebet und Opfern, dass dieser Neuanfang ein kräftiger sein wird, der ausstrahlt auf ganz Paraguay und auch darüber hinaus. Und ich wünsche all den Menschen, die ihre Bindung hier verloren gehen sehen, dass auch sie einen Neuanfang finden im Miteinander, im eigenen Herzen und dort, wo sie zusammenkommen.“
Die Gäste aus Luque, Paraguay, waren eigens angereist, um die Ausstattung des Heiligtums symbolisch zu übernehmen (Foto: Bertram Ganz)
Abschied von Symbolen und dem Allerheiligsten
Der Gottesdienst wurde mit dem Akt der Profanierung fortgesetzt. Es folgte ein Gebet, das Verlesen des Profanierungsdekrets des Erzbischofs von Freiburg, Stephan Burger, und die Prozession mit dem Allerheiligsten. Nacheinander wurden im Heiligtum das Gnadenbild der MTA, das Vatersymbol, das Symbol des Heiligen Geistes, das Kreuz der Einheit und die Krone abgenommen. „Indem wir die Symbole entfernen und das Heiligtum schließen, geben wir Gott alles zurück, was wir von ihm empfangen haben“, erläuterte eine Vertreterin der Frauen von Schönstatt den Akt der Profanierung. Das Kreuz der Einheit wurde den Vertretern der Delegation von Luque geschenkt. Später sollen auch das MTA-Bild und der Rest der Innenausstattung folgen. Zuletzt wurde das Allerheiligste aus dem Tabernakel entnommen und in die örtliche Pfarrkirche gebracht sowie das ewige Licht gelöscht.
Das Charisma von Bethanien weiter pflegen
Beim anschließenden Beisammensein bei Kaffee und Kuchen wurde die Trauer der Schönstatt-Familie und der zahlreichen Freunde des Heiligtums deutlich spürbar. Aber auch Hoffnung in Gestalt von Ideen für ein Weitertragen des von Schönstatt geprägten geistlichen Lebens in der Region. Das Charisma von Bethanien kann und soll weiterleben in den Herzen, aber auch in ganz konkreten Aktionen, die die Menschen vor Ort im Geist Schönstatts miteinander verbinden.
