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Neue Etappe für die Marienau: Das Haus der Bewegung am Ursprungsort Schönstatt
Die Marienau mit der ehemaligen Klosterkirche der Augustinerinnen in Schönstatt, Vallendar, im Jahr 1888. Von der Klosterkirche ist heute noch ein Turm erhalten (Foto: Aus dem Festbüchlein „Marienau 1888–1913“, von Vikar Johannes Metzdorf)
Mch. Vom Priester- und Gästehaus zum „Haus der Bewegung“: Die Marienau in Schönstatt, Vallendar, beginnt eine neue Etappe ihrer bewegten Geschichte. Der Schönstatt-Priesterbund übergibt Haus und Gelände an die deutsche Schönstatt-Bewegung. Damit entsteht am Ursprungsort Schönstatt ein zentraler Ort für Begegnung, Tagungen, Bildung und Medienarbeit – und die Zukunft der Bewegung.
Ein Haus mit Geschichte
Wer heute zur Marienau in Schönstatt kommt, entdeckt einen Ort, dessen Geschichte weit über die Anfänge der Schönstatt-Bewegung hinausreicht. Historische Fotografien aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen das Gebäude und das weitläufige Gelände in unmittelbarer Nähe der mittelalterlichen Klosteranlage Schönstatt. Noch standen damals zwei Türme der früheren Basilika des Klosters, während sich rund um die Gebäude große freie Flächen erstreckten. Das Gebäude der Marienau war ursprünglich als Tuchfabrik errichtet worden. Betrieben wurde die Fabrik mit der Kraft des Wassers – passend zum Namen Vallendar, der auf die keltische Bedeutung „Tal der Wasser“ zurückgeführt wird.
Im Jahr 1888 erwarb Maria Wolters das Haus und das dazugehörige Gelände. Sie gab ihm den Namen „Marienau“ und gründete dort ein katholisches Mädchenpensionat sowie eine Lehrerinnen-Bildungsanstalt. Für die damalige Zeit war dies ein bemerkenswertes und geradezu revolutionäres Engagement: Frauen wurden ausgebildet, um einen Beruf auszuüben und selbstständig tätig zu sein – auch wenn sie unverheiratet blieben.
Von 1920 bis 1950 war die Marienau Sitz des Provinzialats und Noviziats der Steyler Missionsschwestern.
76 Jahre Heimat und Vaterhaus der Schönstatt-Priester
1950 erwarben die Schönstatt-Priester das Haus und das Gelände. In den 1960er-Jahren gliederten sie sich in Bund, Liga und Verband. Der Verband siedelte sich auf Berg Moriah an, während der Schönstatt-Priesterbund Eigentümer und Träger der Marienau blieb. 76 Jahre lang war die Marienau damit Zentrale, Heimat und Vaterhaus des Schönstatt-Priesterbundes.
Auch Pater Josef Kentenich, der Gründer der Schönstatt-Bewegung, hielt sich gerne in der Marienau auf. Hier fanden Tagungen für Priester und für die Schönstatt-Bewegung statt. Zugleich schätzte Pater Kentenich das Haus als Ort des Rückzugs und der Ruhe.
Im Laufe der Jahrzehnte öffnete sich die Marienau zunehmend für weitere Menschen. Zunächst waren es vorwiegend Mitglieder der Schönstatt-Bewegung und kirchliche Gruppen, die hier zu Gast waren. Immer mehr wurde das Haus jedoch auch für Menschen geöffnet, die unabhängig von einer Zugehörigkeit zur Bewegung das „Haus an der Quelle“ schätzen.
Übergang in eine neue Etappe: Die Marienau wird zum „Haus der Bewegung“
Nun beginnt für die Marienau ein neuer Abschnitt ihrer Geschichte. Der Schönstatt-Priesterbund übergibt das „Priester- und Gästehaus Marienau“ an die deutsche Schönstatt-Bewegung. Die Marienau soll künftig als „Haus der Bewegung“ am Ursprungsort Schönstatt dienen – in gewisser Weise wieder in einer Funktion, wie sie das frühere Bundesheim in vergangenen Zeiten hatte: als zentraler Ort für die Begegnung, die Arbeit und das gemeinsame Leben der Schönstatt-Bewegung.
Seit mehreren Monaten arbeitet ein Projektteam an diesem Übergang. Mitglieder des Schönstatt-Priesterbundes, der Schönstatt-Patres und der deutschen Schönstatt-Bewegung entwickeln gemeinsam mit Fachleuten die notwendigen strukturellen, personellen und finanziellen Perspektiven.
Geleitet wird dieser Prozess vom Bewegungsleiter, Pater Felix Geyer. Für alle Beteiligten ist die Neuausrichtung eine Herausforderung. Gleichzeitig geht es darum, aufmerksam hinzuhören und hinzusehen: Was ist im Blick auf die göttliche Vorsehung der nächste Schritt? Was ist trag- und zukunftsfähig? Wie kann die Marienau ihren Auftrag für die Schönstatt-Bewegung heute und morgen erfüllen?
Schon heute Zentrale der deutschen Schönstatt-Bewegung
Der Wandel ist inzwischen auch ganz konkret sichtbar. Die Marienau ist bereits die Zentrale der deutschen Schönstatt-Bewegung und hat die neue Adresse Höhrer Straße 86. Die bisherige Telefonnummer bleibt vorerst bestehen. Bewegungsleiter Pater Felix Geyer und das Sekretariat mit Schwester Marie-Siegrun sind in die Marienau umgezogen. Auch einige Schönstatt-Patres wohnen hier, die am Ort Schönstatt und in der Bewegung tätig sind. Darüber hinaus haben die Medienzentrale der deutschen Schönstatt-Bewegung und das PressOffice bereits Räume in der Marienau bezogen. Weitere Büros sind geplant.
Gleichzeitig wächst das Leben im Haus. Besuche, Tagungen, Fortbildungen und Kurse bringen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Schönstatt-Bewegung und darüber hinaus zusammen. So wird die Marienau zunehmend zu dem, was ihr neuer Name ausdrückt: zum „Haus der Bewegung“.
Die neue Einfriedung gibt den Blick frei auf die Marienau in der Höhrer Straße in Vallendar. Die Marienau wird zum „Haus der Bewegung“, bleibt aber auch weiterhin ein Gästehaus für verschiedene Gruppen, die zu Tagungen zusammenkommen (Foto: Chrobok)
Die Marienau bleibt auch weiterhin ein Gästehaus
Bei aller Veränderung bleibt die Marienau ein Ort der Gastfreundschaft. Insgesamt stehen weiterhin 22 Gästezimmer mit eigener Nasszelle zur Verfügung, darunter Einzel- und Doppelzimmer. Im Nebenhaus gibt es zusätzlich neun einfache Zimmer. Damit bleibt die Möglichkeit erhalten, Menschen am Ursprungsort Schönstatt willkommen zu heißen – zu Tagungen und Kursen, für Begegnungen, Fortbildungen oder auch für persönliche Aufenthalte.
Der Schönstatt-Priesterbund bleibt präsent
Mit der Übergabe der Marienau endet keineswegs die Präsenz des Schönstatt-Priesterbundes am Ort Schönstatt. Der Priesterbund bleibt mit seinem „Kanaan-Patris-Heiligtum“ und dem „Karl-Leisner-Haus“ im Garten der Marienau präsent. Dort befinden sich unter anderem Wohnungen und Räume für die internationale Leitung, den Rektor des Heiligtums, das Sekretariat und das Archiv.
Auch künftig wird die Verbindung zwischen Priesterbund und Marienau bestehen bleiben. Wenn die Bundespriester am Ort Schönstatt zu Tagungen zusammenkommen, wissen sie sich im neuen „Haus der Bewegung“ weiterhin herzlich willkommen.
Transparenz statt Mauer
Ein sichtbares Zeichen des Wandels erwartet die Besucher bereits von der Straße aus. Die alte Mauer, die das Gelände der Marienau über Jahrzehnte geprägt hat, konnte nicht erhalten werden. An ihre Stelle ist eine hochwertige und transparente Einfriedung getreten. „Mauern gibt es auch schon zu Genüge“, schreibt Rektor Egon M. Zillekens. Die neue Gestaltung eröffnet einen freieren Blick auf Haus und Gelände und kann damit zugleich als Symbol für die neue Etappe verstanden werden: weniger Abgrenzung, mehr Offenheit; weniger Rückzug, mehr Begegnung.
Die Finanzierung dieser neuen Einfriedung wurde durch einen schwer kranken Bundespriester ermöglicht, der dafür das notwendige Geld zur Verfügung stellte – ein persönliches Zeichen der Verbundenheit mit der Marienau und ihrer Zukunft.
Ein Haus für die Zukunft
Die Marienau hat in ihrer langen Geschichte bereits viele Veränderungen erlebt: von der Tuchfabrik über das Mädchenpensionat und die Lehrerinnen-Bildungsanstalt, vom Haus der Steyler Missionsschwestern zum Zentrum des Schönstatt-Priesterbundes und schließlich zum offenen Priester- und Gästehaus.
Nun beginnt eine weitere Etappe. Als „Haus der Bewegung“ soll die Marienau künftig ein Ort sein, an dem die deutsche Schönstatt-Bewegung zusammenkommt, arbeitet, betet, sich bildet und Zukunft gestaltet. Ein Haus am Ursprungsort Schönstatt, das aus seiner Geschichte lebt und zugleich offen ist für das, was kommt.
Die Geschichte der Marienau geht weiter.
