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Aufarbeitung der Causa Josef Kentenich: Offen für die Wahrheit
Im Rahmen der Forschungen zur Causa Kentenich hat die Schönstatt-Bewegung inzwischen 10 Bücher der Studienausgaben Dokumente zur Geschichte der Schönstattbewegung herausgegeben. Ein elfter Band, die Studienausgabe 4.4 steht kurz vor der Fertigstellung (Foto: Brehm)
Heinrich Brehm. Die historische Forschung zur Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Pater Josef Kentenich ist in vollem Gang und längst nicht abgeschlossen. Bisher bekannte Quellen, die teilweise auch belastende Zeugnisse enthalten, werden erhoben und zugänglich gemacht. Ihre historische Einordnung ist in wesentlichen Punkten weiterhin Gegenstand unterschiedlicher Interpretationen. Offenheit der Forschung gilt für verschiedene Richtungen: Es kann sich Belastendes erhärten; ebenso kann sich zeigen, dass Vorwürfe anders einzuordnen sind und eine vermutete Täterschaft nicht begründet werden kann. Da die Gesamtforschung noch Jahre in Anspruch nehmen wird, sind aus Sicht der Schönstatt-Bewegung vorschnelle Urteile zu vermeiden.
Historische Quellen sorgfältig einordnen
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie viel hinsichtlich des Umgangs mit solchen Quellen dazuzulernen ist. Zeugnisse lassen sich nicht ohne jeden Kontext bewerten: Sie entstehen in einem Lebenszusammenhang, werden überliefert, gedeutet und oft erst Jahre nach den beschriebenen Ereignissen schriftlich festgehalten. Verlässliche Aufarbeitung verlangt, dass Befund und Deutung unterschieden werden, dass Entstehungsgeschichte, zeitliche Abstände und Überlieferungswege transparent dargestellt und eingeordnet werden – und dass dieses Verfahren für alle Seiten gilt.
„Keine Angst vor der Wahrheit“ gehört dabei für die Schönstatt-Bewegung zur Grundhaltung. Historische Forschung kann Belastendes zutage fördern, sie kann bestehende Deutungen auch relativieren. Für viele Menschen in Schönstatt gehört Pater Kentenich zu den prägenden geistlichen Gestalten ihres Lebens und diese Verbundenheit wird durch offene Forschung nicht entwertet – so wenig wie sie negative Erfahrungen aus dem Weg räumen könnte. Eine ergebnisoffene Darstellung von Fakten und Zusammenhängen muss offen sein für verschiedene Perspektiven und für vielleicht unerwartete Ergebnisse.
Einladung, Erfahrungen und Dokumente einzubringen
An dieser Aufarbeitung sind mehrere Stellen beteiligt – etwa die Herausgeber der seit 2021 erscheinenden Studienausgaben Dokumente zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung (inzwischen 10 Teilbände mit insgesamt über 3.000 Seiten), Forschende an Universitäten sowie interne Arbeitskreise der Schönstatt-Gemeinschaften, die in ihren Archiven die Erschließung der Quellen leisten.
Die bisherigen Forschungsarbeiten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Möglicherweise existieren noch weitere Quellen und Erinnerungen, die bislang nicht zugänglich gewesen sind oder nicht im Blick waren. Deshalb werden alle Personen, die eigene Erfahrungen mit Pater Josef Kentenich gemacht haben oder die über bislang nicht zugängliche Briefe, Aufzeichnungen oder Dokumente verfügen, eingeladen, sich zu melden. Das gilt für Erinnerungen und Dokumente, die bisher unveröffentlicht sind, und ausdrücklich auch für eventuelle Erfahrungen, die als grenzverletzend, oder missbräuchlich erlebt wurden. Entsprechende Hinweise werden gesammelt, vertraulich behandelt und nicht vorab bewertet.
Kontakt
- historische-kentenichforschung@schoenstatt.de
- oder: Pater Felix Geyer, bewegungsleiter@schoenstatt.de
