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„Im Sturm glauben“ - Einkehrtag der Senioren- und Krankenliga auf dem Marienberg
Auf dem Besinnungstag der „Schönstatt-Bewegung Senioren- und Krankenliga“ konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geistig stärken lassen. Diözesanpräses Martin Emge nahm Bezug auf das Jahresmotto „Dem Wind trauen – im Sturm glauben“ (Foto: Renate Siebenkäs)
Renate Siebenkäs/Mch. Am Montag, 28. September, hat die „Schönstatt-Bewegung Senioren- und Krankenliga“ zu Besinnungstagen ins Schönstatt-Zentrum auf den Marienberg eingeladen. Zweimal im Jahr gibt es dabei die Möglichkeit, sich religiös stärken zu lassen, stärkende Lebenshilfe zu erhalten und wohltuende Gemeinschaft zu erleben. Das Thema des Herbsteinkehrtages war angelehnt an die Jahresparole der Schönstatt-Bewegung: „Dem Wind trauen – im Sturm glauben“.
Domkapitular und Diözesanpräses Martin Emge stimmte zu Beginn des Einkehrtages auf das Leitwort ein: „Welche Stürme haben Sie erlebt? Wie ist es Ihnen gelungen, im Sturm zu glauben?“
Bei der heiligen Messe während des Besinnungstages spendete Martin Emge den Gläubigen die Krankensalbung (Foto: Renate Siebenkäs)
Dabei stand der zweite Teil „Im Sturm glauben“ im Vordergrund. Martin Emge referierte unter Einbezug der anwesenden Senioren. Während des Vortrags entwickelt sich am Boden ein Bild, welches das Thema veranschaulichte. In der Aufwärmphase des Mitmachtages führte das blaue Tuch ganz locker zum Thema hin. Einige Teilnehmerinnen standen auf und sollten das Tuch festhalten. Es spannte sich einmal als Himmel, ein anderes Mal als ruhige See und zum Schluss wehte ein heftiger Wind über das Tuch.
Am 4. Oktober erinnerte die Kirche an den „Poverello“ von Assisi, den heiligen Franziskus. 2026 war es besonders, denn vor genau 800 Jahren ist der beliebte Heilige und Ordensgründer gestorben (Foto: Renate Siebenkäs)
Franz von Assisi als Beispiel in stürmischen Zeiten
Franz von Assisi zeigte in seiner Zeit, was es heißt, im Sturm zu glauben. 2026 wurde sein 800. Todestag am 4. Oktober groß gefeiert. Der heilige Franziskus lebte in einer stürmischen kirchlichen Zeit und erhielt den Auftrag von Jesus: „Bau mir meine Kirche auf!“ Das war auch sein Bekehrungserlebnis unter dem Kreuz von San Damiano. Er nahm das Evangelium wörtlich und lebte eine radikale Einfachheit mit dem Gekreuzigten.
Martin Emge: „Welche Stürme haben Sie erlebt?“
Ein tiefes Erlebnis des Referenten als 12-Jähriger am Bodensee führte zum Mittelmeer, nach Lampedusa. Die vielen kleinen Kreuze der Einheit, die unter das rote Stoffboot gelegt wurden, standen für die vielen Flüchtlinge, die während ihres Weges in eine bessere Zukunft ertranken. Die Betroffenheit war spürbar. Der Referent fragte: „Im Sturm glauben – kann ich da nicht verrückt werden? Wie vermag ich in einer eiskalten Welt im Sturm zu glauben?“
Nach einer kurzen Stille stellte er die Fragen: „Welche Stürme haben Sie erlebt? Wie ist es Ihnen gelungen, im Sturm zu glauben?“ In Dreiergruppen kamen die Senioren ins Gespräch. Es waren Gespräche, die in die Tiefe führten und auch zu Tränen bewegten. Einige Aussagen von einzelnen Gruppen:
- „Als der Schmerz so groß war, konnte ich nicht mehr beten und nicht mehr glauben!“
- „Schwere Krankheiten in der Familie und auch die eigene Krankheit, oder der frühe Tod von Angehörigen – da stärkten mich die Gebete von Freunden. Ich bin viel auf Wallfahrten gegangen und deswegen bin ich auch heute hier!“
- „Der Ärztepfusch an der Tochter war sehr belastend. Durch Glauben und Gebete ist sie wieder gesund geworden.“
- „Viele Stürme hatte ich zu bewältigen: als die Ehe meines Sohnes zerbrach, die Tochter an Krebs gestorben ist, der Mann in der Corona-Zeit verstarb. Ich konnte nur immer beten, dann trägt sich alles leichter und ich steigerte mich nicht in den Schmerz hinein. Beten hilft immer, nicht gleich, aber immer!“
- „Der Tod des Ehemanns, Krebs, Geldsorgen, Arbeitssorgen – wie bringe ich meine Kinder auf den richtigen Weg? Zum Glück haben wir unseren Glauben gehabt. Beten, in die Kirche gehen – das hat mir in meiner Not sehr geholfen.“
- „Der Verlust lieber Menschen wie Freundin oder Bruder belastete mich emotional sehr. Ich ging viel in die Kirche und war dort aktiv. Ich konnte allmählich wieder froh werden!“
- „Mein Mann ist am 50. Todestag von Pater Josef Kentenich gestorben. Die Glocke am Marienberg wurde geläutet. Ich bin überzeugt, jetzt geht es meinem Mann gut, denn Pater Josef Kentenich hat ihn sicherlich selbst abgeholt. Das ist ein großer Trost für mich.“
Diözesanpräses Martin Emge schloss die Runde, die sehr berührte, mit einem „Herr, erbarme dich, erbarme dich unserer Zeit. Erbarme dich derer, die Schlimmes erlebt haben.“ Und fuhr fort: „Das war eine schwere Runde, die vielen schweren Stürme in unserer Gruppe. Wir haben wirklich genug Kreuze, Lasten und Nöte zu tragen, die uns umtreiben.“ Die gesammelten „Stürme“ wurden rund um den Heiligen Franziskus gelegt.
Der Besinnungstag auf dem Marienberg war geprägt von Tiefe, geistlicher Erneuerung und dem Bewusstsein, was es heißt, in den Stürmen des Lebens das Beten nicht zu verlernen (Foto: Renate Siebenkäs)
Es kann sein, dass Beten überhaupt nicht mehr geht. Warten, bis die Wunde verheilt, auch wenn Narben bleiben. Trotz aller Not und Trauer bin ich nicht allein. Die Zuflucht ins Gebet, wenn gar nichts mehr geht, hilft: „Guter Gott, du bist der Schöpfer, der Herr meiner Kinder, kümmere du dich um sie.“
Zum Evangelium über den Sturm auf dem See sagte Martin Emge: „Diese Geschichte wird seit 2000 Jahren erzählt. Wir erkennen: Jesus ist stärker als jeder Sturm. Das verändert die Geschichte. In meinem Lebensboot sitzt Jesus – und somit bin ich nie allein.“ Dem folgten einige Lebensbeispiele: „Wenn Jesus kommt, wird es stiller. Mir fallen dazu Geschichten ein. Die Schönstatt-Bewegung zeigt, wie es geht, in Stürmen ganz ruhig zu bleiben.“
Maria zieht die Menschen im Liebesbündnis an ihr Herz
Am Lebenslauf von Pater Josef Kentenich zeigte der Referent auf, wie Schönstatt die Kraft von ihm verdankt. Auch wichtige Begriffe der Schönstatt-Bewegung wie das Liebesbündnis mit der Muttergottes, und der Blankoscheck wurden erläutert. Eine wichtige Aussage: „Wir dürfen glauben, dass SIE mich ans Herz zieht, denn wenn die Mutter sieht, dass ihr Kind weint, nimmt SIE es in die Arme – ohne Bedingung und bevor wir überhaupt mit dem Beten anfangen. Das ist Gnade.“
Über Pater Franz Reinisch, Josef Engling und Schwester Emilie Engel
Weitere Lebensschicksale wie das von Josef Engling: „Das liebe Mütterlein ist bei mir!“ folgten. Natürlich kam auch Pater Franz Reinisch als liebesglühender Apostel und Baupatron des Marienbergs, welche Stürme und wie er sie erlebte und löste. Auch Emilie Engel als strahlende Marienschwester, die in ihrer Kindheit viel Spannungen mit ihrem Vater ertrug, wurde ein Kind der Vorsehung: „Der Vater sorgt und liebt mich über alles!“
Als Schlusslicht tauchte der selige Karl Leisner auf: „Jesus Christus, meine Leidenschaft!“ war sein Lebensmotto.
Seinen genialen Vortrag beendete Martin Emge so: „Im Sturm glauben, das geht. Im Lebensboot auf hoher See darf ich die Hand Gottes spüren. Im starken Glauben dürfen wir beten, dürfen wir uns tragen lassen vom dreifaltigen Gott. Und viele Vorbilder gehen voran, helfen uns, im Sturm zu glauben.“
Am Nachmittag lud Hannelie Seiler zur Anbetung ein. Anschließend wurde die Eucharistie mit Krankensalbung gefeiert. Die roten „Sturmzettel“ wurden als stille Fürbitten auf den Altar und am Ende in den Krug gelegt. Am Bündnistag, dem 18. Oktober, werden sie verbrannt.
Am Ende des Gottesdienstes rundete die Lesung von Hiob den Tag ab. Diözesanpräses Martin Emge empfahl den Gläubigen: „Ihre Hiobsbotschaften sind auf den roten Zetteln, auf denen die Leiden Ihres Lebens festgehalten sind. Wir dürfen das Vertrauen haben, aus der Asche aufzustehen, mit dem Vertrauen, dass Jesus mit uns geht. Wir sind eine Gemeinschaft im Glauben und er sitzt mit im Boot. Dann kann es nicht untergehen. Amen.“
