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12. Oktober 2026 | Worte des Bewegungsleiters | 

Mitten im Heute - Was zählt?


Das Jahresmotto der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Gestaltung: Brehm)

Das Jahresmotto der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Gestaltung: Brehm)

Liebe Freunde und Mitglieder unserer Schönstatt-Bewegung!

Wir leben in einer Zeit, die nach Positionierung ruft. Fast jede Frage scheint danach zu verlangen, dass wir uns schnell festlegen: dafür oder dagegen, hier oder dort. Polarisierungen nehmen zu – oder scheinen zumindest zuzunehmen. Auch in Kirche und Schönstatt spüren wir das. Wir ringen um Wege, um Sprache, um Entscheidungen, um das, was heute wirklich dran ist.

Der Oktober lädt uns ein, den Gründungsvorgang vor 112 Jahren und den Ursprung in den Blick zu nehmen, aus dem wir schöpfen. Am 18. Oktober 1914 beginnt Schönstatt nicht mit einer fertigen Antwort auf die Zeit. Es beginnt mit einem Glaubenswagnis. Mit Menschen, die versuchen, Gottes Führung in ihrer Geschichte zu lesen. Mit der Bitte an Maria, sich im Heiligtum niederzulassen. Und mit der Bereitschaft: Wir bringen unseren Beitrag.

In einem Text zum Liebesbündnis greift Pater Kentenich Jahrzehnte später noch einmal auf diesen Ursprung zurück. Er deutet die Gründungsurkunde und formuliert einen Satz mit einer Akzentverschiebung neu: „Beweist mir erst durch heroische Taten, dass ihr mich wirklich liebt.“ Hier betont er besonders die „heroischen Taten“ – die Beiträge,
die all das wirklich werden lassen, was in Schönstatt geworden ist. In einer Zeit, die gerne nach dem Besonderen, Einzigartigen und Heroischen sucht, nach dem, was herausreißt und Zukunft besser werden lässt, spricht diese Formulierung besonders hinein.

Was ist also der Beitrag, der zählt?

Ich sehe drei Arten oder Dimensionen solcher Beiträge. Da sind zunächst die großen Beiträge. Entscheidungen, die etwas kosten. Verantwortung, die ich übernehme. Opfer, die ich bewusst bringe. Und manchmal auch das, was ich
nicht tue: loslassen, verzichten, eine vertraute Vorstellung freigeben, einen Weg nicht erzwingen. Auch das Lassen kann ein Beitrag sein.

Aber Kentenich führt tiefer. Heroisch ist nicht nur das Außergewöhnliche. Heroisch kann gerade das Gewöhnliche werden: die Aufgabe, die ich wirklich gut mache; das Gespräch, in dem ich präsent bleibe; die Verantwortung, der ich nicht ausweiche; die Treue im Kleinen. Nicht aus Leistungsdruck. Nicht als geistliche Selbstoptimierung. Sondern aus Liebe. Kentenich formuliert dafür das Gesetz: ordinaria extraordinarie – das Gewöhnliche außergewöhnlich
gut tun. Genau darin können Alltag und Glauben zusammenkommen. Diese Haltung kann zur heroischen Tat werden und damit zum Glaubensakt. Ich tue das Gewöhnliche anders, weil ich diese Welt mit dem liebenden Blick Gottes anschauen lerne. Darin liegt eine schöpferische Weltzugewandtheit: Ich nehme ernst, dass mein kleiner Beitrag Ort des Wirkens Gottes werden kann.

Und dann kommt die persönlichste Form dieses Beitrags: die Wandlung des eigenen Herzens. Die Gründungsurkunde spricht davon, Ernst zu machen mit dem Vorsatz, mit der Selbsterziehung. Das ist kein Rückzug ins Private. Im Gegenteil: Gerade hier entscheidet sich, wie wir miteinander umgehen, wie wir führen, wie wir streiten, wie wir entscheiden.

Wo muss mein Herz weiter werden?
Wo muss ich eine Verletzung loslassen?
Wo einen Menschen neu sehen?
Wo meine eigene Angst, Härte oder Rechthaberei wahrnehmen?
Wo muss ich mich selbst verändern lassen, bevor ich die anderen verändern will?

Kentenich spricht von den „Wundern der seelischen Wandlung“. Darin sieht er eine besondere Frucht des Heiligtums.

Eine Antwort für unsere Zeit

Eine polarisierte Welt braucht nicht noch mehr Menschen, die vor allem wissen, auf welcher Seite sie stehen. Sie braucht Menschen, die eine Position haben können und zugleich wandlungsfähig bleiben. Menschen, die ringen können, ohne einander aufzugeben. Menschen, die Verschiedenheit aushalten, weil sie tiefer miteinander verbunden sind. Das ist für mich hochaktuell schönstättisch. Wir suchen miteinander nach Gottes Stimme in der Zeit. Wir hören auf Zeitenstimmen, auf das Leben, aufeinander. Wir suchen ein neues Jahresmotto. Wir fragen, wohin Gott uns führen will. Aber diese Suche funktioniert nicht ohne unseren Beitrag. Und dieser Beitrag besteht nicht nur in guten Ideen, klugen Analysen und starken Positionen. Er beginnt tiefer: in der Bereitschaft, mich selbst in diesen Suchprozess hineinzustellen und mich verändern zu lassen.

So wird auch unser gemeinsames Ringen zum Glaubensakt.

Wir glauben, dass Gott nicht nur durch mich spricht.
Wir glauben, dass wir einander brauchen.
Wir glauben, dass Wahrheit nicht dadurch wächst, dass wir den anderen abschreiben.
Wir glauben, dass Gott auch in Spannungen führen kann.

Deshalb lassen wir nicht voneinander. Wir bleiben miteinander in der Schicksalsgemeinschaft. Das ist mehr als eine Methode, um eine gute Gemeinschaft zu bilden. Es ist eine Weise zu glauben. Eine Weise, gemeinsam Schönstatt zu sein: miteinander suchen, miteinander ringen, sich selbst wandeln lassen und gerade darin offen werden für das, was
Gott heute von uns will.

Am 18. Oktober gehen wir deshalb zurück an den Ursprung und zugleich neu in die Zukunft. Wir fragen:

  • Was glaube ich wirklich?
  • Welchen Beitrag bringe ich?
  • Und wo lasse ich mein eigenes Herz wandeln, damit wir gemeinsam Gottes Weg finden können?

So kann aus vielen kleinen Beiträgen wieder Geschichte werden. Schönstattgeschichte.
Heilsgeschichte. Nichts ohne dich. Nichts ohne uns.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Bündnistag.

Ihr
Pater Felix Geyer
Schönstatt-Bewegung Deutschland

Der Bündnisbrief kann als PDF hier heruntergeladen werden.


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