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Christine Praetorius: Nachlese – die Ernte meines Herzens
(Foto: Thirdman/www.pexels.com)
Kommentar der Woche
Nachlese – die Ernte meines Herzens
Christine Praetorius ist psychologische Psychotherapeutin und lebt in Karlstein (Foto: © privat)
Christine Praetorius
Nachlese – die Ernte meines Herzens
30.09.2026
Im Frühjahr habe ich ein paar Samen in einen Blumentopf gesteckt, diesen auf die Fensterbank gestellt, regelmäßig gegossen und immer wieder nachgesehen, was sich da entwickelt. Lange tat sich nichts, außer, dass sich ungefragt und ungewollt ein Unkraut in der Blumenerde angesiedelt hat, um dort zu wachsen.
Ein kleines Bild für meinen Herzensgarten. Da habe ich bestimmte Vorstellungen davon, was in meinem Leben wachsen soll. Ich investiere Zeit, treffe Entscheidungen, bemühe mich. Und manchmal gedeiht gerade das nicht, worauf ich so sehr hoffte. Dafür wuchert anderes: Ungeduld, Angst, das Bedürfnis, Recht zu behalten.
Was säe ich eigentlich Tag für Tag – mit meinen Gedanken, Gewohnheiten, meinen Worten, meiner Aufmerksamkeit? Und was möchte ich einmal geerntet haben? Erfolg, Anerkennung, Sicherheit? Oder Vertrauen, Versöhnung, Liebe? Was davon macht mich wirklich satt? Was müsste ich säen, jäten, was braucht mehr Pflege, damit ich die Früchte bringe, die mit meinen Werten und meinem Glauben übereinstimmen? Und wo halte ich so verbissen an meinen Plänen fest, dass Gott kaum einen Platz bekommt?
Jesus erzählt von einem Mann, der das Unkraut neben dem Weizen stehen lässt – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil beim Ausreißen auch der gute Weizen geschädigt werden könnte. Vielleicht ist Gott mit meinem unfertigen Herzensgarten viel geduldiger als ich selbst. Ist mir Seine Geduld überhaupt recht? Oder soll Gott bitte nicht genau das wachsen lassen, was ich will – und zwar möglichst flott? Ich bin nicht der alleinige Gärtner meines Lebens: Andere haben Vertrauen in mich gesetzt, Hoffnung geweckt, Glauben vorgelebt. Und Gott war längst am Wirken, bevor ich meine erste Furche zog. Ich kann pflegen und Raum schaffen – Wachstum erzwingen kann ich nicht.
Und wenn all meine Mühen vergeblich waren, mein Herzensgarten brachliegt, von Unkraut überwuchert ist? Dann darf ich darauf vertrauen, dass mein unperfekter Garten für Gott kein verlorenes Land ist, wenn ich Ihm nur die Tür zu meinem ganzen Herzen öffne, alles vorzeige, das Gelungene, aber auch die kahlen Stellen und das Unkraut. Ihn einlade, dass Er der Gärtner meines Lebens ist und hilft, das Gute zu säen, die rechte Pflege anzuwenden. Dabei darf ich mir seiner Barmherzigkeit bewusst bleiben, dass er gerade auch mit meinem Unkraut umzugehen weiß, eine liebevolle Nachlese vornehmen wird.
Christine Praetorius
Psychologische Psychotherapeutin
