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26. September 2026 | International | 

Alois Baumberger – Missionar, Entwicklungshelfer, Brückenbauer und Ermutiger


Todesanzeige Alois Baumberger (Foto: privat)

Todesanzeige Alois Baumberger (Foto: privat)

Claudia und Heinrich Brehm. Im September 2026 ist Pfarrer Alois Baumberger im Hospital von Douala, Kamerun, zum ewigen Vater heimgegangen. Als Mitglied des Schönstatt-Priesterbundes wirkte er seit 1978 als Fidei-Donum-Priester in der Afrika-Mission. Über Jahrzehnte begleitete, ermutigte und verband er Menschen im Tschad und in Kamerun. Sein Wirken verband Seelsorge mit konkreter Hilfe, Glauben mit Bildung und Spiritualität mit dem Einsatz für menschenwürdige Lebensbedingungen. Bis zuletzt setzte er sich für das Heiligtum „Unsere Liebe Frau, Königin der Apostel“ und das angegliederte Bildungs- und Begegnungszentrum in Marza in der Diözese Ngaoundéré ein.

Vom Thurgauer Bauernsohn zum Missionar

Alois Baumberger wurde am 31. Juli 1941 geboren. Mit fünf Geschwistern wuchs er auf dem Hof seiner Eltern Franz und Anna Baumberger-Schicker im Loh in Bichelsee-Balterswil auf. Als ältester Sohn arbeitete er zunächst in der Landwirtschaft und wurde diplomierter Landwirt. Doch der „Blick in die Weite“, wie er später selbst sagte, zog ihn hinaus aus der vertrauten Heimat.

Alois Baumberger bei einer Versammlung mit Frauen und Kindern in der Diözese Pala, Tschad (Foto: privat)

Alois Baumberger bei einer Versammlung mit Frauen und Kindern in der Diözese Pala, Tschad (Foto: privat)

Ein Missionar der sich selbst die Hände schmutzig macht (Foto: privat)

Ein Missionar der sich selbst die Hände schmutzig macht (Foto: privat)

Auf dem zweiten Bildungsweg erwarb er das Abitur, trat mit dem Noviziat den Weg in die Gemeinschaft der Schönstatt-Patres an, studierte in Münster Theologie und wechselte später in den Schönstatt-Priesterbund, wo er 1988 die Lebensweihe ablegte. Schon als junger Mann bereiste er auf oft abenteuerliche Weise Länder des damaligen Ostblocks. 1975 wurde er in Solothurn zum Priester geweiht. Nach drei Jahren als Kaplan in Sirnach reiste er 1978 als Fidei-Donum-Priester nach Afrika aus.

„Hatamba“, einer, der mit Kraft anpackt

Sein Weg führte ihn in die Diözese Pala im südlichen Tschad. Dort übernahm er die weitläufige Pfarrei Gounou Gan mit fünf Pfarreien, einem Gebiet von der Größe des Kantons St. Gallen. Während 22 Jahren wirkte er dort als Priester und Entwicklungshelfer. Bewundernd nannte ihn die Volksgruppe der Musseye „Hatamba“, einer, der alles mit Kraft anpackt. Er gründete Pfarrgemeinden, baute mit der Bevölkerung Kirchen, eine Krankenstation und ein Kulturzentrum, ließ Brunnen bohren, errichtete ein Katechistenzentrum und förderte einheimische Priester. Mehr als zehn von ihnen fanden später in den Schönstatt-Priesterbund; sie wirken heute in Gemeinden, im Priesterseminar und in der theologischen Ausbildung. Einer von ihnen wurde Bischof.

Für Alois Baumberger gehörten Verkündigung und Entwicklung untrennbar zusammen. Der Glaube sollte Menschen nicht aus der Welt führen, sondern sie stärken, ihre Lebensbedingungen gemeinsam zu verbessern. Im Jahr 2000 begann er, beinahe 60-jährig, nochmals neu und übernahm die Pfarrei Djouman am Fluss Logone, die sich in einem schwierigen Zustand. Das Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen sowie das Verhältnis zwischen Christen, Muslimen und Anhängern traditioneller Religionen war zum damaligen Zeitpunkt von Spannungen geprägt. Ihm war es zu verdanken, dass die Bevölkerung wieder zusammenfand und neben anderen Projekten ein Schulzentrum entstand.

Kultur wertschätzen und einbinden (Foto: privat)

Kultur wertschätzen und einbinden, Alois mit einem Fischer und Musiker am Logone in Djouman (Foto: privat)

Kirche in Djouman (Foto: privat)

Kirche in Djouman (Foto: privat)

Alois mit Priesteramtskandidaten während eines Besuches von Pater Sigfried Koch ISch (Foto: privat)

Alois mit Priesteramtskandidaten während eines Besuches von Pater Sigfried Koch ISch (Foto: privat)

Glaube, der die Kultur der Menschen achtete

Alois Baumberger war Missionar mit Leib und Seele. Er lernte die Sprache der Mousseye, unter denen er lebte, und interessierte sich für ihre Riten und Gebräuche. Inkulturation war für ihn kein theoretisches Schlagwort, sondern tägliche Arbeit. Während andere Missionare Trommeln aus dem Gottesdienst verbannen wollten, ermutigte er die Trommler, zum Lob Gottes zu spielen.

Als eine aus Europa mitgebrachte Osterkerze in der Hitze rasch schmolz, setzte er sich mit den Ältesten zusammen. Gemeinsam entdeckten sie ein früher verwendetes brennbares Harz wieder. In Schalen aus Lehm wurde es zu einem Licht, mit dem die Neugetauften fortan im Ostergottesdienst tanzten. So fand das Evangelium Ausdruck in der Kultur der Menschen, statt ihr etwas Fremdes überzustülpen.

Bescheiden, tatkräftig und unermüdlich

Weggefährtinnen und Weggefährten erinnern sich an einen offenen, bescheidenen und ungewöhnlich tatkräftigen Priester. Mit großer Achtung vor der afrikanischen Kultur verkündete er Jesus als den, der sich Armen, Ausgeschlossenen und Kranken zuwendet. Er lebte einfach und setzte sich mit brennendem Herzen für das körperliche, geistige und seelische Wohlergehen der Menschen ein.

Ob Kuhmist gefahren, Baumaterial beschafft, Brunnen ausgehoben, Messe gefeiert oder Beichte gehört werden musste: Alois packte selbst an. Unauffällig, beharrlich und unermüdlich organisierte er, was nötig war. Sein Grundsatz lautete: „Geht nicht, gibt’s nicht – es gibt für alles eine Lösung.“ Er setzte auf Bildung, lokale Verantwortung und Dialog, auf Spar- und Kreditgruppen, Gesundheitsvorsorge, die Förderung von Frauen und Schulen für Kinder aus armen Familien.

Alois Baumberger auf der Baustelle der Wallfahrtskirche "Notre-Dame-des-Apôtres" mit dem großen Bild der Gottesmutter von Schönstatt auf dem Pilgerberg in Marza (Foto: privat)

Alois Baumberger auf der Baustelle der Wallfahrtskirche "Notre-Dame-des-Apôtres" mit dem großen Bild der Gottesmutter von Schönstatt auf dem Pilgerberg in Marza (Foto: privat)

Ein Lebenswerk, das weiterwuchs

Auch in seinen letzten Lebensjahren blieb Alois Baumberger ein Priester des Aufbruchs. 2010 übernahm er in Kamerun die gigantische Aufgabe, das nationale Wallfahrtszentrum „Notre-Dame des Apôtres“ in Marza aufzubauen. Er widmete sich dem materiellen und spirituellen Ausbau des Begegnungs-, Bildungs- und Wallfahrtszentrums sowie dem Bau einer Pilgerkirche. Seine von der Schönstatt-Spiritualität geprägte Haltung suchte er in die lokale Kultur und den Alltag der Menschen einzupflanzen.

Auf den Wallfahrtsberg führen mehrere biblisch gestaltete Pilgerwege (Foto: privat)

Auf den Wallfahrtsberg führen mehrere biblisch gestaltete Pilgerwege (Foto: privat)

50. Priesterjubiläum: Pére Alois zusammen mit seinem Bischof Abbo Emmanuel (Foto: privat)

50. Priesterjubiläum: Pére Alois zusammen mit seinem Bischof Abbo Emmanuel (Foto: privat)

Noch im August 2026 berichtete er von neuen Fortschritten: Dank der Unterstützung von Freundinnen und Freunden aus Kamerun, Deutschland und der Schweiz konnten Fischteiche angelegt, die Wallfahrtskaplanei weitergebaut und Häuser rund um das Gäste- und Bildungshaus renoviert werden. Das Zentrum wurde zu einem Ort der Begegnung, auch für ökumenische Gruppen.

Mitgefühl als Kraft zur Veränderung

Prägend blieb für Alois Baumberger die Schöpfungsspiritualität: der Glaube an Gott, Liebe zur Natur und Verantwortung für die Welt. Angesichts von Armut, politischer Instabilität und ökologischen Krisen suchte er nach Wegen, die nicht bei Klage und Resignation stehen blieben. Entscheidend war für ihn die Compassion: Mitgefühl mit leidenden Menschen und konkrete Zusammenarbeit für eine bessere Zukunft.

Pfarrer Alois Baumberger hinterlässt Spuren in Kirchen und Schulen, in Brunnen und Gesundheitsstationen, in Gemeinschaften und in den Herzen vieler Menschen. Die Diözese Ngaoundéré verliert einen rastlosen Arbeiter im Weinberg des Herrn; die Schönstatt-Bewegung ein Mitglied, das sein Charisma leidenschaftlich lebte und Menschen das Gefühl vermittelte, dass ihr Beitrag zählt.


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