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Hören, was Gott uns heute sagt: Online-Hearing zur Suche nach dem neuen Jahresmotto
150 Personen in 15 Breakout-Räumen waren beim Online-Hearing der Schönstatt-Bewegung Deutschland dabei. Im Mittelpunkt stand ein gemeinsamer Hörprozess: Welche Stimmen der Zeit dürfen wir nicht überhören? Wo könnte darin ein Anruf Gottes liegen? Und welcher Akzent des Liebesbündnisses soll uns im kommenden Jahr besonders prägen? (Foto: Werner Pfennig/pexels.com)
Mch. 108 Bildschirme, rund 150 Personen, 15 Breakout-Räume: Am Donnerstagabend, 17. September, kamen Verantwortliche und Interessierte aus der Schönstatt-Bewegung zu einem Online-Hearing zusammen. Es ging nicht darum, schnell ein neues Jahresmotto zu formulieren. Im Mittelpunkt stand ein gemeinsamer Hörprozess: Welche Stimmen der Zeit dürfen nicht überhört werden? Wo könnte darin ein Anruf Gottes liegen? Und welcher Akzent des Liebesbündnisses soll das kommende Jahr besonders prägen?
Der Abend stand unter der Überschrift „Hören auf Gottes Geist“. In der Vorbereitung waren drei Fragen leitend:
- Was bewegt Menschen heute?
- Was könnte darin ein Kairos, eine offene Tür für uns als Schönstattfamilie sein?
- Welches Wort, Bild oder Ideal bringt etwas davon zum Leuchten?
Nach einer Einführung gingen die Teilnehmenden in Breakout-Gruppen. Dort wurde zuerst persönlich erzählt und gehört. In einer zweiten Runde wurde gesammelt, was Resonanz findet. Anschließend brachten die Gruppen ihre wichtigsten Eindrücke ins Plenum ein.
Eine Zeit voller Ohnmacht – und voller Sehnsucht
Ein Grundton zog sich durch viele Rückmeldungen: Menschen erleben die Gegenwart als unsicher, überfordernd und schwer durchschaubar. Genannt wurden Angst vor Krieg, gesellschaftliche Polarisierung, wirtschaftliche Sorgen, Klimawandel, politische Spannungen, Künstliche Intelligenz, Schnelllebigkeit, Einsamkeit und Zukunftsangst. Mehrfach fiel das Wort Ohnmacht.
Eine Gruppe sprach von der Erfahrung, dass Positionen heute oft so weit auseinanderliegen, dass kaum noch Verbindung möglich scheint. Gerade deshalb wurde das Zuhören selbst als wichtige Haltung benannt: zuhören wollen, in Verbindung bleiben, auch dort, wo es schwerfällt. Zugleich kam die Sehnsucht nach Halt, Resilienz und innerer Vorbereitung auf schwierige Zeiten zur Sprache.
Andere Gruppen beschrieben Überforderung, Unsicherheit und die Suche nach einem Ankerpunkt. Dabei ging es nicht nur um große gesellschaftliche Entwicklungen, sondern um sehr konkrete Naherfahrungen: Menschen fühlen sich einsam, innerlich zerrissen, sprachlos, unter Druck und oft nicht wirklich gesehen.
Unter dieser Ohnmacht wurde zugleich eine starke Sehnsucht sichtbar: nach Heimat, Beziehung, Vertrauen, Echtheit, Menschlichkeit und Hoffnung. Eine Gruppe fand dafür die Formulierung „Macht des Menschlichen“: die Kraft des Persönlichen, des Gemeinschaftlichen, des konkreten Miteinanders. Gerade das Menschliche, so wurde gesagt, könne durch nichts ersetzt werden.
Räume schaffen, in denen Menschen Mensch sein dürfen
Ein Wort tauchte besonders häufig auf: „Räume“. Gemeint waren nicht nur Gebäude, sondern Erfahrungsräume: Räume, in denen Beziehungen wachsen können; Räume für Hoffnung; Räume, in denen Menschen ernst genommen werden und andere ernst nehmen; Räume, in denen man fehlerhaft Mensch sein darf. Eine Gruppe brachte es schlicht auf den Punkt: Es gehe darum, miteinander auf dieser Welt Mensch sein zu dürfen.
Damit verband sich eine klare schönstättische Spur. Das Liebesbündnis wurde als Zufluchtsort, Kraftquelle und Weg in echte Gemeinschaft gesehen. Heiligtum, Hausheiligtum und Herzensheiligtum wurden als Orte der Beheimatung genannt. Auch Pater Kentenich und die Gottesmutter kamen neu in den Blick: als Orientierung in unsicherer Zeit, als Quelle von Vertrauen, Kindlichkeit, Werktagsheiligkeit und Persönlichkeitswachstum. Besonders deutlich wurde eine Botschaft, die auch junge Menschen stark bewegt: Du bist einzigartig, gewollt und gebraucht – auch wenn du noch nicht fertig bist. Gerade so hast du einen Auftrag.
Vom Gefühl der Lähmung zur neuen Handlungsfähigkeit
Das Hearing blieb nicht bei der Diagnose stehen. Aus vielen Beiträgen sprach die Frage: „Wie werden wir wieder handlungsfähig? Wie entsteht aus Ohnmacht neuer Mut?“
Eine starke Verdichtung lautete: „Hab Mut, steh auf! Er ruft dich.“ Diese Linie wurde als möglicher Anruf Gottes in der gegenwärtigen Zeit benannt: nicht gelähmt bleiben, nicht nur analysieren, sondern aufstehen, weil Gott ruft.
Dazu passte ein weiterer Akzent: „Mein Beitrag zählt.“ Gerade weil weniger Menschen Verantwortung tragen, wird der eigene Beitrag wichtiger. Das soll nicht in Druck führen, sondern in eine neue Freiheit aus dem Liebesbündnis: Ich muss nicht alles können, aber das, was mir möglich ist, zählt. Ich will mutig etwas wagen, auch wenn ich den Ausgang nicht in der Hand habe.
Mehrfach wurde der Wunsch genannt, als Bewegung kleine menschliche Schritte zu gehen: etwas tun, was jetzt zählt, was nicht von Anfang an feststeht; mutig Neues beginnen durch Hören und offenes miteinander Gestalten; Verantwortung übernehmen und so orientierendes Zeugnis sein.
Bilder, die leuchten
Viele Resonanzen verdichteten sich in Bildern: Leuchtturm, Kompass, Anker, Segel und Wind, Meeresstern, offene Tür, Räume, Licht. Sie kreisen um eine gemeinsame Mitte: In einer Zeit von Sturm und Orientierungslosigkeit braucht es Menschen, die innerlich verankert sind, Beziehung stiften und Licht ausstrahlen.
Das MTA-Bild wurde dabei mehrfach als Segen und Halt genannt. Im freien Arm der Gottesmutter ist Platz für jeden Menschen persönlich. Maria wurde als Meeresstern, als Orientierung im Sturm und als mütterliche Kraft des Menschlichen wahrgenommen.
Auch Schönstatt-Gründer Pater Josef Kentenich wurde als Gestalt gesehen, die heute neu Orientierung geben kann. Seine Antwort auf unsichere Zeiten war nicht Rückzug, sondern Persönlichkeitsbildung, Vertrauen, Vorsehungsglaube, Bindung und Sendung.
Ein Suchprozess geht weiter
Am Ende stand noch kein fertiges Jahresmotto. Das Hearing war bewusst ein Auftakt. Die vielen Worte, Bilder und Resonanzen sollen nun weiter reifen, im Zentralrat bedacht und auf dem Weg zum 18. Oktober vertieft werden. Auch im Plenum wurde betont: „Der Suchprozess ist eröffnet, nicht abgeschlossen. Deutlich wurde aber eine gemeinsame geistliche Spur: In der Zeit liegt viel Ohnmacht. Aber diese Ohnmacht muss nicht lähmen. Sie kann auch zur offenen Tür werden.“
Das Liebesbündnis und die Haltungen, die es prägt, könnten Wege zu Handlungsfähigkeit öffnen: durch Zuhören, durch Vertrauen, durch Räume echter Begegnung, durch Kindlichkeit, durch Mut, durch Echtheit und durch Zeugnis.
So geht die Suche weiter: hörend, ringend, betend – im Vertrauen, dass Gott auch heute durch die Stimmen der Zeit spricht. Danke für alles Gebet und alles gemeinsame Ringen um die Fragen, wozu Gott uns heute ruft.
