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Risikofreude - eine unterschätzte christliche Tradition
Im Schulungsheim auf Berg Schönstatt in Vallendar ging es bei der Tagung der deutschen Säkularinstitute um das übergreifende Thema „Risikofreude“. Dazu hatte man im Vorfeld Prof. Dr. Wolfgang Beck von der Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main eingeladen (Foto: Peter Lauer)
Schwester M. Lioba Ruprecht. Insgesamt 15 Personen aus acht der 21 Säkularinstitute Deutschlands haben sich am ersten Septemberwochenende vom 4. bis 6. September 2026 im Schulungsheim auf Berg Schönstatt in Vallendar getroffen. Alle waren sich am Schluss der Tagung einig: „Es hat sich gelohnt, dabei zu sein. Wir gehen mit neuem Mut in unseren Alltag zurück, motiviert, dort, wo wir sind, uns einzubringen.“
Dem Referenten, Prof. Dr. Wolfgang Beck von der Hochschule Frankfurt-St. Georgen, gelang es, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Nachdenken anzuregen.
Risikofreude – eine unterschätzte christliche Tugend
In der Gegenwartskultur wächst die Unübersichtlichkeit. Die Vielfalt der Möglichkeiten durchzieht alle Lebensbereiche. Welchen Beruf soll ein junger Mensch wählen, was machen jene, die in die Rente kommen? Der Freiheitsgewinn bringt einen Verlust an Ordnung mit sich. Andererseits möchte man doch auch gesehen werden, etwas Besonderes sein. Die eigene Identität zu finden, wird zunehmend eine Gestaltungsaufgabe. Damit ist jedoch immer auch das Risiko des Scheiterns verbunden, und das kann Ängste auslösen. Die Angst, nicht dazuzugehören, plagt manche Menschen ihr ganzes Leben lang.
Wie nimmt die Kirche diese Realität wahr? Welche Chancen hat sie, dass Suchende hier Anschluss finden? Wolfgang Beck zeigte an Beispielen, wie einzelne Gestalter, Männer oder Frauen, sich nicht mit bedrückenden Gegebenheiten abfinden. Sie packen an:
- John George etwa, der im heruntergekommenen Detroit in den USA langsam die Verhältnisse zum Besseren wendet, lebt mit der Devise: „Ich bleibe, ich packe an, ich nutze Freiräume, ich gebe alles!“ (John George, Blight Busters).
- Die Pastorin Faith Fowler lässt dort Minihäuser für Obdachlose bauen und setzt gegen das Einerlei auf Individualität.
- Der Architekt Alejandro Aravena aus Chile baut zum niedrigeren Preis Häuser, die zur Hälfte erst ausgebaut sind und noch gestaltet werden können, je nach Bedarf.
„Pathische Pastoral“ mache laut Prof. Beck die Kirche aus
Welche Gestaltungsräume gibt es für die Kirche? Auch sie will an die Ränder, lebt mit Unschärfen, schaut auf den Einzelnen, auch wenn sie andererseits an der Traditionslinie der Kontinuität und Entschiedenheit festhält. Sie öffnet sich für alle Menschen, ist am Gemeinwohl orientiert und nimmt Kontakt auf. Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln. „Pathische Pastoral“ nannte das Wolfgang Beck. Diese Anstöße weckten je unterschiedliche Resonanz: Es ist eine Kunst, in der Begleitung von Menschen Freiheit zu ermöglichen und gleichzeitig Halt zu geben. Wer selbst in der Haltung eines Suchenden bleibe, dem gelinge das besser. Risikofreude setzt voraus, dass man eine feste Verankerung hat. Dann kann man flexibel auf Herausforderungen reagieren.
(Foto: Säkularinstitute Deutschland)
Was geben die Mitglieder der Säkularinstitute jungen Leuten, die von vielem umgetrieben werden, die in vielen Bereichen keinen Sinn sehen und ohne Orientierung sind? Es komme auf die Präsenz glaubwürdiger Männer und Frauen an, so war die einhellige Meinung. Das Menschsein, das Dasein in den je eigenen Lebensfeldern habe eine Wirkung: „Wir können tatsächlich als Gottgeweihte, als Mitglieder von Säkularinstituten, Zeichen setzen.“
Risikofreude zeichnete die Gründer der Säkularinstitute aus
Risikofreude, das ist eine Haltung, welche die Gründer der Säkularinstitute auszeichnete. Es lohnt sich, diese Spur weiterzuverfolgen.
Anschaulich erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Freude nach dem Beitrag von Wolfgang Beck beim Besuch der Ausstellung „100 Jahre Schönstätter Marienschwestern“. Diese waren das erste Säkularinstitut in Deutschland, das im Jahr 1948 zuerst diözesan, dann päpstlich anerkannt war. Schwester M. Veronika Riechel gab den Werdegang der Gemeinschaft wieder, die inzwischen in allen Erdteilen verbreitet ist. Jetzt wurde auch deutlich, warum es so viele Schönstattkapellen hier am Ort gibt.
Es waren die ersten Missionarinnen in Uruguay, die die Erfahrung machten: „Ohne das Schönstattheiligtum können wir den Leuten erzählen, was wir wollen. Wir müssen Maria bitten, dass sie selbst hier wirksam wird. Wir benötigen das Kapellchen hier.“
Sie fanden einen Architekten, der mithilfe eines kleinen Fotos und der Beschreibung der Schwestern die Pläne entwarf. In der Folge erhielten viele Länder ihren Schönstatt-Ort. Und es gibt inzwischen über 200 originalgetreue Nachbildungen der ersten Kapelle im Tal in Schönstatt.
