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"Dem Wind trauen...": Kapellchenfest in Dietershausen
Eva-Maria Eckart begrüßt vor dem Heiligtum die rund 400 Teilnehmer, darunter die Band Exhalation, die vom Liedermacher Wilfried Röhrig verstärkt wird. In Dietershausen im Bistum Fulda feierten sie das jährliche Kapellchenfest (Foto: Angelika Quell)
Schwester M. Verena Röhrig. Das Kapellchenfest in Dietershausen (Bistum Fulda) am Sonntag, 30. August, haben rund 400 Menschen gefeiert. Das Wetter und der Heiligtumsschmuck hätten das Thema des Kapellchenfestes „Dem Wind trauen...“ nicht besser abbilden können.
Einer stürmischen Nacht folgten am Festtag starke und leichte Windbewegungen. Auf der Kommunionbank waren 150 Schiffe startklar. Ihre Segel mit dem MTA-Bild und einem Mutmach-Spruch von Pater Josef Kentenich wiesen darauf hin, mit wem und mit welcher Gesinnung die Leute an Bord (jeweils eine Familie) unterwegs sind.
Bereits das Eingangslied „Wir sind auf Sendung“ weckte in den Herzen frohe Begeisterung, die sich durch den ganzen Tag ziehen sollte. Ein Teilnehmer fasste zusammen, was viele empfanden und dachten: „Die Musik ist toll. Die Liedtexte sind aus dem Leben gegriffen und eignen sich gut fürs Meditieren.“
Pater Josef Kentenich und Maria als sturmerprobte Menschen
Auch Pfarrer Rudolf Liebig trifft das Leben. Er greift unter anderem Stress und Krankheiten als Stürme des Lebens auf sowie das Gefühl der Unsicherheit und Angst als Folgen. Dazu zieht er eine Parallele zu den Jüngern im Evangelium, deren Boot heftige Sturmwellen bedrohen und die in ihrer Not Jesus herbeirufen. Sturmgeprüfte Menschen sind für ihn Pater Josef Kentenich und die Gottesmutter Maria. Pater Kentenich hat die Unmenschlichkeiten im Gestapo-Gefängnis und im KZ Dachau in der Überzeugung gemeistert: Gott hält für seine Kinder wie eine liebende Mutter „die besten Windeln“ bereit. Maria hat die Stürme ihres Lebens – die ungeheure Anfrage, Muttergottes zu werden, bis zum schmählichen Kreuzestod ihres Sohnes – im Glauben an Gottes Führung bewältigt.
Zum Vaterunser versammeln sich die Kinder, die nach dem Kyrie ihre eigene Kinderkirche im großen Saal gefeiert haben, um den Altar. Einige davon ließen sich mit ihren Schulranzen oder Kindergartentaschen am Ende des Gottesdienstes segnen. Diesen kommentierte ein Teilnehmer: „Es war wohltuend für die Seele. Jeder hat bestimmt in seinem Leben schon Stürme erlebt. Deshalb konnte man sich gut identifizieren.“ Beim Mittagessen mit einer großen Auswahl an Menüs gibt es auf dem Gelände des Zentrums einen frohen Austausch. Eine Hüpfburg, eine Schminkstation und Fußballspielen locken viele Kinder an.
Bei gutem Wetter und ebenso guter Gesellschaft bot das Kapellchenfest für Teilnehmer jeden Alters und für Familien Raum für Austausch und Begegnung (Foto: Angelika Quell)
100 Jahre Schönstätter Marienschwestern
Erwachsene nehmen die Gelegenheit wahr, anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Schönstätter Marienschwestern“ im großen Saal Bild-Impressionen vom vielfältigen Wirken der Schwestern in sich aufzunehmen. Ein weiterer geistiger Höhepunkt ist ein Podium mit Lebenszeugnissen, moderiert von Ulrich Goldbach: Wilfried Röhrig singt das Mottolied „Dem Wind glauben – im Sturm trauen“ und erklärt, was ihn veranlasst hat, diese Jahresparole zu komponieren. Als Pater Felix Geyer ISch, der Bewegungsleiter, davon im vergangenen Jahr bei der Wurzelgeneration der Mainzer Schönstatt-Familien in der Marienau gesprochen hat, war er innerlich sehr berührt. Er hat gleich begonnen, die entsprechende Melodie für den bewegenden Text zu finden.
Dem Wind trauen, im Sturm glauben
Das Ehepaar Eva-Maria und Franz Hohmann erzählte, wie es nach religiösen Erlebnissen in der Kinder- und Jugendzeit trotz mancher Vorbehalte des Mannes durch einen Ehevorbereitungskurs in Schönstatt erkannt hat: „Diesem Geist darfst du trauen.“ Die beiden bezeugten: „Wenn es schwer wird, spürt man die Unterstützung der Gottesmutter.“ Das haben sie in letzter Zeit bei einem gefährlichen Arbeitsunfall ihrer ältesten Tochter erlebt. Dass sie nun gerettet ist, ohne einen Schaden davonzutragen, lässt die Eltern bekennen: „Wir durften im Sturm hoffen und glauben.“
Zeugnisse aus der Schönstatt-Frauenbewegung brachten die wunderbare Entdeckung im „Kentenich-Lesebuch für Familien“ zum Ausdruck, dass Pater Kentenich auf aktuelle Zeitfragen Antwort gibt. Andrea Nees betrachtete den gängigen Umgang mit dem Smartphone vor dem Hintergrund der Vorgründungsurkunde aus dem Jahr 1912 und zog mit Pater Kentenich den Schluss: „Wir müssen unser Wissen beherrschen. Dazu braucht es unsere Selbsterziehung. Je mehr Fortschritt, desto mehr innere Vertiefung.“
Maria Sauer, die in einem Mehrgenerationenhaus lebt, sehe die Gefahr, dass sie ihre erwachsenen Kinder bevormunde. Die Worte Pater Kentenichs geben ihr wichtige Orientierung: „Wir müssen leben, um das Leben der Kinder zu entfalten, um ihrem Leben zu dienen. Ich erziehe mich dazu, für meine Kinder überflüssig zu werden.“ Anna Furgoll rundete das Podium mit ihrer Schwester Theresa und einigen Mädchen von der Ferienwoche der MJF ab. Sie sangen begeistert das Lied „Sturmtänzerin“ und gewannen die Herzen mit dem Tanz „Jesus. Fertig. Los.“ Einige Echos der Kinder geben Einblick in beglückende Heiligtumserlebnisse: „Im Heiligtum bin ich willkommen.“ „Komm mit. Ich zeige dir, wo ich Sonne tanken kann.“ Bald nach dem Podium brachte Wilfried Röhrig bei seinem Mitmachkonzert mit peppigen Songs Jung und Alt in Schwung. Eine ältere Dame meinte hinterher: „Das war wunderbar für die Koordination.“
Auch für die Kinder war bestens gesorgt beim Kapellchenfest in Dietershausen. Während der heiligen Messe gab es eigens für sie die Kinderkirche (Foto: Angelika Quell)
Noch lange pflegten viele bei Kaffee und Kuchen sowie Steirischer Musik frohes Beisammensein. Ein Teilnehmer fasste den Tag für sich folgendermaßen zusammen: „Ich habe unerwartet viele liebe Menschen getroffen und schöne Musik gehört. Die Predigt hat mir viel Zuversicht geschenkt. Das Essen hat mir prima geschmeckt. Es war eine wunderbare Auszeit für die Seele.“ „Für uns war diese Wallfahrt ein sehr großes Geschenk! Wir erlebten eine lebendige, dynamische Schönstatt-Familie und fühlten diese Verbundenheit im Liebesbündnis. Es war sofort ein Gefühl von Zuhause“, berichteten andere Teilnehmer.
Das Kapellchenfest wirkt weiter, denn die Besucher haben im Heiligtum Zettel mit „Lebensstürmen“ zurückgelassen. In diesen Anliegen beten die Schönstätter Marienschwestern, die nicht nur apostolisch tätig sind, sondern auch im Gebet den Himmel bestürmen.
