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3. September 2026 | Worte des Bewegungsleiters | 

Geschichte hören - Zukunft suchen


Das Jahresmotto 2026 der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Gestaltung: Brehm)

Das Jahresmotto 2026 der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Gestaltung: Brehm)

Liebe Freunde und Mitglieder unserer Schönstatt-Bewegung,

der September führt uns in diesem Jahr in eine ungewöhnlich dichte Zeit. Am 15. September erinnern wir uns an den Heimgang Pater Josef Kentenichs. Am 17. September wollen wir bei unserem Hearing mit hunderten Verantwortungsträgern der Bewegung gemeinsam auf die Zeitenstimmen hören. Am 18. September erneuern wir unser Liebesbündnis. Drei Tage – und eine gemeinsame Bewegung: zurückschauen, hören, unterscheiden und nach vorn fragen.

Dazu kommt der Blick und das Zugehen auf das hundertjährige Bestehen der Schönstätter Marienschwestern. Ihr Leitwort „Maria, Licht unserer Hoffnung“ führt diese Bewegung noch einmal zusammen. Hundert Jahre Geschichte werden nicht nur erinnert. Sie werden zur Frage: Was trägt aus dieser Geschichte heute weiter? Wo liegt Hoffnung für morgen? Genau diese Haltung prägt auch die Bündnisfeier dieses Monats.

Geschichte hat Tiefe

Für Pater Kentenich war Geschichte nie nur eine Folge von Ereignissen. Er glaubte, dass Gott durch die Geschichte spricht – durch Entwicklungen, Begegnungen, Krisen, offene Türen und auch durch das, was zunächst unverständlich bleibt. So beschreibt er Schönstatt einmal als eine „geheimnisvolle Kugel in der Hand Gottes“, die sich nur stückweise erschließt. Oft gebe es nur „einen kleinen Streifen Licht“ und dahinter viel Dunkelheit. Entscheidend sei das gläubige Hinhorchen: Was will Gott? Das macht Geschichtsdeutung anspruchsvoll. Wir behaupten nicht vorschnell, Gottes Plan zu kennen. Wir schauen genauer hin. Was hat uns getragen? Welche Kernerfahrungen haben sich eingeprägt? Was hat sich bewährt? Wo wurden wir korrigiert oder zu einem neuen Schritt herausgefordert?

So schauen wir auch auf den 15. September. Mit dem Tod Pater Kentenichs endet nicht einfach eine Lebensgeschichte. Sein Charisma wird uns anvertraut. Damit wächst auch unsere Verantwortung: selbst zu hören, selbst zu unterscheiden und gemeinsam weiterzusuchen. Seine Sendung bewahren heißt deshalb nicht, nur seine Antworten zu wiederholen. Es heißt auch, seine Art des Fragens weiterzuführen.

„Das Leben spricht zu mir“

Unser bisheriges Motto „Dem Wind trauen – im Sturm glauben“ hat sich als fruchtbar erwiesen. Es hat geholfen, Erfahrungen von Unsicherheit und Veränderung miteinander zu deuten. Am 17. September wollen wir genau das beim Hearing versuchen. Kentenich formuliert seine Methode knapp: „Das Leben spricht zu mir und ich spreche zum Leben.“ Es gelte, „aus dem Zeitgeist den Geist der Zeit herauszulesen“. Was spricht heute? Das digitale Zeitalter verändert unsere Beziehungen, unsere Aufmerksamkeit und die Art, wie wir Wirklichkeit wahrnehmen. Kriege und Gewalt stellen uns vor die Frage, welche Haltung Frieden möglich macht, wenn wir selbst vieles nicht verändern können. Polarisierung reicht bis in Familien, Kirche und Bewegung hinein. Und mitten darin steht unser Liebesbündnis.

Was heißt heute: Liebesbündnis leben? Was bedeutet es, einen Beitrag zu bringen, der zählt, wenn ich mich angesichts großer Entwicklungen ohnmächtig fühle? Solche Fragen sind Zeitenstimmen. Sie verlangen kein schnelles Motto, sondern ehrliches Hören und gemeinsames Durchbeten. Ich lade Sie ein, diesen September auch persönlich in dieser Bewegung zu leben und am Bündnistag drei Fragen mitzubringen:

  • Wofür bin ich dankbar? Was aus meiner Geschichte trägt und nährt mich?
  • Was verlangt heute meine Aufmerksamkeit? Welche Stimme des Lebens darf ich nicht überhören?
  • Was ist jetzt dran? Welche Haltung möchte Gott in mir wachsen lassen?

Dann wird der September zu einer Zeit gemeinsamen Geschichtedeutens und der gemeinsamen Dankbarkeit: aus dem Ursprung heraus, mitten in unserer Gegenwart und offen für die Zukunft, die Gott mit uns gehen will. So strahlt in Ihnen und der Bewegung, wie auch in unseren Marienschwestern: Licht der Hoffnung!

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Bündnistag.

Ihr
P. Felix Geyer
Schönstatt-Bewegung Deutschland

Der Bündnisbrief kann als PDF hier heruntergeladen werden.


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