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Wie an der letzten Ruhestätte von Pater Franz Reinisch seines Vorbilds gedacht wurde
Am 21. August, dem Todestag von Pater Franz Reinisch, versammelten sich viele Gläubige um das Grab des Priesters und Märtyrers am Urheiligtum in Schönstatt, Vallendar. Pater Heribert Niederschlag SAC und Pater Adalbert Kordas OFMConv. leiteten die Gedenkfeier (Foto: Johannes Maruschke)
Mch. Am Urheiligtum in Schönstatt hat Pater Franz Reinisch seine letzte Ruhe gefunden. Dort haben sich am 21. August, seinem Todestag, viele Menschen versammelt, um seines Lebens und Wirkens zu gedenken. Pater Prof. Heribert Niederschlag und Franziskanerpater Adalbert Kordas OFM haben die Gedenkfeier geleitet, die musikalisch vom Ensemble von Schwester M. Kinga Balázs und dem Ensemble des Limburger Domchors gestaltet war.
Trüb und regnerisch startete der 21. August 2026 in Vallendar. Doch die Wolken lockerten auf, als der Abend und damit die Gedenkfeier zum 84. Todestag für Pater Franz Reinisch näher rückten. Franz Reinisch war am 21. August 1942 enthauptet worden, weil er sich geweigert hatte, Adolf Hitler den Fahneneid zu leisten.
Leben und Wirken von Pater Franz Reinisch, dessen Seligsprechungsprozess seit 2013 läuft, standen im Mittelpunkt der jährlichen Franz-Reinisch-Feier direkt am Urheiligtum in Schönstatt. (Foto: Johannes Maruschke)
Eröffnet wurde die Andacht von einem Ensemble des Limburger Domchores unter der Leitung von Frank Sittel mit einer Eigenkomposition über den Kreuzweg. Pater Prof. Heribert Niederschlag SAC und Pater Adalbert Kordas OFMConv, Postulator und Vizepostulator im diözesanen Seligsprechungsprozess für Franz Reinisch, leiteten die Gedenkfeier. Zu Beginn trug Pater Kordas das Gebet „O Herr, leite mich!“ des heiligen John Henry Newman vor, das Franz Reinisch während seiner schweren Gefängniszeit täglich betete. Im Anschluss verlas Pater Kordas den Bericht von Pater Schwan, der die Urne von Pater Franz Reinisch auf einer abenteuerlichen Reise von Berlin nach Vallendar-Schönstatt an ihre heutige Ruhestätte gebracht hatte.
Die Urne mit den sterblichen Überresten des Märtyrerpriesters Franz Reinisch ruht in unmittelbarer Nähe des Urheiligtums in Schönstatt, Vallendar (Foto: Johannes Maruschke)
Pater Franz Reinisch verweigerte als einziger Priester den Fahneneid
In seiner Ansprache beleuchtete Pater Niederschlag den äußeren und inneren Leidensweg von Franz Reinisch in den letzten Wochen seines Lebens. Die Verweigerung des Fahneneides war eine bewusste und freiwillige Entscheidung, die Franz Reinisch in der Erwartung eines baldigen Todes traf. Unter dem massiven Druck der Militärjustiz und der eigenen Gemeinschaft musste er seine Entscheidung über vier Monate in Einzelhaft durchstehen. Sein Oberer schickte ihm sogar einen Brief, in dem er ihm den Ausschluss aus der Pallottiner-Gemeinschaft androhte, sollte er bei seiner Weigerung bleiben.
Reinisch selbst hatte zudem einen schweren inneren Konflikt auszutragen: Er litt stark unter dem Vorwurf des Ungehorsams, da er in seinen Gelübden Gehorsam versprochen hatte. Gleichzeitig fühlte er sich von Gott zum Protest gegen den Eid auf einen Verbrecher berufen. Nach langem Ringen folgte er seinem Gewissen und entschied, dass der Gehorsam gegenüber Gott über dem Gehorsam gegenüber weltlichen oder kirchlichen Vorgesetzten stehen müsse. Während der Haftzeit schöpfte Franz Reinisch Kraft aus der täglichen geistigen Verbundenheit mit der Schönstattkapelle, aus der Weihe an Maria und aus dem Vaterunser – insbesondere aus der Bitte „Dein Wille geschehe“.
Schließlich konnte er seine Todesangst überwinden und war von einer tiefen inneren Freude erfüllt. Er ging mit der festen Gewissheit in den Tod, bald Gott und der Gottesmutter zu begegnen. Am Ende seines Abschiedsbriefes schreibt er an seine Eltern: „Es segnet euch euer dankbarer und ewig froher Franz.“
Eingerahmt wurde die Ansprache von musikalischen Beiträgen eines kleinen Ensembles unter der Leitung von Schwester M. Kinga Balázs. Gemeinsam mit allen Mitfeiernden sangen die Musiker das Lied „Du bist mein Gott“, dessen Text P. Heinrich Hamm nach Einträgen aus dem Tagebuch von Vinzenz Pallotti verfasst hatte. Es drückt eine tiefe Sehnsucht nach Gott aus, die auch Pater Franz Reinisch in den letzten Wochen seines Lebens verspürte:
- Du bist mein Gott, sollst es in allem sein! Was du nicht bist, ist Trugbild nur und Schein. Nicht Herz und Hand, nicht Willen und Verstand, nichts, was ich je gekannt: nur Gott allein.
- Du bist mein Gott, und alles sollst du sein! Reichtum und Ruhm und Leben, sie sind dein! Nicht Aug und Mund, nicht Zeiten, Tag und Stund – du bist mein einz’ger Grund: nur Gott allein.
- Du bist mein Gott, und nichts verlang’ ich mehr. Du bist der Aufbruch und die Wiederkehr. Nicht Speis und Trank, nicht Lob, nicht Lohn und Dank – nichts soll mein Eigen sein: nur Gott allein!
Es folgte ein gemeinsames Gebet um die Seligsprechung von Pater Franz Reinisch. Daran anschließend erklang durch den Chor das „Gegrüßet seist du Königin“ – passend zum Festtag „Maria Königin“. In seinem Abschiedsbrief an seine Familie hatte Pater Reinisch aus dem Gefängnis geschrieben: „Singt, betet ein Magnificat. … Gott ist unendlich gut.“ Dieser Aufforderung kamen nun auch die an seinem Grab Versammelten nach. Nach dem Vaterunser und dem Abendsegen klang die Gedenkfeier mit dem von Frank Sittel komponierten Abendlied „Und der Tag hat sich geneiget“ stimmungsvoll aus.
