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Pater Franz Reinisch und Pater Robert Lunkenbein: Zwei Seligsprechungsverfahren - zwei Patres – zwei Märtyrer
Am 21. August 1942 wurde Pater Franz Reinisch ermordet. Als einziger Priester verweigerte er den Fahneneid auf Adolf Hitler. Die Todesstrafe nahm er tapfer auf sich und wurde so zum Vorbild im Glauben für viele Menschen – und ist es auch heute (Foto: Renate Siebenkäs)
Renate Siebenkäs. Am 84. Todestag von Pater Franz Reinisch, dem 21. August, versammelten sich Gläubige zu einem Gedenkgottesdienst am Schönstatt-Heiligtum auf dem Marienberg in Scheßlitz (Erzbistum Bamberg). Schönstatt-Priester Andreas Hornung verband mit dem Gedenkgottesdienst für Pater Franz Reinisch auch das Wirken von Pater Rudolf Lunkenbein – zwei Märtyrer, die ihren Glauben vorbildhaft gelebt und mit ihrem Leben bezahlt haben.
Gleich beim Eintreten ins Heiligtum der Verbundenheit fielen zwei Portraits auf: das rot umhüllte Bildnis mit Pater Franz Reinisch, das sonst in der Hauskapelle hängt, und rechts weiter oben Pater Rudolf Lunkenbein, eine Seite seines Portraits ebenfalls mit einem roten Tuch gestaltet. Rot, die Farbe der Märtyrer, die sie beide sind. Fast könnte der Eindruck entstehen, beide seien Brüder.
Schönstatt-Priester Andreas Hornung begrüßte die kleine Schar mit: „Zwei Seligsprechungsverfahren, zwei Patres, zwei Märtyrer – so wurden Sie zu diesem Gedenkgottesdienst eingeladen. Zwei Patres, die Spuren bei uns im Frankenland hinterlassen haben: der Franke Rudolf Lunkenbein und der Südtiroler Franz Reinisch.“
Zum Gedenken an die beiden Pater und Märtyrer Franz Reinisch und Rudolf Lunkenbein haben die Gläubigen die Bilder geschmückt. Die Gläubigen betrachteten das Leben der beiden Männer und schauten besonders darauf, was beide auszeichnete und sie dazu bewegte, ihr Leben für ihren Glauben hinzugeben (Foto: Renate Siebenkäs)
Beide Männer lassen sich auch gut vergleichen, meinte Hornung: „Das prägte sie: Je mehr Schwierigkeiten sie zu meistern hatten, desto fester standen sie zu ihrer Überzeugung.“ Und weiter: „Gemeinsam war der starke, äußere Druck, den beide erfuhren. Die weißen Siedler dort in Brasilien und für Pater Franz das Naziregime. Gemeinsam war ihnen die Liebe zur Gerechtigkeit, zur Wahrheit und vor allem zum Hören auf das Gewissen. Weiterhin waren ihnen die Mitmenschen wichtig und die Beziehung zu Jesus. Beide waren auch große Marienverehrer. Pater Rudolf Lunkenbein wurde am 15. Juli 1976 von weißen Siedlern getötet. Sie machten den Bororos ihr Land streitig. Und heute denken wir primär an die Lebenshingabe von Franz Reinisch in Berlin-Brandenburg am 21. August 1942 um 5:03 Uhr.“
Die Erinnerung an Pater Rudolf Lunkenbein und Pater Franz Reinisch sei nicht nur eine bloße Rückschau auf die Vergangenheit. Sie werde zur Gegenwart, wenn Gläubige dieser beiden Männer gedenken. Sie wird zum Weg, der herausfordert, Haltung zu zeigen und junge Menschen darin zu stärken, ihre Welt bewusst und solidarisch mitzugestalten.
Geheimnisvoll begann die Predigt mit einem Eintrag vom 11. Oktober 1973:
„Bei uns ist in der vergangenen Nacht wieder ein Indianerbub zur Welt gekommen. 4300 Gramm wiegt er… Vor 14 Tagen habe ich vier Indianerkinder feierlich getauft. Feierlich, weil wir die kirchliche Taufe und die Taufe nach dem Ritus unserer Indianer gleichzeitig und mit Indianertänzen begleitet, vorgenommen haben.“
Bevor Pater Rudolf Lunkenbein zu den Bororos nach Merúri kam, gab es nur noch Sterben, weil keine Hoffnung auf ein Weiterleben existierte. Deshalb gab es keine Kinder mehr im Dorf. Dieses Indianerkind von 4300 Gramm war ein Zeichen des Lebens, ein Zeichen der Hoffnung, ein Zeichen der Zukunft. Nach dem Tod Pater Lunkenbeins schrieb der deutsche Generalkonsul: „Der Erfolg seiner Arbeit kommt wohl am deutlichsten zum Ausdruck, dass jetzt wieder über 70 Kinder zu finden sind.“ Das Land steht nun rechtlich den Boros zu, um dessentwillen Rudolf Lunkenbein gestorben ist. Liebevoll wurde er „Goldfisch“ genannt. Am Ende seines Lebens schreibt Rudolf Lunkenbein: „Mama, es gibt nichts Schöneres, als für Gott zu sterben.“ Er ist mit sich, seinem Lebenswerk und mit Gott im Reinen. Ausführliche Informationen finden sich unter www.dubewegstdiewelt.de.
Hanne Widera, eine Reinisch-Expertin und -verehrerin, organisiert jedes Jahr zum 21. August einen Gedenkgottesdienst auf dem Marienberg. Verbunden ist die Gedenkfeier immer mit einem Gang zum Gedenkstein an der 15. Kreuzwegstation (Foto: Renate Siebenkäs)
Was zeichnet Pater Franz Reinisch aus?
Es gibt von Pater Franz Reinisch Tafeln an prägnanten Stellen seines Lebens, zum Beispiel in Hall, in Brixen, in Bad Kissingen, in St. Gangolf – Bamberg und in Berlin-Brandenburg. Dort weilt jetzt unser Diözesanpräses Martin Emge mit einigen Mitbrüdern, um auf jenem See zu fahren, in dem jedes Jahr in der Nacht zum 21.08. eine Predigt gehalten wird. Eine Erinnerung an die Zeit, in der man sich vor den Mikrofonen der Kommunisten verstecken musste. Das sind alles Stationen seines inneren Weges, seiner inneren Reifung und seiner gereiften Überzeugungen, für die er am Ende sein Leben hingab.
Franz Reinisch glaubte daran, dass der Weg der Gewissenstreue fruchtbar sein wird für die Kirche. In seinem Gefängnistagebuch vom 5. Juli 1942 ist nachzulesen, dass Pater Franz Reinisch von einer baldigen Blütezeit der Kirche, die vom Kapellchen aus aufbrechen muss, überzeugt war.
Franz Reinisch gibt heute ein ermutigendes Zeugnis. Er will die Menschen darauf hinweisen, auf das Gewissen zu achten. In der Liebe, zu der Maria hinführt, kann man mit ihrer Hilfe aus einem guten Gewissen handeln, können die Gläubigen die eigene Welt und die der Mitmenschen verändern.
Auch im reichen Europa gibt es Einsamkeit, Not und wie innerlich tote Menschen, die sich nach Leben sehnen. Hier sind die Gläubigen gefragt: Bleibt das Gewissen kalt angesichts der Not?
Ist nicht die Fackel der Liebe das Kennzeichen von Pater Franz Reinisch? Das bestätigt sein berühmter Satz: „Gerade in dieser Stadt darf ich zur Fackel der Liebe und des Friedens werden …“. Es folgten reale Beispiele, wie ein reines Gewissen die Welt zum Guten hin verändern kann. Dazu gehört etwa die Zivilcourage, das Nein-Sagen lernen oder sich auch einfach zu entschuldigen.
Nachdem es heftig geregnet hatte, wurde die Rosenaktion im Heiligtum durchgeführt. Zunächst schenkte Pater Franz Reinisch – wie auf dem Gebetsbildchen „versprochen“: „Wenn ich einmal oben bin, werde ich manche Rose auf die Erde werfen.“ Danach schenkten die Gläubigen Pater Franz Reinisch eine Rose, mit persönlichen Anliegen verbunden. Zum Abschluss wurde das Heimkehrlied gesungen: „Du bist das große Zeichen…“.
Der Gedenkgottesdienst machte sehr nachdenklich. Wie schafften es diese beiden jungen Männer, ihr Leben zu opfern? Pater Rudolf Lunkenbein starb vor 50 Jahren und Pater Franz Reinischs Urne wurde vor 80 Jahren neben dem Urheiligtum beigesetzt. Beide könnten Brüder sein. Beide sind auch Brüder, im Glauben, im Mut. In der gemeinsamen Liebe zur Muttergottes konnten sie ihren schmerzhaften Weg des Martyriums gehen. Mögen sie, mit dem Dritten im Bunde – Simão Bororo – bald seliggesprochen werden.
