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4 Tage, 72 Kilometer, 7 mutige Pilgerinnen
Anfang August haben sich sieben Pilgerinnen auf den Weg ins französische Cambrai gemacht. Sieben Tage lang haben sie Gepäck teilweise mitgetragen, sich einander getragen und viele unvergessliche Momente miteinander erlebt (Foto: MJF)
Sara Göllmann. Die Münsteraner Schönstatt-Mädchen-und Junge-Frauen-Bewegung (MJF) hat es gewagt: Mit viel Weggemeinschaft und Gebetsanliegen im Gepäck sind sechs Trägerinnen mit ihrer Jugendschwester Anfang August nach Cambrai gepilgert. Was sie dabei erlebt und womit sie gekämpft haben:
Mit einem Kleinbus ging es zunächst vom Norden Deutschlands nach Lille in Frankreich – zum Startpunkt der Pilgertour. Jeder Tag stand unter einem anderen Thema, ganz passend zur Jahresparole der MJF: „Sturmtänzerin – getragen, mutig, echt“.
Es wurde von manchen mehr, bei manchen weniger, Gepäck getragen, einander ertragen und miteinander getragen. Wir haben große, tiefe Gespräche geführt, gegen Erschöpfung angekämpft und gemerkt, was der Satz bedeutet: Nach müde kommt doof! Durch diese sieben Tage völligen Aufeinanderangewiesenseins und Zusammenseins sind wir tiefer zusammengewachsen und haben so viele lustige Momente gehabt, die man von außen betrachtet wohl nicht nachvollziehen kann.
Große Gastfreundschaft und Geschenke
Auf dem Weg und in den Unterkünften haben wir sehr große Gastfreundschaft erlebt und konnten selbst beobachten, wie wir mit kleinen, einfachen Dingen zufrieden waren und uns darüber richtig freuen konnten. Das Highlight einer Pilgerin war das gute Obst, das wir überall geschenkt bekamen. Ob es Aprikosen, Mirabellen beim Frühstück, Zwetschgen aus dem eigenen Garten oder Feigen zum Selberpflücken waren: Genügend Vitamine haben wir auf jeden Fall bekommen!
Dafür, dass sich die französischen Haustüren bereitwillig für das Wasserflaschenauffüllen geöffnet hatten, waren die Läden nicht auf unserer Seite. Entweder hatten sie wegen Inventur aktuell geschlossen oder sie waren doch noch drei Kilometer weit weg, was, wenn man an dem Tag schon 16 Kilometer gelaufen ist, zu weit ist. Wir haben auch drei Tage auf unser Sonntagseis gewartet, da Komoot (die Wander-App, nach der wir die Wege gelaufen sind) uns wirklich über sehr verlassene Wege geführt hat. Den Kaffee konnten wir auch nicht bekommen, da entweder die Maschine gerade gereinigt wurde oder die Milch leer war. Das konnte aber unsere Stimmung nicht trüben, da wir einfach merken konnten, dass die GM bei uns ist. Als wir beispielsweise in unserer Unterkunft waren, fing es an, richtig doll zu regnen. Als wir uns die Sohlen abliefen, wurde im Gepäck Leukoplast gefunden (Geheimtipp, um Sohlen festzukleben), und, wie es sich für Königskinder auch mal gehört, haben wir in einem Schloss schlafen dürfen!
Insgesamt 72 Kilometer hat die siebenköpfige Pilgergruppe von Lille bis Cambrai zurückgelegt (Foto: Sara Göllmann)
Pilgern mit Anliegen im Gepäck
Mit spontanem Singen als Zeitvertreib oder als Motivationsschub konnten wir auch die kilometerlange Sonnenstrecke am Kanal pilgern und haben viele Anliegen von Bekannten und Freunden mitnehmen können. Wenn wir uns nicht gerade um unsere verrückten Essenzusammenstellungen kümmern mussten (wir waren sehr kreativ), haben wir uns unterwegs intensiv mit Impulsen und Workshops mit unserem LB oder Josef Engling beschäftigt. Dass wir einmal vom Weg abgekommen sind, müssen wir hier ja nicht erwähnen.
Als wir in Cambrai ankamen: Wir sind endlich da, wir sehen das Kapellchen, wir hören die Glocken läuten und stehen vor einer viel befahrenen Straße und kommen erst einmal nicht rüber! Überall auf dem Weg haben die Franzosen einen Zebrastreifen, aber da, wo es uns so wichtig war, nicht. Nach sieben Minuten aushalten und warten konnten wir mit Tränen in den Augen endlich zum Kapellchen.
Dort beim Schönstatt-Zentrum haben wir die Anstrengung in Erholung umgewandelt, unsere persönliche Zeit genießen und mit Josef Engling seinen letzten Weg gehen können.
Unseren Abschluss konnten wir entspannt beim Sonnenuntergang hinter dem Kapellchen genießen, wo wir uns auch verewigt haben. Wo genau, verraten wir aber nicht. Vielleicht entdeckt einer von euch es, wenn ihr selbst einmal da seid? Schön war’s!
