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12. August 2026 | Kommentar der Woche | 

Eva-Maria Baumgarten: Blickrichtung Himmel – mehr als Sonnenfinsternis


(Foto: Stephane Hurbe/www.pexels.com)

(Foto: Stephane Hurbe/www.pexels.com)

Kommentar der Woche:

Blickrichtung Himmel – mehr als Sonnenfinsternis

Eva-Maria Baumgarten ist Gemeindereferentin im Pastoralverbund St. Michael Hohe Rhön im Bistum Fulda (Foto: © privat)

Eva-Maria Baumgarten ist Gemeindereferentin im Pastoralverbund St. Michael Hohe Rhön im Bistum Fulda (Foto: © privat)

 

 

 

 

 

 

Eva-Maria Baumgarten

Blickrichtung Himmel – mehr als Sonnenfinsternis

12.08.2026

Über was schreibt man Mitte August einen „Kommentar der Woche“? Ich könnte schreiben über Waldbrände, Wasserknappheit und Noternten, über Regierungsumbildung oder anstehende Landtagswahlen; oder auch über Neuanfänge, Ausbildungsbeginn und Einschulungsgottesdienste.

Doch der Blick geht nach oben. Alle Augen sind zum Himmel gerichtet. Nicht einfach so, sondern natürlich nur mit der richtigen Ausstattung. Totale Sonnenfinsternis über Spanien und auch hierzulande sind für einen Moment mindestens 85 Prozent der Sonne verdeckt. Fast wäre die Sonnenfinsternis in all den anderen Themen, die mich gerade beschäftigen, untergegangen, und ich meine tatsächlich, dass es weit Wichtigeres als die „Sofi“ gibt. Doch so ganz lässt mich das Spektakel nicht los. Ein kurzes Naturschauspiel, aber bereits Tage zuvor berichten Medien und geben den perfekten Standort für den besten Beobachtungsplatz durch. Und vielleicht erzählt mir die Sonnenfinsternis etwas über unser Menschsein, unser Verhältnis zur Welt und zum Heute.

Der Mensch erfährt sich als Teil des großen Kosmos

Angesichts eines solchen Naturphänomens kommt der Mensch mit seiner Begrenztheit in Berührung. Bei der letzten in Deutschland zu beobachtenden totalen Sonnenfinsternis 1999 hieß es in einem Fernsehbericht: „Für Wissenschaftler reizvoll, für Betrachter schlichtweg überwältigend“. Der Mensch erfährt sich in diesem kurzen Zeitraum einer Sonnenfinsternis als Teil eines größeren Kosmos und wird zugleich mit der Tatsache konfrontiert, dass es Ereignisse gibt, die sich seiner Verfügbarkeit entziehen. Die einen reagieren mit überwältigendem Staunen, andere berichten davon, dass sie in einem solchen Moment tiefe Verbundenheit empfinden. Das Gefühl von „Erhabenheit“ und das Bewusstsein, dass es etwas gibt, das größer als der Mensch ist, werden hervorgerufen. Dazu gehört auch die Erfahrung, dass sich die vertraute Welt plötzlich verändert: Mitten am Tag wird es dämmerig oder gar dunkel.

Sehnsucht nach dem Unverfügbaren

Ich meine, die Sonnenfinsternis bringt die spirituelle Seite des Menschen zum Schwingen. Sie offenbart, dass sich der Mensch nach dem Unverfügbaren sehnt. In der perfekten Abstimmung von Sonne, Mond und Erde, die zur Sonnenfinsternis führt, liegt eben jene Unverfügbarkeit, an der der Mensch nicht rütteln kann. Eine Ordnung, die allem Chaos der Welt standhält.

Vielleicht lehne ich mich ein bisschen weit aus dem Fenster und sicher muss ich mir auch an die eigene Nase greifen, aber kann es sein, dass wir in der Kirche zu oft meinen, dass Gott verfügbar ist? Dass wir an unserer Ordnung festhalten und uns unsere kleine Welt basteln, in der man scheinbar nur die richtigen Methoden und Innovationen braucht, um Glaube und Gottesbeziehung zu implementieren?

Als Gesellschaft und als Kirche müssen wir es meines Erachtens immer wieder neu lernen, dass es notwendig ist, manche Situation auszuhalten. Ich meine damit nicht ein tatenloses „Hände-in-den-Schoß-legen“ oder die Haltung „nach mir die Sintflut“, aber ein gerütteltes Maß an Demut und das klare Bewusstsein, nicht immer besser zu wissen, welche Entscheidung gescheiter gewesen wäre – sei es in der Politik oder beim Fußball – oder für alles eine schnelle Lösung parat zu haben, ohne das Problem tatsächlich erkannt zu haben. Und selbst wenn dies zur Konsequenz hat, dass es eine Phase gibt, in der es die Dunkelheit auszuhalten gilt. Als Christen ist uns doch ins Stammbuch geschrieben: „… das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ (Joh 1,5) Manchmal muss man nur am richtigen Ort sein, die richtige Brille aufsetzen und vor allem den Blick zum Himmel richten, um das Licht zu sehen. Eben wie bei der Sonnenfinsternis.

Eva-Maria Baumgarten
Gemeindereferentin im Pastoralverbund St. Michael Hohe Rhön im Bistum Fulda

Quelle: www.basis-online.net
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung

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