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Karl-Leisner-Fußmarsch 2026: Auf den Spuren des Seligen vom Niederrhein
Vom 3. bis 7. August waren neun Geistliche - acht Priester und ein Diakon - auf den Spuren des seligen Karl Leisner unterwegs. Austausch, eine tägliche heilige Messe und das Vorbild Leisners waren Schwerpunkte des traditionellen Karl-Leisner-Fußmarsches (Foto: Christoph Scholten)
Christoph Scholten. Neun Pilger sind von Montag, 3. August, bis Freitag, 7. August, vor dem Gedenktag des seligen Karl Leisner (12. August) in dessen niederrheinische Heimat gepilgert. Auf Einladung des Schönstatt-Priesterbundes kamen sie aus Augsburg, Basel, Eichstätt, Mainz, Münster, Osnabrück, s`Hertogenbosch, Trier und Würzburg. Vier Mitglieder des Schönstatt-Priesterbundes waren es, je ein Mitglied der Schönstatt-Priesterliga und der Schönstatt-Patres sowie ein Jesuit.
Die Pilger fanden sich zu Beginn des Pilgerweges im Priesterhaus in Kevelaer ein, dem Pilgerquartier für die nächsten Tage. Nach dem Abendessen, der Vesper und einer heiligen Messe konnten sich die Pilger kennenlernen. Zwei Mitbrüder waren zum ersten Mal dabei. Der Karl-Leisner-Pilgermarsch stand in diesem Jahr unter dem Leitwort des Würzburger Katholikentags, „Hab Mut, steh auf“, aber ergänzt um die biblische Begründung: „Er ruft dich!“ (Mk 10,49).
Gut gelaunt pilgerten die Geistlichen in die Heimat des seligen Karl Leisner. Der traditionelle Karl-Leisner-Fußmarsch stand heuer unter dem Motto „Hab Mut, steht auf! Er ruft dich.“ (Foto: Christoph Scholten)
Erste Station am Dienstag, 4. August, war das niederrheinische Schönstattzentrum Oermter Marienberg in Issum. Im dortigen Heiligtum der Weggemeinschaft lud Domkapitular Armin Haas aus Schondra im Bistum Würzburg in seinem Impuls dazu ein, auf Karl Leisners erste Begegnung mit Schönstatt zu schauen.
Der spätere Schönstattpater Josef Vermeegen (1913–2008) hatte den jüngeren Mitschüler Karl Leisner (1915–1945) zu einer Tagung und zu Exerzitien nach Schönstatt eingeladen – für ihn eine „Wende zum Apostolat in der Jugend“. So hatte er den Mut, „Ja“ zu sagen, als sein Bischof Clemens August Graf von Galen ihn 1934 zum Diözesanjungscharführer für die gesamte Diözese Münster ernannte.
Die große Frage der Berufung
Die Pilger schauten sich danach die „Karl-Leisner-Stele“ mit den wichtigsten Lebensstationen des Seligen an. Die erste eineinhalbstündige Etappe führte die Pilger durch die „Sonsbecker Schweiz“.
Nach einer Stille tauschten sich die Pilger im Rahmen eines sogenannten „Emmaus-Gespräches“ in Zweiergruppen über die Impulsfragen aus, zum Beispiel: „Wie sieht mein Berufungsweg aus? Was ist mein Auftrag, meine Sendung?“ Nach der Mittagspause führte die zweite, nicht ganz eineinhalbstündige Fußpilgeretappe zur Gnadenkapelle der „Trösterin der Betrübten“ in Kevelaer. Dabei wurde der Rosenkranz im Anliegen um geistliche Berufe gebetet. In der Beichtkapelle feierten die Pilger in Konzelebration eine heilige Messe. Mit dem Abendessen in einer nahegelegenen Gaststätte klang der erste Pilgertag aus.
Ein dankbarer Blick auf die Priesterweihe des seligen Karl Leisner
Am Mittwoch, 5. August, erläuterte Pfarrer Christoph Scholten aus Kranenburg im Bistum Münster nach der Laudes und dem Frühstück das von Bert Gerresheim geschaffene bronzene „Portal der Versöhnung“. Es zeigt unter anderem, wie der Häftling Karl Leisner am 17. Dezember 1944, dem dritten Adventssonntag, vor dem mitgefangenen Bischof von Clermont, Gabriel Piguet, kniet, und dieser ihm zur Priesterweihe im KZ Dachau die Hand auflegt. Ebenfalls abgebildet ist die Schwesternschülerin „Mädi“, die spätere Ordensschwester Imma Mack, die unter Lebensgefahr unter anderem das vom Münchener Kardinal Michael von Faulhaber zur Verfügung gestellte Chrisam und weitere für die Priesterweihe nötige Utensilien ins KZ Dachau schmuggelte.
Scholten verwies auf Karl Leisners Dankbarkeit für seine Herkunftsfamilie, bevor die Pilger zum Schloss Wissen bei Weeze fuhren. Dort begann die gut zweieinhalbstündige Schlauchbootfahrt auf der Niers bis zum Ausflugslokal „Jan an de Fähr“. Nach einer Stille waren Pilger eingeladen, von ihrer Herkunftsfamilie zu erzählen und ihre persönliche Dankeslitanei anzustimmen. Mit dem Rosenkranzgebet um geistliche Berufe trafen die Schlauchbootfahrer am Ziel ein. Danach brachen die Pilger nach Kleve auf, wo sie in der Stifts- und Propsteikirche eine heilige Messe feierten. Vor der Kirche schauten sie sich das bronzene Karl-Leisner-Erinnerungsmal an, welches Bert Gerresheim zum 70. Jahrestag der Priesterweihe geschaffen hatte – eine Kombination der beiden Fotos „Karl Leisner im Primizgewand“ und „Karl Leisner im Pullover“.
Danach fuhren die Pilger an den Rand des ehemaligen Zeltlagerplatzes am Knapheideweg im niederländischen Groesbeek, wo Karl Leisner im August 1934 das zwölftägige „große Jungenlager“ durchgeführt hatte. Die 31 Kinder und Jugendlichen aus Kleve sollten frei von nationalsozialistischer Bedrohung die Schönheit der Schöpfung und des Glaubens erleben.
Seit 1999 gibt es den Karl-Leisner-Fußmarsch, der die Pilgergruppe in die niederrheinische Heimat des Seligen führt. 2026 waren es neun Männer, die sich auf die Spuren Karl Leisners begaben (Foto: Christoph Scholten)
Drei Jahre später durchsuchten Gestapo-Beamte das Elternhaus und beschlagnahmten die Tagebücher Karl Leisners. Im Foto- und Textbericht über das Groesbeeker Zeltlager unterstrichen die Beamten viele Passagen. Mit ein Grund war sicher der Mut Leisners, das Jungenlager in den freien Niederlanden durchzuführen, und die Jungen für Jesus Christus statt für Adolf Hitler zu begeistern. Karl Leisner sollte nach seiner Verhaftung am 9. November 1939 im Lungensanatorium in St. Blasien nicht mehr freigelassen werden. Der Gestapo war klar, dass es bei Karl Leisner nicht nur um eine spontane, einzelne Äußerung zum gescheiterten Attentat Georg Elsers auf Hitler ging, sondern dass sie es mit einem langjährigen, überzeugten Gegner der nationalsozialistischen Ideologie zu tun hatte.
Ein freudiges Wiedersehen in Xanten-Marienbaum
Am Donnerstag, 6. August, fuhren die Pilger nach der Laudes und dem Frühstück wieder nach Kleve. An der Kermisdahl mit herrlichem Blick auf den Turm der Klever Schwanenburg hielt Propst Andreas Hagemann aus Beckum im Bistum Münster den Impuls zum Tagesthema „Folge mir nach“ (Joh 1,43).
Auf dem „Prinz-Moritz-von-Nassau-Weg“ und dem „Voltaire-Weg“ pilgerte die Gruppe rund drei Stunden bis Schloss Moyland in Bedburg-Hau, geprägt von einem Wechsel zwischen Stille, den „Emmaus-Gesprächen“ in Zweier- oder Dreiergruppen über die Impulsfragen und dem Gebet des lichtreichen Rosenkranzes im Anliegen um geistliche Berufe.
Dem Transfer von Schloss Moyland nach Xanten-Marienbaum folgte ein freudiges Wiedersehen – der Mittagsimbiss konnte in der Wohnung von Ehrendomkapitular Theo Hoffacker (Schönstatt-Priesterbund) stattfinden. Er hatte 1999 den Karl-Leisner-Pilgermarsch mitinitiiert und bis 2021 daran teilgenommen. Im Xantener Dom konnte er am 30. November 2025 sein 75-jähriges Priesterjubiläum und am 4. Januar 2026 seinen 100. Geburtstag jeweils mit einer Festmesse und einem Empfang feiern. Nach einer eucharistischen Anbetung in der Wallfahrtskirche in Marienbaum und dem Transfer nach Xanten erreichten die Pilger nach gut einstündigem Weg den Xantener Dom. In der Märtyrerkrypta feierten die Pilger am Sarkophag des vor 30 Jahren seliggesprochenen Karl Leisners eine heilige Messe.
Die Pilger sind am Grab des seligen Karl Leisner im Xantener Dom angekommen. Vom 3. bis 7. August waren die neun Geistlichen auf den Spuren Karl Leisners unterwegs (Foto: Christoph Scholten)
Auf die Rückfahrt nach Kevelaer folgte ein Abendessen mit Rückblick auf die vergangenen Pilgertage und einem Ausblick auf 2027. Der Karl-Leisner-Pilgermarsch endete am Freitag, 7. August, mit der Laudes, der Hl. Messe und dem Frühstück im Priesterhaus. Gestärkt durch den Austausch nahmen die Teilnehmer Abschied von Kevelaer und voneinander.
