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In der Art des Liebesbündnisses an Erlösung glauben
Das Jahresmotto 2026 der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Gestaltung: Brehm)
Liebe Freunde und Mitglieder unserer Schönstatt-Bewegung,
der August ist in unserer Bewegung ein lebendiger Monat. Ferienwochen, Sommerlager, Familienfreizeiten und Pilgerwege führen viele Menschen zusammen. Menschen kommen zusammen, finden einander und eine Atmosphäre, die hoffentlich ein bisschen freier macht, ein wenig erlöster. In den letzten Wochen habe ich mehrere Schönstatt-Zentren besucht. Dort begegnete mir viel Leben, ehrenamtlicher Einsatz und Freude. Zugleich erlebte ich, dass manches mühsam geworden ist, Kräfte fehlen und an einigen Orten Gewachsenes zu Ende geht. Auch darin wird spürbar, wie erlösungsbedürftig unser Leben und unsere Bewegung sind.
Glauben wir noch an Erlösung?
Drei Tage vor unserem Bündnistag feiern wir am 15. August die Aufnahme Mariens in den Himmel. Dieses Fest sagt nicht nur etwas über Maria. In ihr wird sichtbar, was Gott mit dem Menschen vorhat. Ihr ganzes Leben – Leib und Seele, Freude und Leid, ihr Fragen und ihr Ja – ist bei Gott angekommen. Maria ist das Bild des erlösten Menschen. Mir scheint das eine tiefere Frage in unsere Zeit und an unsere Zeit zu sein: Glauben wir eigentlich noch an Erlösung?
Unsere Zeit spricht viel von Veränderung und Transformation. Aber rechnen wir wirklich noch damit, dass etwas heil, versöhnt, freier und neu werden kann? Oder haben wir uns an das Unerlöste gewöhnt: an Kriege und Gewalt, an die Härte im Miteinander, an Spannungen in Kirche und Bewegung, an Verletzungen in Beziehungen und auch an die eigene innere Unfreiheit? Manches organisieren wir oder halten es irgendwie aus. Aber trauen wir Gott noch zu, dass Verwandlung möglich ist?
Maria Himmelfahrt widerspricht der Resignation. Gott gibt den Menschen und seine Geschichte nicht verloren. Erlösung ist möglich – nicht als schneller Ausweg an der Wirklichkeit vorbei. Maria ging einen langen Weg, tastend und glaubend, bis unter das Kreuz.
Pater Kentenich bezeichnet uns als Bündnispartner als „Zeugen der Erlösung“. Wir machen die Erlösung nicht. Aber wir dürfen ihr Raum geben und an ihr mitwirken. Das verlangt ein Glaubenswagnis, einen Glaubenssprung für Sinne und Verstand. Gerade wenn unsere Augen noch keine Lösung sehen, hält der Glaube fest: Gott ist noch nicht am Ende. Unser Jahresmotto „Dem Wind trauen – im Sturm glauben“ heißt dann: mitten im Unerlösten an Gottes Möglichkeit festhalten.
Fünf kleine Erlösungswege
Die fünf Grundvollzüge können zu fünf kleinen Erlösungswegen im Alltag werden.
Ich glaube an mein Persönliches Ideal.
Auf die Frage „Wer bin ich?“ antwortet der Glaube: Ich bin keine Nummer und keine Kopie. Gott hat einen originellen Gedanken von mir. Wie Maria darf ich zu diesem Bild Gottes mein Ja sagen.
Ich glaube, dass ich wachsen kann.
Auf die Frage „Was ist jetzt bei mir dran?“ antwortet die Hoffnung: Ich bin nicht auf das festgelegt, was heute ist. Der nächste Schritt ist möglich. Auch das ruhige Vonneuem-Anfangen gehört zum Weg der Erlösung.
Ich glaube, Gott wirkt in meinem Leben.
Auf die Frage „Wie hängt das alles zusammen?“ antwortet der Vorsehungsglaube nicht mit schnellen Erklärungen. Er sucht und unterscheidet: Wo öffnet Gott eine Tür? Wo spricht er in den Zeitenstimmen und Erfahrungen? Was will er wachsen lassen?
Ich glaube, dass mein Beitrag zählt.
Gegen Ohnmacht und Resignation steht das „Nichts ohne uns“. Nicht: Ich zähle, weil ich etwas beitrage. Sondern: Mein Beitrag zählt, weil ich zähle. Im Gnadenkapital kann auch das Kleine Teil eines größeren Erlösungsvorgangs werden.
Ich glaube an dein Charisma.
Auf die Frage „Wie gelingt das Miteinander?“ antwortet die Bündniskultur: Auch dort, wo wir verschieden denken, will ich Gottes Gnade und Sendung in dir suchen. Dieser Satz könnte zu einem inneren Mantra für unsere Gemeinschaften und für eine friedlos gewordene Zeit werden.
Werkstätten des Liebesbündnisses
Vielleicht sind gerade unsere Ferienwochen, Sommerlager, Familienfreizeiten und Pilgerwege kleine Werkstätten dieses Glaubens. Dort entdecken Menschen etwas von ihrem Persönlichen Ideal und wachsen an Aufgaben und aneinander. Sie schauen auf das Erlebte und suchen Gottes Spuren. Sie bringen sich ein: in der Küche, in der Vorbereitung, in Gesprächen, Spielen, Gebeten und unzähligen Diensten, die oft niemand sieht. Und sie lernen, den Gaben anderer Raum zu geben.
In jedem kleinen Beitrag kann das „Nichts ohne uns“ lebendig werden. In jeder gelungenen Begegnung kann etwas vom neuen Menschen in neuer Gemeinschaft aufscheinen. Dazu brauchen wir den Lebensvorgang des Liebesbündnisses: gemeinsam hören, Zeitenstimmen deuten, den eigenen Beitrag geben, die Charismen achten und Maria zutrauen, dass sie auch durch Übergänge und Abschiede hindurch erzieht und führt.
Wenn wir am 18. August unser Liebesbündnis erneuern, könnten wir Maria fragen:
- Wo schreit in meinem Leben etwas nach Erlösung?
- Wo habe ich mich schon mit dem Unerlösten abgefunden?
- Und welcher kleine Glaubensschritt ist jetzt möglich?
Maria, Bild des erlösten Menschen und unsere Bündnispartnerin, hilf uns, in der Art des Liebesbündnisses zu leben: dem Wind zu trauen und im Sturm an Gottes Möglichkeiten zu glauben.
Einen gesegneten Bündnistag!
Ihr
P. Felix Geyer
Schönstatt-Bewegung Deutschland
