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16. Juli 2026 | Impuls aus Schönstatt | 

Keine Angst vor der Zukunft – das Schönste kommt noch. Künstliche Intelligenz – ein „Zeichen der Zeit“


Künstliche Intelligenz hält Einzug im Alltag (Foto: Gerd Altmann, pixabay)

Künstliche Intelligenz hält Einzug im Alltag (Foto: Gerd Altmann, pixabay)

Impuls aus Schönstatt von Heinrich Walter.

Immer deutlicher wird auf vielen Ebenen die revolutionäre Entwicklung ernst genommen, die durch die Künstliche Intelligenz verursacht wird. Papst Franziskus hatte sich 2024 zum G7-Gipfel in Italien eingeladen, um die Politiker in die Pflicht zu nehmen im Blick auf ihre Verantwortung. Der Papst ging darin durch die Geschichte und erinnerte daran, dass neue Werkzeuge immer eine wichtige Rolle spielten in der Entwicklung der Menschheit, angefangen beim Umgang mit dem Feuer, mit der Erfindung des Rades und der Dampfmaschine bis zur Kernspaltung. Immer schon hat der Mensch gewusst, dass alle diese Werkzeuge sehr hilfreich sein können, aber auch negativ benutzt werden können. Seit Hiroshima ist die Menschheit in einer globalen Angst, und die Politik der Großmächte vollzieht sich immer unter diesem Damoklesschwert.

Die Künstliche Intelligenz wird die Menschen in eine ganz neue Welt führen, die wir uns noch überhaupt nicht vorstellen können. Der Unterschied ist, dass der Mensch bisher durchaus noch autonom ist und selbst entscheidet, ob er zum Beispiel die Atombombe einsetzt. Mit allen Werkzeugen war es bisher so. Die Künstliche Intelligenz führt uns jetzt auf eine andere Ebene. Sie kann so arbeiten und technokratisch wirken, dass dem Menschen keine Möglichkeit mehr gegeben ist, den Vorgang einzudämmen. Deshalb müssen wir uns umso mehr mit den zentralen Werten beschäftigen, die uns helfen, den Umgang mit diesen unglaublich wirksamen Werkzeugen zu gestalten.

KI – ein neuer Gott?

Die Theologin Claudia Paganini kommt in ihren Beobachtungen zu dem Schluss, dass viele, ohne weiter nachzudenken, der KI göttliche Attribute zuschreiben in der praktischen Anwendung. Die KI ist allmächtig, allwissend, ist omnipräsent. Wenn man durch die Religionsgeschichte geht, dann ging es immer darum, dass die Sehnsüchte des Menschen mit religiösen Empfindungen verknüpft wurden. Weil wir immer weniger einen lebendigen Gottesglauben haben, sind wir auf dem Weg, die innersten Bedürfnisse anderweitig zu beantworten.

Der Mensch braucht gerade in Zeiten der Unsicherheit ein Gegenüber, das ihn mit Antworten versorgt. Aber ist die Hinwendung an eine Künstliche Intelligenz nicht ein billiger Abklatsch, ein bloßes Surrogat? Wir hätten uns schon längst an digitale Surrogate gewöhnt. Nüchtern betrachtet, sagen manche, die mit unserem Gottesglauben nichts am Hut haben, die KI ist realer. KI ist jederzeit abrufbar. Die KI gibt dir sofort Daten. Sie ist auf eine erstaunliche Art und Weise einzigartig, allgegenwärtig, allwissend und allmächtig in der Anwendung.

KI spricht Urbedürfnisse an

Ist KI auch sinnstiftend und fürsorglich? Die KI wird angewandt in der Altenpflege. Und wir wissen, dass von der KI gesteuert diese Roboter den alten Leuten einflößen: „Ich habe Zeit für dich, du kannst das ganz gut, du bist mir wichtig.“ Das sagt aber nur eine Maschine. Deshalb heißt es, dass die KI viel Einfluss, viel mehr Macht und Gewalt haben wird, als wir uns überhaupt vorstellen können, weil sie die Urbedürfnisse des Menschen anspricht und eine Reaktion, eine Antwort darauf gibt. Eine personale Begegnung allerdings ist nicht möglich.

„Das wahre persönliche Abenteuer beginnt im Herzen. Am Ende des Lebens zählt nur das.“ Franziskus I. (Grafik: basis)

(Grafik: basis)

Nur vom Menschen her

In der Autobiographie „Hoffe“ beschreibt Papst Franziskus kurz vor seinem Lebensende, wie er zu seinem Ansatz kam, sich mit der KI auseinanderzusetzen. Romano Guardini habe ihm dabei mit einem Grundsatz geholfen. Jedes Problem technischer, sozialer und politischer Natur sei nur vom Menschen her zu lösen. Ein neues Menschentum müsse erwachen von tiefer Geistigkeit, von einer neuen Freiheit und einer neuen Innerlichkeit. Die Künstliche Intelligenz wird in der Lage sein, mehr Gleichheit zu schaffen, die Bedürfnisse vieler Menschen zu befriedigen. Sie kann uns kulturell weiterbringen. Sie kann ein Werkzeug sein zu mehr Gerechtigkeit und Entwicklung des Friedens in der Welt. Aber nur, wenn der Mensch der Handelnde bleibt.

Der Kern des Menschen ist das Herz

Die Künstliche Intelligenz ist als ein Werkzeug zu verstehen, in der Hand des Menschen. Es geht damit um den Kern des Menschen, wo die Dinge sich entscheiden, und das sei das Herz beschreibt der Papst. Die Welt könne sich nur vom Herzen her verändern. In gewisser Weise ist die Künstliche Intelligenz leicht vorhersehbar und leicht zu manipulieren. Mit dem Herzen des Menschen sei es anders. Wir sind unser Herz, weil es uns von anderen unterscheidet, uns in unserer spirituellen Identität ausmacht und uns in der Gemeinschaft mit anderen trägt. Wenn das Herz richtig gebildet sei, wenn eine Herzenskultur gepflegt werde, dann seien wir fähig, Gott zu empfangen. Und er zitiert dann Heidegger, der sagt: „Das Göttliche kannst du nur empfangen, wenn du ihm ein Gästehaus errichtest.“

Der Mensch wird sich selber fremd, wenn er nicht aus dem Herzen lebt und darin einen Raum für Gott hat. Dann beschreibt der Papst: „Aber bedenken wir doch, was macht den Menschen aus? Das sind nicht die Algorithmen, die hintereinander herlaufen und ablaufen, sondern kein Algorithmus kann je die Kindheitserinnerungen umfassen, die wir eifersüchtig und liebevoll hüten. Wenn wir dazu zurückdenken, wenn wir unsere Geschichte anschauen, wenn die Besonderheit des Herzens nicht geschätzt wird, verlieren wir ausgerechnet jene Antworten, die die Intelligenz nicht geben kann. Denn das wahre persönliche Abenteuer beginnt im Herzen. Am Ende des Lebens zählt nur das.“

Ein Blick auf die Vorgründungskunde

In der Auseinandersetzung mit der künstlichen Intelligenz liest man die Vorgründungskunde Schönstatts nochmal ganz neu. Wir dürfen diese Aussagen von Pater Josef Kentenich ernst nehmen als Grundlage für den Dialog mit dem Thema der KI. Da heißt es, dass wir anstatt über unsere Errungenschaften zu herrschen, zu ihren Sklaven werden. Das ist genau der Punkt. Sind wir Sklaven der Künstlichen Intelligenz? Oder ist es unser Werkzeug, mit dem wir etwas Wunderbares weiterentwickeln in unserer Welt? Dann sagt er: „Ja, sollen wir wieder ins Mittelalter zurück? Sollen wir das alles abschaffen, bloß weil es gefährlich ist?“ Und er sagt: Auf keinen Fall, darum vorwärts! Aber vor allem vorwärts in der Erforschung und Eroberung unserer Innenwelt durch zielbewusste Selbsterziehung. Je mehr äußerer Fortschritt, desto größere innere Vertiefung. Man spürt die Verwandtschaft mit Aussagen Guardinis.

Der Mensch – Ebenbild Gottes

Das natürliche Ebenbild hängt damit zusammen, dass der Mensch Ich und Du sagen kann und sagen muss, wenn er seiner Würde entsprechend leben und handeln will. Martin Buber hat davon gesprochen, Gabriel Marcel hat viel darüber nachgedacht und geschrieben. Der Mensch ist das Wesen, das gleichzeitig sich um Selbstbewahrung und Selbstentfaltung bemüht. Und so entsteht durch dieses Ich-und-Du-Sagen, der Herzensaustausch zwischen dem personalen Ich und dem personalen Du. Und das ist nur möglich, wenn sich das personelle Ich voll entfaltet hat und selbstlos zum Du hinüberschreitet. Also Ich und Du sagen als einen wesentlichen Punkt dieses neuen Menschen, von seiner Wesensnähe her, die er mit Gott hat.

Wer das nicht genügend pflegt, der hat keine innere Geschichte mehr. Pater Kentenich redet dann vom Radio- und vom Fernsehmensch. Heute müssen wir reden vom Computermensch oder vom KI-Mensch. Das ist der Mensch, der in Gefahr kommt, keine innere Geschichte mehr zu haben.

Habt keine Angst, das Schönste kommt noch

Unser Umgang mit der KI setzt beim Menschenbild an, der Ebenbild Gottes ist und damit eine innere Freiheit und ein Verantwortungsbewusstsein hat. Pater Kentenich sagt immer wieder, das Entscheidende von diesem neuen Menschen ist seine Entscheidungsfähigkeit. In den schwierigsten, kompliziertesten Situationen sich entscheiden zu können aus einer festen freien Persönlichkeit. Deshalb brauchen wir keine Angst oder Furcht zu haben vor den angedeuteten Entwicklungen. Dafür machen wir unsere gesamte pädagogische Arbeit in den familiären Beziehungen. Wir lehren die Kinder mit dem Spielzeug, dem Werkzeug verantwortlich umzugehen. Das ist keine Spielerei, sondern eine bewusste Einübung der Herzensbildung für eine innere Stärke, um später mit größerer Freiheit mit den Social Media und der KI umzugehen.

Abschließend noch einmal ein Wort von Papst Franziskus aus seiner Autobiografie: „Habt keine Angst, so sage ich auch euch. Öffnet die Tore weit auf für Christus, wie es Johannes Paul II. getan hat. Und wenn euch eines Tages Ängste und Sorgen befallen, dann denkt an die Szene im Johannes-Evangelium, in der die Hochzeit von Kana beschrieben wird. Und sagt euch, der beste Wein, der kommt noch auf den Tisch. Das ist ein Bild, das mir als Abkömmling von Bauern besonders gefällt.

Ihr könnt euch sicher sein, die tiefere, fröhlichere, schönere Wirklichkeit wird für uns und für alle, die wir lieben, noch kommen. Wir sind am Anfang einer neuen Epoche. Solange wir uns am Blick eines Kindes erfreuen können, an den grenzenlosen Möglichkeiten des Guten, solange wir Barmherzigkeit einen Platz in unserem Herzen geben, ist immer alles möglich.“ Greif, sagt er im Imperativ, nach dem starken Anker der Hoffnung und sage dir, das schönste Meer ist das, das wir noch nicht befahren haben. Das schönste unserer Kinder oder Enkel ist noch nicht auf die Welt gekommen. Unsere schönsten Tage sind noch nicht angebrochen. Und was ich dir an Schönstem sagen möchte, habe ich dir bisher noch nicht gesagt. 

Heinrich Walter ist Schönstatt-Pater, seit 2023 Seelsorger am Wiener Stephansdom und Geistlicher Begleiter der Schönstatt-Bewegung in Österreich.

Quelle: basis – Zeichen der Zeit deuten, Juli-August 2026
Mit freundlicher Genehmigung der basis-Redaktion

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