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10. Juli 2026 | Deutschland | 

Studienband erschließt weitere zentrale Dokumente der Schönstatt-Geschichte


Mit dem dritten Teilband der Studienausgabe 4 zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung sind auf 600 Seiten weitere 94 Dokumente zugänglich, die Licht bringen in die spannende Geschichte der Schönstatt-Bewegung (Foto: Brehm)

Mit dem dritten Teilband der Studienausgabe 4 zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung sind auf 600 Seiten weitere 94 Dokumente zugänglich, die Licht bringen in die spannende Geschichte der Schönstatt-Bewegung (Foto: Brehm)

Hbre. Im Juli 2026 ist im Patris Verlag in Vallendar-Schönstatt mit der Studienausgabe 4.3 der Reihe Dokumente zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung ein weiterer Band der wissenschaftlichen Editionsreihe erschienen. Unter dem Titel „Dekrete und Kontroversen um das Schönstatt-Werk – Dokumente und Hintergründe aus den Jahren der Apostolischen Visitation und der Exilszeit – 1951 bis 1966“ macht der 600 Seiten umfassende Teilband 94 Dokumente aus der Zeit von Januar 1956 bis September 1957 teilweise erstmals öffentlich zugänglich.

Konflikte um Identität und Zuordnung

Der dritte Teilband knüpft an die vorausgehenden Bände an und beleuchtet eine Phase, in der sich die Auseinandersetzungen zwischen der Schönstatt-Bewegung und der Gesellschaft der Pallottiner zuspitzen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie beide Gemeinschaften zueinander stehen und wie ihre gegenseitige Beziehung zu verstehen ist.

Dabei werden zwei unterschiedliche Auffassungen sichtbar. Die damalige Leitung der Pallottiner vertritt die Ansicht, Schönstatt sei lediglich eine besondere Apostolatsform der von Vinzenz Pallotti gegründeten Gesellschaft. Pater Josef Kentenich und die verschiedenen Vertreterinnen und Vertreter der Bewegung erkennen die geschichtliche Verbundenheit an, betonen zugleich jedoch die Eigenständigkeit Schönstatts mit dem Liebesbündnis und der daraus entstandenen Spiritualität und Pädagogik.

Eine Auflage von 300 Exemplaren der Dokumente zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung, Studienausgabe 4, Teilband 3 wartet auf interessierte Leser (Foto: Brehm)

Eine Auflage von 300 Exemplaren der Dokumente zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung, Studienausgabe 4, Teilband 3 wartet auf interessierte Leser (Foto: Brehm)

Dokumente einer zunehmenden Eskalation

Die Quellen zeigen, wie sich der Konflikt in den Jahren 1956 und 1957 verschärft. Einen wichtigen Einschnitt bildet dabei das Dekret des Heiligen Offiziums vom 7. Juni 1956, das die Position der Pallottiner stützt. Es folgen Rundschreiben, Proteste verschiedener Schönstatt-Gemeinschaften, Stellungnahmen der Schönstatt-Diözesanpriester sowie weitere Dokumente, die deutlich machen, dass es längst nicht mehr nur um organisatorische Fragen, sondern um das Selbstverständnis und die Identität der Bewegung geht.

Zu den markanten Dokumenten gehören die Protestnote der Schönstatt-Diözesanpriester, die Grundsatzerklärung der Schönstatt-Gemeinschaften, der später als „Mühlheimer Akt“ bezeichnete Brief von 16 sogenannten „integralen“ Patres sowie Schreiben an Bischöfe und kirchliche Stellen. Den Höhepunkt der Auseinandersetzung bildet das Gutachten des Limburger Provinzials der Pallottiner Andreas Stock vom 9. Juni 1957, das den Schönstatt-Integralismus als ein „System irrationaler Erlebnisse und psychologischer Bindungen, besonders personaler Art“ beschreibt.

Zwei Exkurse eröffnen neue Perspektiven

Besondere Akzente setzt der Band mit zwei ausführlichen Exkursen, die sich exemplarisch mit zwei Konfliktfeldern beschäftigen.

Der erste Exkurs widmet sich Schwester M. Anna Pries, der ersten Generaloberin der Marienschwestern. Er zeichnet ihren Lebensweg, ihre Persönlichkeit und ihren Einfluss auf die Apostolische Visitation sowie die folgenden Konflikte nach. Ausgangspunkt ist ihr Schreiben vom 23. April 1956 an Pater Sebastian Tromp SJ, in dem sie darum bittet, vom Heiligen Offizium zur ehrenamtlichen Generalassistentin auf Lebenszeit ernannt zu werden. Zugleich beleuchtet der Exkurs die Vorgeschichte ihres Amtsverzichts, ihre spätere Deutung dieses Vorgangs sowie die unterschiedliche Beurteilung ihrer Person und ihrer Aussagen, die für den weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen von erheblicher Bedeutung wurden.

Der zweite Exkurs befasst sich mit einem Exerzitienkurs, den Vikar Anton Engel im Juli 1955 für die Marienschwestern hielt. Bemerkenswert ist, dass sich schließlich das Heilige Offizium mit einem fünftägigen Exerzitien-Kurs für die Schönstätter Marienschwestern beschäftigte und am 26. April 1956 sogar ein Dekret erließ, das Anton Engel weitere Exerzitien und geistliche Leitung in Schönstatt-Häusern untersagte. Der Exkurs zeigt, wie aus den Protesten einzelner Schwestern gegen Inhalte der Vorträge ein Vorgang wurde, der über Trier bis nach Rom gelangte. Dabei standen nach den Dokumenten nicht häretische Aussagen oder Verstöße gegen kirchliche Anordnungen im Mittelpunkt, sondern die Tatsache, dass Themen aus der kirchlichen Visitation innerhalb der Gemeinschaft überhaupt thematisiert worden waren.

Mit dem dritten Teilband (rechts) umfasst die Studienausgabe 4 zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung alleine 1784 Seiten (Foto: Brehm)

Mit dem dritten Teilband (rechts) umfasst die Studienausgabe 4 der Dokumente zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung alleine 1784 Seiten. Alle bisher erschienenen Studienausgaben zusammengenommen umfassen 4212 Seiten (Foto: Brehm)

Entwicklungen über den Band hinaus

Weitere Hinweise im Teilband 4.3 machen auf längerfristige Entwicklungen aufmerksam. Dazu gehören der Konflikt um Pater Josef Friedrich als Geistlichen Assistenten der Marienschwestern, die anhaltenden Kontakte zwischen Schwester Anna Pries und dem ehemaligen Visitator Pater Sebastian Tromp sowie unterschiedliche Positionen innerhalb des Heiligen Offiziums. Auch Reaktionen auf Stellungnahmen und den umfangreichen Schriftverkehr Pater Kentenichs werden angesprochen.

Für Herausgeber Pater Eduardo Aguirre ISch erschließen die Dokumente des neuen Teilbandes nicht nur einen zentralen Abschnitt der Schönstatt-Geschichte, sondern ordnen ihn zugleich in die Geschichte kirchlicher Erneuerungsbewegungen des 20. Jahrhunderts ein. Die Auseinandersetzungen um Schönstatt stünden exemplarisch für den schwierigen Umgang kirchlicher Behörden mit neuen geistlichen Aufbrüchen. Der dritte Teilband wolle dazu beitragen, diese Entwicklungen in einem größeren Zusammenhang zu verstehen. Aguirre wünscht den Leserinnen und Lesern „auch im Namen des Editionsteams mit Heinrich Brehm und Prof. Dr. Hubertus Brantzen, eine gewinnbringende Lektüre.

Dokumente zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung, Studienausgabe 4, Teilband 3, Buch-Cover (Grafik: Brehm)

Dokumente zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung, Studienausgabe 4, Teilband 3, Buch-Cover (Grafik: Brehm)

Mehr Informationen

Bibliografische Angaben

  • Dokumente zur Geschichte der Schönstatt-Bewegung – „Dekrete und Kontroversen um das Schönstatt-Werk. Dokumente und Hintergründe aus den Jahren der Apostolischen Visitation und der Exilszeit – 1951 bis 1966. Teilband 3 – Januar 1956 bis September 1957“; herausgegeben von Pater Eduardo Aguirre; 600 Seiten; Format A5; ISBN 978-3-946982-41-8; Preis pro Band: 22,00 €
  • Bestellen im Patris-Verlag: bestellen@patris-verlag.de oder in jeder Buchhandlung (Auslieferung ab Ende Juli 2026!)
  • Subskription aller vier Teilbände (weiterhin möglich)
    Der Subskriptionspreis in Höhe von 72,00 € (statt 88,00 € Einzelpreis) wird geteilt: Bei Abnahme des ersten Bandes werden 36,00 € für die ersten beiden Bände (zzgl. einmaliger Versandkostenpauschale i.H.v. 3,00 €) berechnet, bei Auslieferung des dritten Bandes die restlichen 36,00 € für den dritten und vierten Band.
    DOWNLOAD: Formular zur Bestellung des Subskriptionsangebotes (pdf)
  • DOWNLOAD: Inhaltsverzeichnis, Studienausgabe 4, Teilband 3 (PDF)

 


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