Nachrichten
„Lichtzeichen setzen“ – 26 Jahre Herzensarbeit und Hoffnung
Ein Interview mit Ulrike Eichenberg, Gründungsmitglied von „Lichtzeichen e.V. – Hilfe für schwangere Frauen“ (Foto: Lichtzeichen e. V.)
Seit mehr als 25 Jahren begleitet der Verein „Lichtzeichen“ Frauen in schwierigen Lebenssituationen vor, während und nach der Geburt ihres Kindes. Aus einer spontanen Hilfe für eine Schwangere ist angeregt durch die Spiritualität der Schönstatt-Bewegung ein breit gefächertes Angebot entstanden, das materielle Unterstützung, persönliche Begleitung und Hilfe zur Integration verbindet. Mit dem bevorstehenden Rückzug von Ulrike Eichenberg, Gründungsmitglied von „Lichtzeichen e.V. – Hilfe für schwangere Frauen“, aus der Leitung steht der Verein zugleich vor einer wichtigen Weichenstellung: Gesucht wird eine Persönlichkeit, die das spendenfinanzierte Projekt mit Mut, Empathie und Verantwortungsbewusstsein in die Zukunft führt. Im Interview blickt Ulrike Eichenberg auf die Anfänge von Lichtzeichen zurück, spricht über die Haltung, die ihre Arbeit geprägt hat, und erläutert, warum sie gerade jetzt auf Menschen hofft, die bereit sind, Verantwortung für dieses soziale Engagement zu übernehmen. Gertrud Alberding führte mit Ulrike Eichenberg das folgende Gespräch.
Ein Gespräch mit Ulrike Eichenberg, Gründungsmitglied von Lichtzeichen e.V. – Hilfe für schwangere Frauen
Von Gertrud Alberding.
Frau Eichenberg, wenn Sie heute die Tür zum Lichtzeichen-Haus aufschließen – was geht Ihnen durch den Kopf?
Ulrike Eichenberg: Es ist jedes Mal ein besonderer Moment. Sobald ich eintrete, entsteht dieses warme Gefühl, daheim zu sein. Ich empfinde Dankbarkeit für all die Jahre, die mein Leben und das Leben unzähliger Frauen geprägt haben. Was im Jahr 2000 mit der spontanen Hilfe für eine Schwangere begann, die nicht einmal das Nötigste für ihr Kind hatte, ist heute – mit Gottes Hilfe – ein tragfähiges, solidarisches Netzwerk geworden, das vielen Frauen, Kindern und deren Familien ein Daheim geschenkt hat.
Eingangsbereich im Lichtzeichen-Haus in Schoenstatt Vallendar (Foto: Lichtzeichen e. V.)
Was war von Anfang an Ihr Leitmotiv?
Eichenberg: Ich bin immer der Überzeugung gefolgt: Das Wohlergehen der Mutter ist die Basis für das Wohl der Kinder. Wenn eine Mutter Halt findet, profitiert die nächste Generation. Menschen in Ausnahmesituationen brauchen ein offenes Herz. Das macht aus einem Hilfseinsatz einen echten Ankerpunkt.
„Du bist einfach willkommen“ – die Haltung hinter Lichtzeichen
Wie würden Sie die Haltung beschreiben, mit der Lichtzeichen Frauen begegnet?
Eichenberg: In vier Worten: „Du bist einfach willkommen!“ Viele Frauen kommen in tiefer Verzweiflung, unter Druck von Partnern oder Familien. Meine Aufgabe ist es, sie in ihrer individuellen Situation, mit all ihren Emotionen und Ängsten anzunehmen – so wie eine Mutter ihr Kind annimmt. Die Frauen erleben Offenheit und Interesse. Gespräche folgen keinem starren Protokoll. Menschen blühen auf, wenn ihnen echte Wertschätzung begegnet. Ich habe gelernt, mich von Gott führen zu lassen.
Damit neues Leben eine Chance bekommt (Foto: Lichtzeichen e. V.)
Mehr als materielle Hilfe: Begleitung, Gemeinschaft und neue Perspektiven
Was bietet Lichtzeichen den Frauen über diese Wertschätzung hinaus an? Was umfasst Ihre Arbeit heute?
Eichenberg: Unsere Hilfe ist so vielfältig wie das Leben. Wir haben einen Kleiderladen aufgebaut, der Müttern alles bietet, was sie für einen würdevollen Start ins Leben ihres Kindes brauchen. Aber kostenfreie Kleidung allein reicht nicht. Deshalb schaffen wir Räume für Begegnung – im Haus, im Garten, in vertrauter Atmosphäre. Dort tauschen sich schwangere Mädchen und Mütter aus, teilen Erfahrungen und Talente.
Ein wichtiger Baustein ist unser Deutschkurs für Migrantinnen, die wegen ihrer kleinen Kinder nicht an offiziellen Kursen teilnehmen können. Wir bieten parallel zu dem Kurs Kinderbetreuung an – derzeit betreuen wir zehn Babys und Kleinkinder.
Sprache ist der Schlüssel zur eigenen Handlungsfähigkeit. Es geht nicht nur darum, ein Brot zu bestellen, sondern selbstbewusst mit Ärzten zu sprechen, bei der Schule anzurufen oder einen Mietvertrag zu verstehen. Jedes gelernte Wort vergrößert die Welt dieser Frauen.
Unsere Arbeit vereint drei Bereiche: Seelischer Schutzraum durch Beratung, Gemeinschaft, Bindung, Materielle Grundsicherung durch Markttag und Kleiderladen, Befähigung und Integration durch Kompetenzförderung.
Die Notlage einer schwangeren Frau in einer prekären Situation ist komplex. Materielle Hilfe allein schafft Abhängigkeit. Seelische Hilfe allein verpufft, wenn die Existenz nicht gesichert ist. Deshalb braucht es diesen Dreiklang.
Es macht mich zutiefst froh und dankbar, dass Lichtzeichen diese umfassende Hilfe leisten kann. Sie spiegelt die Werte wider, die wir transportieren möchten. Kinder stehen für eine glückliche Zukunft! Die Erfahrung des Miteinanders in einem verlässlichen Team und die Solidarität untereinander geben uns allen Halt und Stärke.
Was macht Sie besonders stolz?
Eichenberg: Dass wir auch nach der Geburt an der Seite der Mütter bleiben. Wir begleiten sie oft über Jahre, machen Hausbesuche, sehen die Kinder aufwachsen. Wenn wir spüren, dass eine Mutter bei Lichtzeichen eine Art Familie gefunden hat, dann weiß ich: Jede Stunde Ehrenamt war es wert.
Der Einsatz der Mitarbeiterinnen von Lichtzeichen - Zeichen ihrer Liebe zu den Kindern und ihren Müttern (Foto: Lichtzeichen e. V.)
Wenn Vertrauen Leben verändert
Gibt es eine Begegnung, die Sie nie vergessen werden?
Eichenberg: In all den Jahren meiner Arbeit bei Lichtzeichen gab es viele prägende Begegnungen. Ich trage zahlreiche Mütter im Herzen und erinnere mich genau an ihre speziellen Situationen. Unvergesslich bleibt mir ein „Wintermärchen“. Eine Mutter mit schweren Depressionen war bereits auf dem Weg zu einem Abtreibungstermin. Wegen des Winterwetters kam sie zu spät. Diese Verzögerung gab ihr die Zeit, sich an uns zu wenden. Wir konnten sie begleiten und ihr versprechen: „Wir schaffen das gemeinsam. Ich lasse dich nicht allein.“
Aus dem Glauben Kraft für den Dienst am Leben schöpfen
Welche Rolle spielt Ihr Glaube in Ihrer Arbeit?
Eichenberg: Mein Glaube und die Verbundenheit zur Schönstatt-Bewegung waren immer mein Anker. Das Wissen, nie tiefer als in Gottes Hand zu fallen, gibt Kraft – gerade dort, wo die Not am größten ist. Unser Name „Lichtzeichen“ weist auf Maria hin. Sie gibt Licht, Orientierung und schenkt Hoffnung.
Die Begleitung der Frauen und ihrer Kinder sieht Lichtzeichen als langfristige Aufgabe (Foto: Lichtzeichen e. V.)
Den Staffelstab weitergeben – Hoffnung für die Zukunft von Lichtzeichen
Nach 26 Jahren geben Sie nun Verantwortung ab. Wen wünschen Sie sich für eine gute Zukunft von Lichtzeichen?
Eichenberg: Ja, nach über einem Vierteljahrhundert ist es Zeit für mich, den Weg für eine neue Generation freizumachen.
Wir suchen eine Person, die sich mit Mut, Empathie und einem weiten Herzen für die Belange von Schwangeren, von Müttern, Kindern und Familien einsetzt. Eine Seele, die zuhören kann, die Ehrenamtliche motiviert, die die Zukunft von Lichtzeichen gestaltet.
Lichtzeichen arbeitet unabhängig von staatlicher Unterstützung, rein spendenbasiert. Das macht uns innerlich frei in unserem Einsatz. Das weckt Kreativität und Leidenschaft. Wer spürt: diese Aufgabe kann mich erfüllen, diese Aufgabe und dieses Haus geben mir selbst Licht auf meinem persönlichen Berufungsweg, ist eingeladen, die Zukunft von Lichtzeichen e.V. mitzugestalten.
Für diese Aufgabe kann auch eine Stelle geschaffen werden – in Teilzeit oder Vollzeit.
Was möchten Sie den Menschen, die dieses Interview lesen, zum Abschluss mitgeben?
Eichenberg: Gerne ein Wort von Papst Johannes Paul II. aus Anlass einer Audienz der Internationalen Schönstattbewegung. Er sagte damals und das gilt bis heute: „In eurer Bewegung wächst die Verantwortung für die Gesellschaft und die Durchdringung der sozialen Verhältnisse aus dem Geist des Christentums. Immer wieder habe ich es unternommen, diese Verantwortung für die Welt in unserer Kirche zu wecken. So möchte ich euch in diesem Einsatz bestärken, der sehr vielfältige Formen annehmen kann. Dazu gehört auch das konkrete Eintreten für das Leben gerade in der Gefährdung und Bedrohung durch eine sich verbreitende Kultur des
Todes, wie sie die Abtreibung auf schreckliche Weise darstellt. Hier sind alle Gläubigen
aufgefordert, »Lichtzeichen« zu setzen, derer die Welt immerzu bedarf.“
Vielen Dank, Frau Eichenberg, für das Gespräch und die Einblicke in die Arbeit von Lichtzeichen.
Mehr Informationen
- Internetseite: www.lichtzeichen.org
- Beitritt zur Lichtzeichen Informationsgruppe in der Schönstatt-App (Voraussetzung: Installation der Schönstatt.App. Siehe: schoenstattapp.de)
- Gruppenticket in der App: THGYZ1
- Zum Lichtzeichen Stellenangebot
- Lichtzeichen e.V. – Hilfe für schwangere Frauen
Höhrer Straße 93/95
56179 Vallendar
Telefon 0172 6548232
info@lichtzeichen.org
