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26. Juni 2026 | Deutschland | 

„Josef kapieren und nicht kopieren“ – Familienpilgerfahrt nach Cambrai


Die Gruppe aus Rottenburg-Stuttgart gemeinsam mit französischen Gästen in Cambrai. (Foto: Würde)

Die Gruppe aus Rottenburg-Stuttgart gemeinsam mit französischen Gästen in Cambrai. (Foto: Würde)

Zu den Pilgerfahrten der besonderen Art gehört für viele Schönstätter eine Nordfrankreich-Reise nach Cambrai, Verdun und Merveille auf den Spuren von Josef Engling. Dieser junge Mann, der zur Anfangsgeneration Schönstatts gehört, hat durch sein herausragend christliches Leben einen wesentlichen Beitrag zum Werden der jungen Schönstatt-Bewegung eingebracht. Er wurde, wie viele andere junge Männer 1914 in den Krieg eingezogen und ist im Alter von 20 Jahren am 5. Oktober 1918 in der Nähe von Cambrai gefallen. In der Nähe der Todesstelle steht heute eine Schönstattkapelle mit Haus. Sechs Familien aus der Schönstatt-Familienbewegung der Diözese Rottenburg/Stuttgart machten in der Pfingstwoche eine Reise an diese Orte. Michael Hilser erzählt von dieser Erfahrung.

Pilgerfahrt nach Cambrai von Schönstattfamilien aus der Diözese Rottenburg/Stuttgart

Michael Hilser. Nach Cambrai? Mit Familien? Wie wird das nur gehen? Meine letzte Cambrai-Fahrt mit der Mannesjugend liegt genau 30 Jahre zurück. Der Josef – weit zurück im Gedächtnis. Für diese aktuelle Fahrt war klar: entweder mit Kindern oder gar nicht mitfahren. Aber wie begeistert man die Kinder für eine Fahrt nach Nordfrankreich? Wir haben es geschafft und freuten uns auf das, was auf uns zukommen würde. Fünf Ehepaare, Schwester M. Vernita Weiß, Pater Thomas Fluhr ISch und wir – fast mit vollständiger Familie – fuhren mit Privat-Pkw vom jeweiligen Startpunkt am Dienstag nach Pfingsten in Richtung Frankreich.

Heute ist Krieg in Europa

Erster Treffpunkt: Verdun. Die Versuche auf der Fahrt, die Geschichte des Ersten Weltkrieges den Kindern beizubringen, scheiterten. Angekommen am Beinhaus: Hier muss man nichts erklären. Die vielen Hunderte von Gräbern und Kreuzen. Das Beinhaus. Der Dokumentationsfilm. Bei der Fahrt vor 30 Jahren war Krieg für die Teilnehmer der Cambrai-Fahrten weit, weit weg. Thema der Vergangenheit. Marienbruder Paul Hannappel brachte uns damals auf seine Art den Unsinn des Krieges näher. Heute ist das anders: Krieg mitten in Europa. Die Menschen haben nichts gelernt. Gut vorbereitet von Diana und Roland Mailänder erfuhren wir auf der Fahrt viel Historisches, Daten und Fakten.

Auf der Weiterfahrt: Fragen von den Kindern zum Krieg, zur Geschichte, zu Josef Engling. Beim Zwischenstopp in Reims haben wir die Kathedrale Notre Dame besichtigt und viel Neues erfahren. Wir haben versucht die Schönheit des Gebäudes zu erfassen. Abends sind wir dann angekommen im Haus der Diözese Cambrai und wurden dort hotelmäßig untergebracht in schöner Lage und für die nächsten Tage gut umsorgt.

Gedenkstätte in Cambrai zu Ehren von Josef Engling. (Foto: Würde)

Gedenkstätte in Cambrai zu Ehren von Josef Engling. (Foto: Würde)

Den Ort wiederentdecken

Josef Engling suchten wir dann am zweiten Tag auf. Ankunft am Heiligtum. Sr. M. Resia Käppeler und Sr. M. Luisa Werner begrüßten uns herzlich und sorgten für uns. Dort erst mal den Ort wiederentdeckt. Zumindest, für diejenigen, die nicht zum ersten Mal in Cambrai waren. Einige erzählten Geschichten von früher. Das Haus St. Hubert ist als Sommerhaus vermietet und abgeriegelt. Dafür steht das Haus der Schwestern für Besucher offen und natürlich das Kapellchen. Wir erfuhren dann bei einem Vortrag von Sr. M. Vernita vieles über Josef Engling. „Josef kapieren und nicht kopieren“. Dieser Satz zog sich durch die gemeinsamen Tage. Zeit für sich oder als Paar schlossen sich an. Nach einem Gottesdienst luden wir die französischen Gäste zum abendlichen Grillen ein und schlossen den erfüllten Tag in der Unterkunft ab.

Gruppenbild mit Bischof Vincent Dollmann (Foto: Würde)

Gruppenbild mit Bischof Vincent Dollmann (Foto: Würde)

Abschied von „Josef“ am Feuerbecken mit dem Verbrennen des Engling-Briefes. (Foto: Würde)

Abschied von „Josef“ am Feuerbecken mit dem Verbrennen des Engling-Briefes. (Foto: Würde)

Am nächsten Tag feierten wir die Heilige Messe auf dem Friedhof in Eswars und gingen dort den „Todesweg“ von Josef Engling. Spätestens jetzt war der Josef wieder präsent. Verabschiedet vom Josef haben wir uns am Feuerbecken mit dem Verbrennen des Engling-Briefes. Nachmittags hieß uns Bischof Dollmann – ein Freund von Josef Engling – an seinem Bischofssitz in Cambrai herzlich willkommen. Da er aus dem Elsass stammt und früher Weihbischof in Straßburg war, konnten wir uns mit ihm auf Deutsch verständigen und die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten der Kirchen von Frankreich und Deutschland erfahren bzw. diskutieren.

Andacht an der Lys

Am nächsten Tag ging es auf in Richtung Calais, wo wir die Tage von Freitag bis Sonntag verbrachten. Zwischenstation war die Vimyhöhe, Ort an dem kanadische Soldaten im ersten Weltkrieg ihr Leben ließen und entscheidend zum Verlauf des Krieges beitrugen.

Am dem Ort an der Lys, an dem Josef sein „Lebensangebot“ an die Gottesmutter (MTA) gegeben hat, hielten wir eine Andacht und stärkten uns mit einem Picknick für die Weiterfahrt in Richtung Ärmelkanal. Dort angekommen feierten wir Heilige Messe an der weißen Nase mit Blick auf das Meer. Erste Berührungen mit dem Meer und ein köstliches Abendessen rundeten den Tag ab.

Gottesdienst im Freien mit Blick auf das Meer. (Foto: Hilser)

Gottesdienst im Freien mit Blick auf das Meer. (Foto: Hilser)

Cambrai mit Familie? Geht gut!

Das Programm am Samstag hieß: „zur freien Verfügung“. Doch als Gruppe schon so zusammengewachsen genossen wir gemeinsam eine ca. 1-stündige Führung im Rathausturm von Calais, feierten abends den Gottesdienst zusammen im Park und rundeten die Tage mit einem weiteren gemeinsamen Essen ab. Selbstverständlich hinterließen wir auch unsere Fußabdrücke im Sandstrand bei Calais und ließen uns von den Wellen im Wasser treiben.

Allerspätestens jetzt war klar: Cambrai mit Familie: das geht sehr gut.

Danke an dieser Stelle an Diana und Roland Mailänder, welche diese Fahrt perfekt vorbereitet haben.

Und der Josef: der ging die letzten 30 Jahre oft unbewusst mit. Hoffentlich auch in Zukunft. Ich freue mich schon auf die nächste Cambraifahrt.


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