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100 Jahre Schönstätter Marienschwestern – Jubiläum auf der Liebfrauenhöhe gefeiert
Über 1000 Gäste nahmen am Pfingstmontag im Schönstattzentrum Liebfrauenhöhe in Rottenburg-Ergenzingen an der Feier des 100-jährigen Bestehens der Gemeinschaft der Schönstätter Marienschwestern teil (Foto: Stanislav Rauer)
Hbre. Mit einem großen Fest der Begegnung haben die Schönstätter Marienschwestern auf der Liebfrauenhöhe in Rottenburg-Ergenzingen ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Mehr als 1.000 Gäste sind am Pfingstmontag 2026 ins Schönstattzentrum Liebfrauenhöhe gekommen, dem Sitz des Provinzialats der Gemeinschaft für Süd- und Mitteldeutschland mit den dazugehörigen Ländern. Im Mittelpunkt standen Dankbarkeit für die Führung Gottes in der Geschichte der Gemeinschaft und der Blick auf ihren Auftrag in Kirche und Gesellschaft.
Ein professioneller Beitrag zum Leben der Kirche und der Gesellschaft
Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes, den er mit vielen Zelebranten feierte, würdige Bischof Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, in seiner Festpredigt das segenreiche Wirken der Marienschwestern im Bistum und weltweit. Die Marienschwestern seien eine Gemeinschaft, "die im Lebensrhythmus ganz auf die Spiritualität von Laien ausgerichtet ist und damit von Anfang an eine große Flexibilität für die verschiedensten Aufgaben und Gestalten gemeinsamen Lebens besaß“, betonte er.
Bischof Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, würdigt in seiner Festpredigt das segenreiche Wirken der Marienschwestern im Bistum und weltweit (Foto: Stanislav Rauer)
Mit Bezugnahme auf das Pfingstfest sagte Bischof Krämer an die Schwestern gewandt: "Sie verkünden die Frohe Botschaft in Wort und Tat. Sie geben das Feuer des Heiligen Geistes weiter, damit der Funke des Glaubens überspringt. Und sie leben in Gemeinschaft – in kleinen und großen Familien leben, beten und arbeiten sie gemeinsam – wie Maria und die Apostel." Genau diese ganzheitliche Gestalt des Lebens als Gemeinschaft sei zeugnishaft. "Denn das, was sie tun ist mehr als ein – auch für sich gesehen beachtlicher – professioneller Beitrag zum Leben unserer Kirche oder unserer Gesellschaft." Der konkrete Dienst, den die Marienschwestern in ganz unterschiedlichen Lebenskontexten tun würden, sei immer auch ein Zeugnis für die Liebe Gottes, die jeden Menschen erreichen wolle. "Und so bauen sie mit an dieser Zivilisation der Liebe, zu der Gott diese Welt durch seinen schöpferischen Geist umgestalten und erneuern will", so der Bischof.
In einer Zeit großer Umbrüche und Veränderungen in der Welt, in der Gesellschaft und in der Kirche, seien nicht nur die Schwestern sondern alle Gläubigen herausgefordert, "das Hoffnungspotential der Frohen Botschaft für die Menschen unserer Zeit mit ihren Fragen und ihrem Suchen neu zu erschließen." Das könne nur im Vertrauen auf den Heiligen Geist gelingen, weshalb es gut sei, sich "an Maria zu orientieren, die mit den Aposteln, den anderen Frauen und den Brüdern Jesu im Gebet vereint war."
Abschließend brachte Bischof Krämer seinen Dank für die Früchte zum Ausdruck, die die Gemeinschaft der Marienschwestern trotz teilweise schwieriger Wegabschnitte und Zeiten in 100 Jahren erbracht hätten und wünschte der Gemeinschaft, dass Gott sie auch in Zukunft durch seinen Geist führen werde. Die Herausforderungen der heutigen Zeit auf diesem Weg anzunehmen, gehöre dabei zur Grundhaltung der Hoffnung, die die Christen in dieser Welt auszeichnen sollte. "Wir sind Zeugen der Hoffnung – gerade in dieser Zeit, in der viele Menschen keine Hoffnung mehr haben – und Maria ist das Licht unserer Hoffnung!", so der Bischof abschließend.
Provinzoberin Schwester M. Ilga Dreier zeigt sich dankbar für Geschichte und Weg ihrer Gemeinschaft (Foto: Stanislav Rauer)
Maria ist das das Licht unserer Hoffnung
Im Rahmen des vielfältigen Festprogrammes, an dem Mitglieder der Schönstattfamilie aus der Diözese, unter ihnen auch eine große Gruppe „Frauen von Schönstatt“, Mitarbeiter des Zentrums, Firmenvertreter, Verwandte der Schwestern, Bekannte und Bewohner der Liebfrauenhöhe teilnahmen, war es Schwester M. Ilga Dreier, Provinzoberin, wichtig einen dankbaren Blick auf die Geschichte der Gemeinschaft zum Ausdruck zu bringen. „Lassen Sie uns miteinander danken für all das, was die Gottesmutter bis heute an diesem Ort und von hier aus in vielen Gemeinden gewirkt und geschenkt hat“, so die Provinzoberin. Mit Blick auf die Zukunft äußerte sie die Überzeugung, „dass die Gottesmutter uns auch weiterhin – besonders in den jetzigen vielfältigen Unsicherheiten – mit ihrer mütterlichen Sorge begleitet, denn sie ist das Licht unserer Hoffnung.“
Das Zentrum Liebfrauenhöhe ist Heimat der süddeutschen Provinz der Marienschwestern
Zum Auftakt des Jubiläumstages stellten Sr. M. Siglinde Hilser und Sr. M. Magdalena Schleinschok Geschichte und Gegenwart der Gemeinschaft vor. Gegründet wurden die Schönstätter Marienschwestern 1926 durch Pater Josef Kentenich in Vallendar. Die Gemeinschaft gilt als erstes deutsches Säkularinstitut. Ihre Mitglieder leben ein gottgeweihtes Leben mitten in der Welt – in unterschiedlichen Berufen, teils in Gemeinschaften, teils einzeln lebend, je nach Aufgabe in Schwesterntracht oder Zivilkleidung. Weltweit gehören dem Institut heute rund 1.500 Mitglieder aus 42 Nationen an, die in 32 Ländern tätig sind.
Weil die Gemeinschaft rasch wuchs, wurde eine Aufteilung in Provinzen notwendig. Seit den frühen 1950er-Jahren ist die Liebfrauenhöhe geistliche Heimat der süddeutschen Provinz. Von Rottenburg-Ergenzingen aus werden heute 184 Schwestern in Süd- und Mitteldeutschland sowie in Österreich, Rumänien, Ungarn und Vietnam begleitet.
Weil nicht alle 1000 Gäste in der Krönungskirche Platz fanden, wurde die Festmesse in die Aula des Bildungshauses übertragen (Foto: Stanislav Rauer)
Die Liebfrauenhöhe als geistliches Zentrum
Sichtbar wurde, wie sich das Schönstattzentrum Liebfrauenhöhe über Jahrzehnte entwickelte: Auf das 1952 fertiggestellte Schönstattheiligtum folgten Schulgebäude, Provinzhaus, Ökonomie und später die weithin sichtbare Krönungskirche, die 1966 eingeweiht wurde. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Gebäude wie Tagungs- und Begegnungshäuser hinzu.
Die Schwestern beschrieben ihren Auftrag vor allem darin, die Würde des Menschen zu schützen und Heimat im Glauben zu schenken. Sichtbar werde dies in Bildungsarbeit, Pädagogik, geistlichen Angeboten, dem Wirken in der Schönstattbewegung und vielfältigen Begegnungsformaten. Heute wirkt die Liebfrauenhöhe als geistliches Zentrum weit über die Region hinaus.
Werte sichtbar machen
In schriftlich vorliegenden Grußworten wurde die Bedeutung der Marienschwestern für Kirche und Gesellschaft hervorgehoben. Klaus Tappeser, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Tübingen, würdigte den Einsatz der Gemeinschaft „in der Seelsorge, im Gesundheitswesen, in der Erziehung und der Unterstützung Bedürftiger“. Dieser hinterlasse „Spuren, die weit über die Grenzen der unmittelbaren Umgebung hinausreichen“. Gerade in einer Zeit voller Unsicherheiten erinnere das Wirken der Schwestern daran, „wie wichtig Beständigkeit, Demut und Mitgefühl sind“. Die Gemeinschaft mache Werte wie „Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung sichtbar“.
Auch der Tübinger Landrat Dr. Hendrik Bednarz betonte in einem schriftlichen Grußwort die Bedeutung der Liebfrauenhöhe als Ort geistlichen Lebens und der Begegnung. „Gerade in unserer heutigen Zeit, die von Schnelllebigkeit, Krisen, Ängsten und dem drohenden Auseinanderdriften unserer Gesellschaft geprägt ist, braucht es Orte, an denen Menschlichkeit gelebt und Glaube lebendig wird“, erklärte er. Die Schwestern seien ein „fester Bestandteil des geistlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens“ im Landkreis Tübingen. Zugleich verwies Bednarz auf die konkrete Hilfe für Menschen mit Fluchterfahrung: „Für diese Unterstützung und das gute Miteinander sind wir sehr dankbar.“
Für Jung und Alt gab es vielfältige Angebote im Festtagsprogramm (Foto: Sr. Susanna-Maria Zeh)
Ein breites Rahmenprogramm
Ein breites Rahmenprogramm prägte den Tag, den die Marienschwestern auf der Liebfrauenhöhe vorbereitet hatten. Angeboten wurden unter anderem ein Familienparcours, ein Glücksrad, ein Flohmarkt, Kreativaktionen sowie Führungen durch die Gebäude und den Kräutergarten. Dazu kamen gemeinsame Marienlieder aus verschiedenen Epochen, Vorträge und Gesprächsmöglichkeiten. Auf Infotafeln wurden die Geschichte der Liebfrauenhöhe und der Schönstatt-Bewegung anschaulich dargestellt. Sie gaben zugleich Einblick in das breite Wirken der Marienschwestern in den vergangenen 100 Jahren.
Marienlob zum Abschluss des Festtages vor der Schönstatt-Kapelle (Foto: Stanislav Rauer)
„Lebensquelle und Ausgangspunkt“
Im Mittelpunkt des Tages stand immer wieder das Schönstattheiligtum. „Es hat so gutgetan, die Stille und die Möglichkeit der eucharistischen Anbetung im Kapellchen“, so eines der vielen dankbaren Echos. Die Schwestern bezeichneten das Heiligtum als „Lebensquelle und Ausgangspunkt all unserer Angebote und Aktivitäten“. Von dort aus wollen sie ihr Christsein im Bündnis mit Maria leben und Kraft für ihren Dienst schöpfen. So war es sehr passend, dass der Festtag mit einem großen Marienlob beim Heiligtum endete. Das Jubiläumsmotto „Maria, Licht unserer Hoffnung!“ wird noch lange nachklingen.
