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„Schaut hin! Packt an! Geht los!“ – Katholikentag endet mit Aufruf zu Mut, Frieden und Ausdauer
Gut 14.000 Menschen nahmen am Schlussgottesdienst der Katholikentages auf dem Residenzplatz in Würzburg teil (Foto: Gebauer, 104KT)
Cbre,Hbre. Mit einem großen Freiluftgottesdienst auf dem Würzburger Residenzplatz ist der 104. Deutsche Katholikentag zu Ende gegangen. Noch einmal versammelten sich Tausende Teilnehmende nach Tagen voller Begegnungen, Diskussionen, Gebete und kultureller Veranstaltungen unter dem Leitwort „Hab Mut! Steh auf!“. Dem Abschlussgottesdienst stand der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, Hildesheim, vor. Musikalisch gestaltet wurde die Feier vom Björn-Becker-Oktett, der Junge Domkantorei Würzburg und einem Gemeindechor.
Bischof Heiner Willmer, Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (Foto: Bongard, 104KT)
„Wir dürfen die Menschen in Afrika nicht vergessen“
In seiner Predigt rief Bischof Wilmer die rund 14.000 Mitfeiernden dazu auf, nicht Zuschauer zu bleiben, sondern Verantwortung zu übernehmen. Mit Blick auf den Krieg im Sudan sprach er von der „größten humanitären Katastrophe der gegenwärtigen Zeit“ mit Millionen Menschen auf der Flucht. „Zahlen, die uns nicht kaltlassen dürfen. Zahlen, die ein Gesicht haben. Ein Kind. Eine Mutter. Ein alter Mann.“ Brandherde in der Welt lösche man nicht durch Zuschauen. „Wir dürfen die Menschen in Afrika nicht vergessen“, sagte der Bischof unter dem Applaus der Mitfeiernden.
Jesu Name schenke Kraft und Hoffnung. „Jesus steht für Miteinander, für Frieden, für Begegnung“, betonte Wilmer. Zugleich würdigte er Leo XIV. als „unerschrockenen Anwalt des Friedens“. „Auch dann, wenn die Mächtigen dieser Welt versuchen, ihn lächerlich zu machen.“ Christsein bedeute deshalb, sich nicht einschüchtern zu lassen und Gottes Friedensliebe sichtbar werden zu lassen. „Wir sind geboren, um zu handeln, Brandherde zu löschen, Frieden zu stiften. Eine Kirche, die dies tut, wird vielleicht müde, vielleicht auch angegriffen und missverstanden, aber sie wird leuchten.“
Musikbühne mit Björn-Becker-Oktett und der Jungen Domkantorei Würzburg (Videoausschnitt: 104KT)
Hoffnung als Auftrag
Hoffnung sei nicht nur Geschenk, sondern auch Aufgabe, sagte Wilmer weiter. Wer hoffe, handle, selbst dann, wenn Erfolg nicht garantiert sei. „Die Welt brennt. Ja. Aber sie ist nicht verloren. Denn Gott schenkt uns die Kraft, Geduld und Ausdauer. Also: Wartet nicht! Zögert nicht! Schaut hin! Packt an! Geht los“, rief er den Menschen zu. Zum Abschluss griff er noch einmal das Katholikentagsmotto aus dem Markus-Evangelium auf: „Hab Mut, steh auf!“
Bei den Fürbitten konnten die Mitfeiernden über einen QR-Code Worte und Namen in ihre Mobiltelefone eingeben. Daraus entstand auf der Leinwand eine große Wortwolke mit Anliegen und Hoffnungen der Teilnehmenden.
Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitee der deutschen Katholiken (Foto: Bongard, 104KT)
Abschluss mit einem kurzen Rückblick auf Tage der Begegnung
Die Präsidentin des Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, dankte am Ende des Gottesdienstes den Gastgeberinnen und Gastgebern in Würzburg. „Unsere Würzburger Gastgeber und Gastgeberinnen haben uns das Bistumsmotto ‚Christ-sein unter den Menschen‘ spürbar erleben lassen.“ Gemeinsam habe man sich gegen Hass und Hetze gestellt und sei eingetreten „für Demokratie, für Frieden und Gerechtigkeit“. Sie rief dazu auf: „Lassen Sie uns genau dies mitnehmen für die Herausforderungen unserer Zeit und gemeinsam daran arbeiten, auf Möglichkeiten der Veränderung zu vertrauen.“
Besonders dankte sie den rund 1.200 freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie Rettungsdiensten, Polizei und Feuerwehr. Auch den evangelischen Geschwistern und Vertreterinnen und Vertretern anderer Religionen sprach sie ihren Dank aus, da sie das Treffen zu einem ökumenisch geprägten Katholikentag gemacht hätten.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (Foto: Bongard, 104KT)
Aufstehen gegen Judenhass
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Berlin, erinnerte daran, dass jüdisches Leben in Deutschland zunehmend bedroht sei und vielfach nur noch unter Schutz möglich bleibe. Verantwortlich sei die Ideologie jener, „die unserer offenen Gesellschaft, unserer Demokratie und unserer Freiheit schaden wollen und nicht nur Jüdinnen und Juden.“ Antisemitischer Hass richte sich letztlich gegen das Fundament des Zusammenlebens: die Nächstenliebe. Deshalb brauche es neben Mut auch Ausdauer. „Stehen Sie auf gegen Judenhass, stehen Sie auf und bleiben Sie standhaft! Nicht nur heute, sondern alle Tage.“

BILD LINKS: Präses Dr. Thorsten Latzel (l), Gastgeber und Torsten Zugehör, Präsident des 40. Deutschen Ev. Kirchentags Düsseldorf 2027 (Foto: Johna, 104KT) BILD RECHTS: Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz (r), Gastgeber des 105. Deutschen Katholikentags Paderborn 2028 und Nadine Mersch, Vorsitzende des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn, ZdK-Mitglied (Foto: Johna, 104KT)
Einladungen
Der nächste Katholikentag findet vom 24. bis 28. Mai 2028 erstmals im Erzbistum Paderborn statt. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Gastgeber des 105. Deutschen Katholikentags lud in die „Stadt an den Quellen“ ein. Auch Präses Dr. Thorsten Latzel, warb als Gastgeber für eine Teilnahme am 40. Deutschen Evangelischen Kirchentag, der Anfang Mai 2027 in Düsseldorf unter dem Motto „Du bist kostbar“ stattfinden wird.
Zum Abschluss spendete Bischof Wilmer den Segen mit den Worten: „Gehen wir hinaus wie Abraham. Unsere Welt und Kirche braucht Aufbrüche zu immer neuem Leben. Stehen wir auf! Haben wir Mut! Bezeugen wir Christus!“
