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16. Mai 2026 | Katholikentag | 

„Christen sollten Zeugen der Waghalsigkeit Gottes sein“ – Gottesdienst der Geistlichen Gemeinschaften auf dem Katholikentag


Weihbischof Dr. Christoph Hegge feierte zusammen mit Pfarrer Matthias Leineweber, Sant'Egidio Deutschland und Pater Hans-Martin Samietz, Schönstatt-Bewegung einen Gottesdienst am Samstagabend in der Kirche Neumünster (Foto: Brehm)

Weihbischof Dr. Christoph Hegge feierte zusammen mit Pfarrer Matthias Leineweber, Sant'Egidio Deutschland und Pater Hans-Martin Samietz, Schönstatt-Bewegung einen Gottesdienst am Samstagabend in der Kirche Neumünster (Foto: Brehm)

CBre. Viele Mitglieder Geistlicher Gemeinschaften und interessierte Katholikentagsbesuchende feierten am Samstagabend gemeinsam Gottesdienst in der Kirche Neumünster neben dem Würzburger Dom. Vorbereitet wurde die Feier von der Arbeitsgruppe Geistliche Gemeinschaften und Kirchliche Bewegungen der Deutschen Bischofskonferenz. Weihbischof Dr. Christoph Hegge, Münster, freute sich, mit den verschiedenen Gemeinschaften feiern zu dürfen, die jeweils ein eigenes Charisma in die Kirche einbrächten: „Miteinander sind wir auf dem Weg, Christus zu bezeugen.“

Pfarrer Matthias Leineweber (Foto: Brehm)

Pfarrer Matthias Leineweber (Foto: Brehm)

Natalie Weiß, Gemeinschaft Chemin Neuf (Foto: Brehm)

Natalie Weiß, Gemeinschaft Chemin Neuf (Foto: Brehm)

Nach der Lesung lud Pfarrer Matthias Leineweber, zweiter Vorsitzender von Sant'Egidio Deutschland, der die Vorbereitung des Gottesdienstes organisiert hatte, drei Mitglieder von verschiedenen Gemeinschaften ein, Zeugnis davon zu geben, wie aus der Spiritualität der jeweiligen Gemeinschaft motiviert ein solches "Bezeugen" konkret aussehen könne.

Das Gebet als Kraftquelle im Alltag

Natalie Weiß aus Berlin, verheiratet und Mitglied der Gemeinschaft Chemin Neuf, berichtete davon, wie ihr das Gebet helfe, ihre beiden Lebenswelten – in der Gemeinschaft Chemin Neuf und ihre Arbeit im Bundestag – zusammenzubringen. Gerade in der Politik stoße sie immer wieder an Grenzen. Der Bundestag sei „kein harmonischer Ort“, sondern geprägt von Konflikten und zunehmender Härte im Umgang miteinander.

Das Gebet sei für sie Kraftquelle und Ruhepol im Alltag. Es helfe ihr bei Entscheidungen und schwierigen Situationen. Gerade dort, wo Barmherzigkeit oft fehle, versuche sie bewusst Schritte der Umkehr zu gehen: „ein leises Deeskalieren, ein persönliches Wort, eine stumme Geste der Entschuldigung“. Oft bekomme sie dazu im Gebet konkrete Impulse. „Ich darf mich führen lassen und rechnen damit, dass Gott mir Kraft gibt“, sagte sie.

Guillaume aus Ruanda, Gemeinschaft Sant’Egidio (Foto: Brehm)

Guillaume aus Ruanda, Gemeinschaft Sant’Egidio (Foto: Brehm)

Frieden wächst am gemeinsamen Tisch

Guillaume aus Ruanda, der seit acht Jahren in Deutschland lebt, erzählte von seiner Begegnung mit der Gemeinschaft Sant’Egidio. Er habe sich gefragt, was er als Dank für seinen Weg und seinen Glauben zurückgeben könne. In der Gemeinschaft habe er drei wichtige Worte kennengelernt: „Gebet – die Armen – Frieden“. Diese drei Begriffe würden besonders an den Sonntagen konkret: Gemeinsam werde gebetet und anschließend mit Armen zu Mittag gegessen. Entscheidend sei dabei nicht nur das Essen, sondern das gegenseitige Zuhören und Anteilgeben am Leben des anderen. Daraus entstünden echte Begegnungen und Freundschaften. „Wir müssen einander einladen an den gemeinsamen Tisch“, sagte Guillaume. Glauben zu leben, bedeute für ihn, den Mut zu haben zuzuhören und Menschen nicht auszuschließen.

Er erinnerte an ein Wort des Gemeinschaftsgründers Andrea Riccardi: „Wir brauchen ein globales Herz, ein Herz, das den Schmerz in Europa, Asien, Amerika und Australien spüren kann.“ Genau dazu lade auch der Katholikentag ein: einander begegnen, Sorgen teilen und die verschiedenen Charismen kennenlernen.

Pater Hans-Martin Samietz, Schönstatt-Bewegung (Foto: Brehm)

Pater Hans-Martin Samietz, Schönstatt-Bewegung (Foto: Brehm)

Menschen hineinnehmen in die Beziehung mit Gott

Pater Hans-Martin Samietz, Schönstatt-Bewegung, erzählte von einer Ostertagung für Familien, die er begleitet hatte. Eine Familie habe den Freund ihres Sohnes mitgebracht, einen 17-jährigen Jugendlichen, der zuhause hinausgeworfen worden war. Der junge Mann habe sich während der Tage sehr wohlgefühlt und sich am Ende ausdrücklich bei den Eltern bedankt für die liebevolle Art, wie sie mit ihren Kindern umgingen.

Samietz fragte sich, warum dies den Jugendlichen so berührt habe. Seine Antwort: Die Kinder durften einfach sie selbst sein – während der langen Gottesdienste spielen, schlafen oder einfach da sein. Sie seien selbstverständlich hineingenommen worden in das gemeinsame Glaubensleben. Gemeinsam den Glauben miteinander bekennen, sei für ihn genau das: „Wir müssen die Menschen mithineinnehmen in unsere innerste Beziehung mit Gott, nicht abwiegeln und uns verschließen.

Predigt: Weihbischof Dr. Christoph Hegge, Münster (Foto: Brehm)

Predigt: Weihbischof Dr. Christoph Hegge, Münster (Foto: Brehm)

„Hab Mut, steh auf! Er ruft dich“

In seiner Predigt griff Weihbischof Christoph Hegge die Geschichte des blinden Bartimäus auf. Der Ruf „Hab Mut, steh auf! Er ruft dich!“ gelte auch heute. Jesus mache Menschen sichtbar, die sonst übersehen würden. Bartimäus traue Jesus das Menschenunmögliche zu: seine Heilung. Christen seien eingeladen, es ihm gleichzutun und Jesus auf seinem Weg zu folgen. Dazu brauche es den Mut loszulassen, Unsicherheiten auszuhalten und Gott zu vertrauen. Christen sollten deshalb „Zeugen der Waghalsigkeit Gottes“ sein.

Der Weihbischof sprach davon, dass viele Christen heute religiös sprachlos geworden seien. Man engagiere sich zwar gerne, rede aber kaum noch über den Glauben. Gleichzeitig erlebe er bei jungen Menschen eine große Offenheit für Glaubensfragen. Bei einem Besuch in einer Berufsschule hätten Schüler ihn gefragt: „Wie beten Sie? Gibt es einen Gott? Was tun Sie, wenn Sie Dunkelheit erfahren? Wie kann ich glauben?“

Geistliche Gemeinschaften versuchten, den Glauben zu leben, so unterschiedlich wie die Apostel, aber aus dem einen Geist. Papst Leo habe gesagt: „Wir müssen miteinander Wege suchen, Brücken zueinander bauen und dabei die Menschen mit offenen Armen aufnehmen!“ Der Katholikentag habe erneut gezeigt, welcher Frieden entstehen könne, wenn Menschen offen aufeinander zugingen und miteinander ins Gespräch kämen. „Gottes Geist ruft uns nicht, damit wir auseinanderdriften, sondern dass wir das Gemeinsame suchen, einander wertschätzen und die Gaben des jeweils anderen entdecken.“ Der Bischof forderte die Gottesdienstbesucher auf: „Bezeugen wir, dass der Herr lebt. Er kommt uns entgegen mit offenen Armen. Schließen wir keinen und niemanden aus. Ich wünsche Ihnen ein frohes, ein brennendes, ein freudiges Ende des Katholikentages. Die Welt soll neu werden.“

Die Kirche war mit knapp 400 Besucherinnen und Besuchern fast voll besetzt (Foto: Brehm)

Die Kirche war mit knapp 400 Besucherinnen und Besuchern fast voll besetzt (Foto: Brehm)


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