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„Fürchtet euch nicht!“ – Familien-Mutmachgottesdienst auf dem Katholikentag
Zu Beginn des von der Schönstattfamilienbewegung Würzburg gestalteten Familiengottesdienstes gab es ein lebensnahes Anspiel (Foto: Brehm)
Cbre. Schon 45 Minuten vor Beginn strömten Eltern, Kinder und Großeltern Richtung der Kirche „Neumünster“ zum Familien-Mutmachgottesdienst des Katholikentages. Die Kirche mit ihren 450 Sitzplätzen war rasch vollständig gefüllt, gut 100 Besucher verfolgten die Feier über die Audioübertragung vor der Kirche. Gestaltet wurde der Gottesdienst von Familien der Schönstatt-Familienbewegung aus Würzburg gemeinsam mit Bischof Dr. Michael Gerber, Fulda, und der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner MdB.
Mit etwa 450 Mitfeiernden war das "Neumünster" voll besetzt (Foto: Brehm)
Mitten im Familienalltag
Mit einem humorvollen Anspiel begann der Gottesdienst mitten aus dem Leben: Eltern wollten mit ihren Kindern zum Gottesdienst aufbrechen, mussten diese jedoch erst zusammensuchen, eines beim Inlineskaten, andere im Clowns- und Löwenkostüm, ein weiteres vertieft ins Smartphone. Schließlich kam die Familie abgehetzt und in letzter Minute an. Die Szene griff Erfahrungen vieler Familien auf: „Manchmal fühlt sich der Alltag wie ein Zirkus an.“
Die lebhafte Musik lässt schnell Atmosphäre entstehen (Foto: Brehm)
Die Texte zu Beginn des Gottesdienstes machten deutlich: Familie müsse nicht perfekt sein. Gerade mitten im Chaos, in Unsicherheit und Überforderung sei Gott gegenwärtig. Sein Ruf hinein in den Alltag laute: „Fürchtet euch nicht!“
„Ich bin gesehen, einer passt auf mich auf“
Die musikalisch lebendig gestaltete Feier griff mit der Lesung aus dem Buch Jesaja – „Fürchtet euch nicht, ich bin bei euch“ und dem Evangelium vom Sturm auf dem See zentrale Erfahrungen von Angst und Vertrauen auf. Im Sinne eines Zeugnisses teilten sowohl der Bischof wie auch die Bundestagspräsidentin ihre Gedanken zu den Schrifttexten mit den Teilnehmenden.
Bischof Michael Gerber und das "mutmachende" Käuzchen (Foto: Brehm)
Bischof Michael Gerber erzählte sehr persönlich von seinem langen Krankenhausaufenthalt im vergangenen Sommer. Eigentlich habe er sich auf Ferien und verschiedene Unternehmungen gefreut. Stattdessen habe er mit einer Chemotherapie allein im Krankenbett gelegen. Eines Abends jedoch habe er Besuch bekommen: Ein kleiner Kauz setzte sich draußen vor sein Fenster auf die Fensterbank. „Ich schaute den Kauz an, der Kauz schaute mich an“, schilderte der Bischof die Begegnung. In diesem Augenblick habe er sich nicht mehr allein gefühlt. Vielmehr habe er erlebt, durch den kleinen Vogel von Gott angeschaut zu werden. Mit diesem Gefühl der Geborgenheit sei er eingeschlafen. Als er am nächsten Morgen erwachte, habe der Kauz noch immer dort gesessen. „Er hat die ganze Nacht auf mich aufgepasst“, so der Bischof. Diese Erfahrung sei für ihn in der Zeit der Krankheit sehr wertvoll gewesen: „Ich bin gesehen, da passt einer auf mich auf, Gott passt auf mich auf.“
Besonders bewegt habe ihn später der Brief eines fünfjährigen Mädchens, das ihm geschrieben habe: „Ich hab dir den Kauz doch geschickt, damit er auf dich aufpasst.“ Die Bibel erzähle von vielen solchen Erfahrungen, sagte der Bischof weiter. Menschen müssten nur aufmerksam durch ihren Alltag gehen, um die liebevollen Zeichen Gottes wahrzunehmen, die von seiner Nähe erzählten. Sein Zeugnis schloss er mit den Worten: „Ich wünsche uns offene Augen und Ohren und dass wir hören, wenn Gott zu uns sagt: Habt Mut! Steht auf!“
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner: „Der Mensch ist nicht wertvoll aufgrund seiner Leistung, sondern weil er ist und weil Gott ihn ansieht." (Foto: Brehm)
Fürchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen
Julia Klöckner griff das Bibelwort „Fürchtet euch nicht“ auf und sprach von der eigentümlichen Spannung der heutigen Zeit: Noch nie seien Menschen durch soziale Medien so sichtbar gewesen wie heute und gleichzeitig würden viele Menschen so wenig gesehen oder oft übersehen. Gerade in diese Situation hinein spreche Gott: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“ Der Mensch sei für Gott keine Funktion, kein Account und kein Profil. Der Name stehe in der Bibel für den ganzen Menschen, für seine Geschichte, seine Verwundbarkeit und seine Würde. Und Gott stelle diesem Zuspruch noch einen weiteren Satz voran: „Fürchte dich nicht.“ Auch wenn Menschen „durch Feuer und Wasser“ gehen müssten, verspreche Gott seine Nähe und Gegenwart.
Gott sage dem Menschen: Du bist nicht namenlos. Du hast ein Recht auf deine eigenen Gefühle und Entscheidungen. Und wer von Gott beim Namen gerufen werde, könne sich auch nicht damit abfinden, wenn anderen Menschen ihre Würde abgesprochen werde. Daraus erwachse der Auftrag, mutig aufzustehen.
Zusammen mit Brot und Wein, brachten die Kinder mit einem Schlüssel, einem Terminkalender, einem gemalten Bild und einer Kerze symbolisch den Familienalltag zum Altar (Foto: Brehm)
„Der Mensch ist nicht wertvoll aufgrund seiner Leistung, sondern weil er ist und weil Gott ihn ansieht. Sein Wert wird eben nicht gemessen an seiner Mode, seinem Geld oder seinem Einfluss. Gott misst anders“, so Julia Klöckner. Daraus leitete sie zahlreiche konkrete Ermutigungen ab: „Deshalb hab Mut, steh auf. Hab Mut, dass du dich selbst nicht klein machst. Hab Mut dir einzugestehen, dass du gerade erschöpft bist. Hab Mut, aufzustehen, wenn andere im Netz verletzt und klein gemacht werden. Hab Mut mit einem Wort, einem Blick zur rechten Zeit. Hab Mut und zeige ein freundliches Nicken und Grüßen.“
Die Welt könne niemand alleine retten, so die Bundestagspräsidentin zum Abschluss. Doch Menschen könnten aufstehen, weil Gott sie beim Namen kenne und rufe. „Deshalb können wir mit dem Bewusstsein nach Hause gehen, kostbar in Gottes Augen zu sein. Gott macht keine Massenware, Gott macht geliebte Kinder!“
Beim Vaterunser waren die Kinder, die kommen wollten, um den Altar eingeladen (Foto: Brehm)
Segen und Zeichen der Ermutigung
Zum Abschluss des Gottesdienstes erhielt jedes Kind einen Luftballon. Auch Julia Klöckner bekam einen Luftballon und einen kleinen Plüschkauz, als Zeichen dafür, dass Gott jeden Menschen sieht und begleitet. Viele Familien nahmen anschließend die Möglichkeit wahr, sich von Bischof Gerber und Pater Felix Geyer persönlich segnen zu lassen. Der freudige und lebensnahe Gottesdienst dürfte vielen Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben.
