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„Und dann geht Maria los“ – Ökumenische Andacht und Pilgerweg auf dem Katholikentag
In der evangelischen Kirche St. Johannis fand der Auftakt zu einem Ökumenischen Pilgerweg durch Würzburg statt (Foto: Brehm)
CBre. Nach dem Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Würzburger Residenzplatz verteilten sich die Besucherinnen und Besucher des Katholikentags über die gesamte Stadt. Viele Veranstaltungen waren so stark nachgefragt, dass einzelne Angebote wegen Überfüllung geschlossen werden mussten. Am Nachmittag versammelten sich zahlreiche Schönstätter und Interessierte in der evangelischen Kirche St. Johannis zu einer ökumenischen Andacht mit anschließendem Pilgerweg.
Die musikalische Gestaltung übernahmen Gertrud Wackerbauer, Sr. M. Felisia Leiprecht und Sr. M. Luca N. (Foto: Brehm)
Pfarrer Peter Göttke und Schwester M. Vernita Weiß moderierten das Gebet (Foto: Brehm)
Sabine Kropf-Brandau, evangelische Pröbstin, Bad Hersfeld (Foto: Brehm)
Begegnung auf dem Weg
Die Andacht stand unter dem Leitmotiv „Meine Seele preist die Größe des Herrn“ (Lk 1,47) und nahm besonders die Begegnung der beiden biblischen Frauen Maria und Elisabeth in den Blick. Bischof Dr. Michael Gerber, Fulda, und die evangelische Pröbstin Sabine Kropf-Brandau, Bad Hersfeld, gestalteten dazu jeweils einen geistlichen Impuls. Moderiert wurde das Gebet von Schwester M. Vernita Weiß, Oberkirch, und Pfarrer Peter Göttke, Aschaffenburg. Musikalisch begleitet wurde die Feier von Gertrud Wackerbauer, Sr. M. Felisia Leiprecht und Sr. M. Luca N. Die ruhige Atmosphäre bot vielen einen Gegenpol zu den zahlreichen Eindrücken des Tages.
Im Mittelpunkt stand die Erfahrung des gemeinsamen Unterwegsseins. Der anschließende Pilgerweg führte durch den wunderschönen Residenzgarten zur Kirche St. Peter und Paul. Ein erster Abschnitt wurde schweigend gegangen. Die Teilnehmenden waren eingeladen, darüber nachzudenken, in welchem Menschen und Ereignis ihnen Gott an diesem Tag möglicherweise begegnet war und für wen sie den Pilgerweg gehen wollten. Auf dem zweiten Teilstück sollten sich jeweils zwei Personen über bereits erlebte Freude und Ermutigung in Begegnungen austauschen.
„Gesegnet bist du“
Sabine Kropf-Brandau, evangelische Pröbstin, Bad Hersfeld, deutete den Weg Marias zu Elisabeth als Weg eines Menschen, der mitten in Unsicherheit und offenen Fragen aufbricht. Maria gehe los, „nicht weil alles klar wäre“, sondern weil sie jemanden brauche, der sie verstehe. Die Begegnung zwischen den beiden Frauen beschrieb die Pröbstin als einen Moment, in dem Leben auf Leben reagiert. Elisabeth sage nicht: „Reiß dich zusammen“, sondern: „Gesegnet bist du.“
Darin liege auch eine Botschaft für die Gegenwart: „Dass wir einander Raum geben und fragen, was uns verbindet, dass wir einander segnen, ohne uns vorher erklären zu müssen.“ Maria solle „nicht als Streitpunkt“ unter den Christen stehen, sondern helfen, dass Gott dort zur Welt komme, „wo wir einander Raum geben“.
Der Pilgerweg führte durch den Garten der Residenz (Foto: Brehm)
Bischof Dr. Michael Gerber, Fulda (Foto: Brehm)
Die abschließende Station des Pilgerweges war in der Kirche St. Peter und Paul (Foto: Brehm)
Begegnung in Grenzerfahrungen
Bischof Gerber knüpfte an eine persönliche Erfahrung an. Vor einem Jahr habe er eine Krebsdiagnose erhalten. Der vorgeschlagene Operationstermin sei ausgerechnet auf den 2. Juli gefallen, den kirchlichen Gedenktag der Begegnung Marias mit Elisabeth. Während seiner Zeit im Krankenhaus habe ihn diese Bibelstelle deshalb intensiv begleitet.
Gerber beschrieb Maria und Elisabeth als zwei Frauen, die einander in ihrer Zerbrechlichkeit begegnen. Elisabeth habe lange unter ihrer Kinderlosigkeit gelitten, Maria sei durch die Erfahrung mit dem Engel verunsichert gewesen. Im gegenseitigen Aussprechen ihrer Not entstehe neues Leben und neue Hoffnung.
Der Bischof zog eine Verbindung zur Emmausgeschichte des Lukasevangeliums: Menschen schütten einander ihr Herz aus und erfahren dabei, dass Christus mitten unter ihnen ist. Gerade in einer Zeit zunehmender Polarisierungen brauche es solche Begegnungen. „Ich glaube“, so Gerber, „gerade jetzt in dieser Zeit, wo Polarisierungen zunehmen und Grenzen erfahrbar werden, sollten wir miteinander Begegnung leben, so dass die anderen auf uns aufmerksam werden. Nicht wegen uns, sondern wegen dem Schatz, den die Welt heute braucht.“
Ausgangspunkt des Pilgerweges war die Kirche St. Johannis, eine beeindruckende evangelische Kirche mit zwei modernen spitz zulaufenden Betontürmen, die zwischen sich die Reste des im zweiten Weltkrieg bombardierten Turmes der ehemaligen Kirche stützen (Foto: Brehm)
