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13. Mai 2026 | Katholikentag | 

Katholikentag 2026 ist eröffnet – Bundespräsident wünscht, dass mehr Ökumene gewagt wird


Eröffnungsveranstaltung des 104. Deutschen Katholikentages auf dem Residenzplatz in Würzburg (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Eröffnungsveranstaltung des 104. Deutschen Katholikentages auf dem Residenzplatz in Würzburg (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

CBre/Hbre. Ein buntes Bild bot sich bei der Eröffnung des 104. Katholikentages in Würzburg auf dem Residenzplatz, als dieser um 18 Uhr eröffnet wurde. Hatte man sich beim Vorprogramm noch gefreut, dass das Wetter stabil schien, sogar mit Sonnenschein, öffnete der Himmel rechtzeitig zum Beginn der Eröffnungsfeier die Schleusen und sorgte dafür, dass das diesjährige Leitwort des Katholikentages gleich zum Einsatz kam: „Hab Mut, steh auf!“ Einige Tausend Menschen aus allen Richtungen Deutschlands hatten sich auf dem Residenzplatz in der Stadtmitte Würzburgs versammelt, viele saßen noch in den zahlreichen Staus rund um Würzburg in ihren Autos.

Irme Stetter-Karp, Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, eröffnete den Katholikentag (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Irme Stetter-Karp, Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, eröffnete den Katholikentag (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Worte, die ermutigen, aktivieren und verändern

Irme Stetter-Karp, die Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, das zusammen mit dem Dekanat Würzburg Ausrichter des fünftägigen Katholikentreffens ist, sagte in ihrer Eröffnungsrede: „Machtgebaren, Egoismus, Lüge und Hass spalten auch unsere Gesellschaft, wir sorgen uns um die Zukunft unseres Sozialstaates. Dem stellen wir unser Leitwort entgegen: Hab Mut! Steh auf! Wenige Worte, die es in sich haben, sie ermutigen, aktivieren, verändern.“

Aufstehen müsse man für die Demokratie, die bedroht sei wie selten zuvor, fuhr sie fort. Unter dem Beifall der Zuhörenden rief sie aus: „In diesen Tagen lassen wir keinen Zweifel daran, dass wir einstehen für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Vielfalt und für ein starkes, vereintes Europa.“ Sie betonte, jedes Leben sei wertvoll und schützenswert, von Beginn an bis zu seinem Ende.

Bischof Franz Jung, Würzburg (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Bischof Franz Jung, Würzburg (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Unsere Hoffnung richtet sich auf Jesus Christus

Der Würzburger Bischof Franz Jung betonte in seinem Eröffnungswort, dass der Katholikentag über Christi Himmelfahrt gefeiert werde. Die Kirche feiere an diesem Tag Christus als ihren Hoffnungsanker. Das sei zugleich eine Absage an alle irdischen Heilsversprechungen unserer Tage. „Unsere Hoffnung richtet sich auf Jesus Christus, den Herrn. Er ruft uns zu: ‚Hab Mut, steh auf!‘“

Statt sich von den vielen negativen Botschaften und Nachrichten der Gegenwart entmutigen zu lassen, sollten Christen dem Leben mit Christus trauen und mithelfen, in seinem Sinn dieses Land und diese Erde zum Guten weiterzuentwickeln. Ihm sei wichtig, so der Bischof, dass der Katholikentag ein geistliches Ereignis werde. Deshalb seien geistliche Elemente auch zentraler Bestandteil des Programms.

Besonders freue er sich über die große Zahl der Gäste aus den Partnerbistümern Würzburgs, aus Tansania, Irland und Brasilien, die das weltweite Netzwerk der Hoffnung erlebbar machten. Der Katholikentag habe auch immer eine starke politische Dimension. „Kirche soll sichtbares Zeichen der Hoffnung in der Gesellschaft sein. Ohne Christinnen und Christen, ohne dieses große Netzwerk der Hoffnung, wäre unsere Gesellschaft sehr viel ärmer!“, so der Bischof.

Martin Heilig, Oberbürgermeister von Würzburg (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Martin Heilig, Oberbürgermeister von Würzburg (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Ein Labor für gelingendes Miteinander

Als „ein Labor für gelingendes Miteinander“ bezeichnete der Würzburger Oberbürgermeister Martin Heilig den Katholikentag. Dieser sei weit mehr als eine organisatorische Meisterleistung. Er sei eine große Auszeichnung für Würzburg, diese weltoffene Stadt am Main, und ein enormes Zeichen der Vitalität. In einer Zeit, in der oft über den Rückzug ins Private und in digitale Blasen geklagt werde, schafften diese fünf Tage einen realen, physischen Raum der Begegnung. „Der größte Wert liegt für mich in der schieren Masse an positiver Energie und dem Willen zur Gestaltung, den so viele Menschen mittragen“, rief er aus.

Er wünsche sich als zentrale Botschaft dieses Katholikentages Zuversicht, so Martin Heilig. Von Würzburg solle das Signal ausgehen, „dass wir als Gesellschaft handlungsfähig sind, wenn wir den Dialog nicht abreißen lassen.“ Denn gebraucht werde dieser Geist des Brückenbauens zwischen Konfessionen, zwischen Jung und Alt, aber auch zwischen unterschiedlichen Ansichten. Der Katholikentag zeige, dass gelebte Werte das Fundament einer resilienten Demokratie seien.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier  (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier  (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

„Mehr Ökumene wagen“

Es sei kein Geheimnis, dass er evangelisch sei, betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Beginn seines Grußwortes. Er sei jedoch „mehr denn je der Überzeugung, dass wir Christen nicht nur zusammen gehören, sondern dass wir das auch häufiger erlebbar machen müssen.“ Katholikentage und Kirchentage seien inzwischen „Begegnungsorte, ja Zeugnisse dieser tiefen Gemeinsamkeit aller Christen“. Das sei eine der erfreulichsten Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte.

Musikalisch wurde die Veranstaltung vom Jugendblasorchester Kirnach mitgestaltet (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Musikalisch wurde die Veranstaltung vom Jugendblasorchester Kirnach mitgestaltet (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Sternallee and friends, Münsterschwarzach und Würzburg, performen das Katholikentagslied  (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Sternallee and friends, Münsterschwarzach und Würzburg, performen das Katholikentagslied  (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Wenn er sich bei seiner letzten Rede als Bundespräsident auf dem Katholikentag etwas wünschen dürfte, wäre es: „mehr Ökumene wagen!“ Dieser Katholikentag mit seinem Motto „Hab Mut! Steh auf!“ komme zur rechten Zeit. Derzeit begegne man vielen Menschen, die müde geworden und erschöpft seien. Die immer kürzer werdende Folge schlechter Nachrichten hätten sie passiv werden lassen und überzeugt, es gehe nichts mehr. „Ich halte dagegen, liebe Schwestern und Brüder!“, so der Bundespräsident, „wir müssen aufhören, uns selbst in die Ohnmacht und das Land in den Abgrund zu reden.“

„Eine Welt ohne Hoffnung und ohne Zuversicht, das ist nicht unsere Welt, das ist nicht die Welt von Christen.“ Das Motto des Katholikentages ermuntere und ermutige, nehme niemandem den Weg ab, wolle aber Anstoß geben, trotz aller Müdigkeit neue Schritte zu wagen.

Mut mache, so der Bundespräsident, auch der neue Papst. Die Welt könne dankbar sein für diesen „unerschrockenen Verkünder und Botschafter für Gerechtigkeit und Frieden.“ Steinmeier unterstrich nachdrücklich: „Und wenn Papst Leo in einer Zeit von Krisen und Kriegen größere Anstrengungen für den Frieden fordert, dann verdient ein solcher Aufruf Unterstützung, nicht Kritik, auch nicht von den Mächtigsten dieser Welt.“

Abschließend resümierte der Bundespräsident, dass es mache Mut, einer weltweiten Gemeinschaft anzugehören, die echte Freude lebe, eine Freude die aus Mut und Hoffnung komme. Er schloss mit den Worten: „Ich wünsche viele gute Begegnungen, einen nachdenklichen, einen fröhlichen, einen ermutigenden Katholikentag und einen gnädigen Wettergott.“

Tausende Menschen nehmen an der Eröffnungsfeier teil und lassen sich nicht vom regnerischen Wetter beeindrucken (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Tausende Menschen nehmen an der Eröffnungsfeier teil und lassen sich nicht vom regnerischen Wetter beeindrucken (Foto: Domradio.de, Videoausschnitt)

Abend der Begegnung

Die Eröffnungsveranstaltung schloss mit dem Katholikentagsgebet, das die Jugendseelsorgerin Laura Kunz verfasst hatte und auch selbst vortrug. Die Menschen unter ihren Schirmen, die dem schlechten Wetter trotzten und sich ihre Vorfreude auf die kommenden Tage nicht nehmen ließen, waren anschließend eingeladen, sich an unterschiedlichen Orten in der Stadt kulinarisch und kulturell von Menschen aus den neun Dekanaten des Bistums sowie vom Evangelisch-Lutherischen Dekanat Würzburg verwöhnen zu lassen.


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