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30. April 2026 | Worte des Bewegungsleiters | 

„Dem Wind trauen – im Sturm glauben“ Pfingsten: Einmütig in Bewegung


Jahresmotto 2026 der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Gestaltung: Brehm)

Jahresmotto 2026 der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Gestaltung: Brehm)

Liebe Freunde und Mitglieder unserer Schönstatt-Bewegung,

im Maimonat wächst in uns eine klare Erwartung: Wir gehen auf Pfingsten zu, und auch der Bündnistag steht in dieser Bewegung. Erwartungen prägen unseren Alltag. Sie können antreiben, aber auch Druck erzeugen: Es soll etwas geschehen, es muss etwas vorangehen. Auch die Jünger kannten diese Spannung des Wartens.

Und doch beschreibt die Apostelgeschichte ihr Warten mit einem entscheidenden Wort: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet“ (Apg 1,14). Pfingstliche Erwartung hat eine andere Gestalt. Sie ist keine Forderung, sondern gemeinsame Sammlung, keine Anspannung, sondern innere Ausrichtung und Offenheit.

Das griechische Wort dafür – homothymadón (homothymadón) – meint: aus einem Herzen leben, aus einer inneren Bewegung handeln, sich vom selben Geist führen lassen. So wird Erwartung tragfähig: wo Menschen innerlich zusammenfinden und sich gemeinsam auf Gott hin öffnen. Dort entsteht der Raum, in dem der Geist kommen kann.

Die Gaben des Geistes: Haltungen der Unsicherheitskompetenz

Aus dieser einmütigen Erwartung wächst etwas Neues. Der Heilige Geist kommt und verwandelt – nicht zuerst die äußeren Umstände, sondern den Menschen selbst. Er schenkt Haltungen, die tragen und bewegen, gerade in einer unsicheren Welt.

So entsteht eine gemeinsame Bewegung. Wo Menschen sich innerlich ausrichten, sich verbinden und sich öffnen, wirkt der Geist. Pfingsten wird erfahrbar als gemein­schaftliches Geschehen. Der Geist formt ein Wir – eine Lebensbewegung, die über das Einzelne hinausführt.

Diese Bewegung hat eine innere Gestalt. Die Tradition spricht von den sieben Gaben des Geistes. Sie sind keine einzelnen Fähigkeiten, sondern Haltungen, die uns prä­gen und im Alltag wirksam werden lassen, die ich als Alltagshaltungen formulieren will:

eine Weite des Blicks (Weisheit),
eine Tiefe des Verstehens (Einsicht),
eine Klarheit für den nächsten Schritt (Rat),
eine Standfestigkeit im Gegenwind (Stärke),
ein Gespür für Gottes Wirken im Leben (Erkenntnis),
eine lebendige Beziehung zu Gott (Frömmigkeit),
eine Ehrfurcht vor seinem Geheimnis (Gottesfurcht).

So wächst eine innere Form, die trägt und bewegt zugleich. Aus dieser Form heraus gehen wir in die Welt – auch in ihre Unsicherheiten –, nicht getrieben, sondern geführt, nicht verengt, sondern geweitet.

Die Gaben des Geistes werden so zu Haltungen der Unsicherheitskompetenz: Sie befähigen, den Alltag zu gestalten, Entscheidungen zu treffen, Wege zu gehen und miteinander in Bewegung zu bleiben.

Wortmarke: Grundvollzüge Liebesbündnis (Gestaltung: Brehm)

Das Liebesbündnis als Anker im Wind

Diese Bewegung des Geistes ist keine bloße Theorie; sie sucht den konkreten Vollzug. Im Liebesbündnis ist uns ein Weg geschenkt, auf dem dieser pfingstliche Geist im All­tag Fleisch und Blut annimmt.

Bündnis erneuern heißt: sich neu ausrichten. Nicht als statisches Verharren, sondern als dynamisches Ja zu Gott – gerade dann, wenn die Umstände unsicher sind. Das „Nichts ohne dich – nichts ohne uns“ ist dabei unser Koordinatensystem im Sturm. Es befreit uns von der Last, alles allein tragen zu müssen, und nimmt uns gleichzeitig in die Pflicht, unseren Beitrag mutig einzubringen. Die Gründungsurkunde fordert uns heraus: „Beweist mir, dass ihr mich wirklich liebt.“ Das ist kein Appell zur Perfektion, sondern die Einladung, Ernst zu machen mit dem Vertrauen. So wird der Weg konkret – in kleinen, entscheidenden Schritten, die den Alltag verwandeln:

  • Innere Sammlung: Wo halte ich heute kurz inne, um mich innerlich auszurichten, statt mich von der Hektik treiben zu lassen?
  • Wachstumsbereitschaft: Wo erlaube ich dem Geist, mich neu zu formen, auch wenn mich Veränderung erst einmal verunsichert?
  • Wachsamkeit: Wo entdecke ich heute Gottes Spuren in meinem Leben und wage es, sie zu deuten?
  • Beitrag: Welcher kleine Beitrag steht heute für mich an?
  • Wertschätzung: Wo fördere ich das Charisma meines Nächsten, statt in Konkur­renz zu treten?

Wenn wir so handeln, wird Einmütigkeit erfahrbar. Jeder dieser Schritte ist eine „Mai­enblüte“ – ein konkreter Beitrag aus dem Liebesbündnis. Wir gehen nicht allein. Wir gehen einmütig, vom selben Wind geführt.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Bündnistag.

Ihr

P. Felix Geyer
Schönstatt-Bewegung Deutschland


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