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22. April 2026 | Deutschland | 

„misiones – Glauben leben“ in Zülpich – In der Karwoche kommt der Glaube neu ins Gespräch


Unter dem Motto: "misiones - Glauben leben" haben Mitglieder der Schönstatt-Bewegung durch Hausbesuche und zusammen mit Menschen aus den Gemeinden im Seelsorgebereich Zylpich gestalteten Gebetsveranstaltungen, die Osterbotschaft zu den Menschen getragen (Foto: Dold)

Unter dem Motto: "misiones - Glauben leben" haben Mitglieder der Schönstatt-Bewegung durch Hausbesuche und zusammen mit Menschen aus den Gemeinden im Seelsorgebereich Zylpich gestalteten Gebetsveranstaltungen, die Osterbotschaft zu den Menschen getragen (Foto: Dold)

Schwester M. Anrika Dold. Eine Gruppe junger Erwachsener, Familien und weiterer Engagierter ist am 28. März 2026, dem Tag vor Palmsonntag, vom Urheiligtum in Schönstatt, Vallendar, nach Zülpich bei Köln ausgesandt worden. Unter dem Motto „misiones – Glauben leben“ gestalten sie dort die Karwoche aktiv mit und suchen bewusst die Begegnung mit Menschen – in Gottesdiensten, im Gebet und im Alltag vor Ort.

Sendung mit Auftrag und Vertrauen

Der Auftakt im Urheiligtum steht ganz im Zeichen der Sendung. Vor dem Altar liegen für alle Teilnehmenden misiones-Kreuze – als Zeichen dafür, „nicht in eigener Sache unterwegs zu sein, sondern mit Christus und für Christus“. In einer schlichten Feier wird der Auftrag mit dem Wort Jesu bekräftigt: „Geht, ich sende Euch …“ (Lk 10,3). Bilder der Gottesmutter in Form des in Schönstatt gebräuchlichen „Pilgerheiligtums“ machen deutlich, dass sich die Gruppe aus Schönstatt in Begleitung durch Maria, die Mutter Jesu, auf den Weg zu diesem apostolischen Projekt machen möchte. Prägend ist für die dabei ein Wort von Josef Kentenich: „Versuchen wir es doch einmal mit der Gottesmutter. Sie ist ja der große Missionar. […] Das Unmögliche wird möglich.“ Unerwartet erhält die Gruppe am Ende der Sendungsfeier den Segen von Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, der zu einem Besuch ins Urheiligtum kommt.

Für die Zeit der "Mission" haben die misioneros einen Gebetsraum gestaltet (Foto: Dold)

Für die Zeit der "Mission" haben die misioneros einen Gebetsraum gestaltet (Foto: Dold)

Zwischen Skepsis und Sehnsucht

Mit dem Gottesdienst am Palmsonntag in Füssenich beginnt die misiones-Woche vor Ort. Der für die Gemeinde zuständige Priester Domkapitular Guido Zimmermann betont im Gottesdienst: „Die Osterbotschaft […] ist die wichtigste Botschaft der Welt. Ich bin sehr dankbar, dass wir diese Woche eine Gruppe zu Gast haben, die uns hilft und uns unterstützt, diese Botschaft hinauszutragen zu den Menschen“. Dieser Auftrag, die Botschaft weiterzugeben, prägt die folgenden Tage.

In den Begegnungen zeigt sich ein vielschichtiges Bild: Aussagen wie „Ich bin ein tiefgläubiger Atheist!“ oder „Ich bin gottlos glücklich“ stehen einer häufig spürbaren Sehnsucht nach Nähe und Sinn gegenüber. Es wird schnell spürbar, wie viel Einsamkeit und Verlorenheit sich hinter so manchen Haustüren verbirgt. Dass da jemand ist, der sich ihnen zuwendet, der Interesse zeigt und ihnen zuhört, das bringen einige dankbar zum Ausdruck. Gerade an den Haustüren und auf der Straße entstehen Gespräche, die berühren und in die Tiefe führen.

Von Tür zu Tür wird die Osterbotschaft weiter vermittelt - hierbei entstehen die verschiedensten Gespräche (Foto: Dold)

Von Tür zu Tür wird die Osterbotschaft weiter vermittelt - hierbei entstehen die verschiedensten Gespräche (Foto: Dold)

Begegnungen, die nachwirken

Eine dieser Begegnungen bleibt für die misiones-Gruppe besonders eindrücklich: Ein Mann berichtet von seinem Weg durch die Alkoholabhängigkeit. Ein Weg, der ihn schließlich selbst zum Suchtberater hat werden lassen. Er spricht von seinem Glauben, der ihm „in all seinen Höhen und Tiefen des Lebens immer viel Halt gegeben“ habe. Auch seine Ehe beschreibt er als getragen von diesem Glauben: „Wenn jemand in solch einem Moment einfach da ist und zu dir steht, dann kann einen doch nichts mehr auseinanderbringen.

Eine zwölfjährige Teilnehmerin bringt die Wirkung solcher Gespräche auf den Punkt: „Ach, das ist doch toll, wenn Leute von ihren Erlebnissen mit dem Glauben erzählen, da wird doch in ihnen selbst alles wieder wach.“ Tatsächlich begegnet der Mann der Gruppe später erneut und berichtet, wie sehr ihn das Gespräch bewegt habe.

Glaube im gemeinsamen Vollzug

Neben den persönlichen Begegnungen gibt es für die misiones-Gruppe auch manches mitzugestalten in der Gemeinde: So findet morgens immer eine Frühschicht mit anschließendem Frühstück statt, bei der ein Ehepaar aus der Gruppe einen Impuls gibt. Vorgesehen ist dieser Impuls für die ersten drei Tage – doch schon nach dem zweiten Tag bittet Pfr. Zimmermann das Ehepaar, die Morgen-Impulse doch auch an Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag bei der Laudes fortzusetzen. Es sind einfach sehr geistliche und prägnante Gedanken, die jeden Morgen mit in den Tag gehen. Das tägliche Abendlob und die Wachestunde am Gründonnerstag, gemeinsam mit der Pfarrei und gestaltet von der misiones-Gruppe, findet in der wunderschönen Krypta von St. Peter in Zülpich statt. Ein besonderer Moment ist jeweils, als beim Abendlob und bei der Wachestunde eingeladen wird, die Jesus-Litanei mit eigenen Anrufungen fortzusetzen. Über 25 persönliche Anrufungen vervollständigen sozusagen die Jesus-Litanei. Die ausdrucksstarke Krypta, die die misiones-Gruppe auch für ihre gemeinsamen Gebetszeiten hergerichtet und gestaltet hat, ist in diesen Tagen wirklich ein sehr besonderer Gebetsraum. Auch der Kreuzweg zu den „Sieben letzten Worten Jesu“ am Karfreitag führt zu unerwarteter Beteiligung: Mit den Worten: „Wir möchten uns euch gerne anschließen“ macht ein Ehepaar beim Angebot der Gruppe spontan mit.

Beim Frühstück wird der Impuls aus der Frühschicht nachbesprochen (Foto: Dold)

Beim Frühstück wird der Impuls aus der Frühschicht nachbesprochen (Foto: Dold)

Zeichen des Segens

Jede Begegnung verstehen die Teilnehmenden der missiones-Gruppe bewusst als Geschenk. Sichtbares Zeichen dafür ist ein Krug, in den symbolisch Wasser für jede Begegnung geschöpft wird. In der Osternacht wird dieses Wasser ins Taufbecken gegeben und als Osterwasser geweiht, ein eindrücklicher Ausdruck dafür, dass die Erfahrungen der Woche in das Leben der Ortskirche zurückfließen. Kreisdechant Zimmermann fasst die Wirkung der Woche so zusammen: „Ihr wart wie ein Stachel im Fleisch unserer Gemeinde – denn das, was Ihr gemacht habt, das ist der Auftrag für uns alle! Tun wir es also ebenso, gehen wir hinaus und erzählen wir den Menschen von dieser Osterbotschaft, die die wichtigste für uns alle ist: Jesus ist auferstanden!

Erfahrungen, die tragen

Auch für die misiones-Gruppe selbst wird die Woche zu einer intensiven Glaubenserfahrung. Eine Mutter beschreibt: „Bei den misiones in Zülpich habe ich meine Kinder von einer neuen, tiefen und glaubensstarken Seite gesehen und neu entdeckt. Ich habe eine frohe Gemeinschaft um Christus erlebt!

Die Rückmeldungen aus der Gruppe zeigen ein breites Spektrum: „eine tolle Gemeinschaft“, „eine intensive Gotteserfahrung“, „ein Abenteuer zwischen Ablehnung und Offenheit“. Besonders prägend bleibt das gemeinsame Unterwegssein: „Alle Sorgen fielen von einem ab und man fühlte sich wie die Jünger, die nicht für sich, sondern für Gott unterwegs waren.“

Am Ende steht die gemeinsame Überzeugung: „Es ist etwas Großes, in diesem besonderen Auftrag gemeinsam unterwegs sein zu dürfen.“ Die Karwoche in Zülpich wird so für viele zu einer Erfahrung, die nachwirkt – und die Herzen „tief erfüllt“ zurücklässt.


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