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Susi Mitter: Im Sturm des Lebens… - Kommentar der Woche
(Foto: Péter Kövesi auf pexels.com)
Kommentar der Woche:
Im Sturm des Lebens...
Susi Mitter (Foto: privat)
Susi Mitter
Im Sturm des Lebens...
09.04.2026
In unserem engeren Freundes- und Bekanntenkreis gibt es gerade eine überproportional große Anzahl an schweren Erkrankungen bei relativ jungen Menschen, die mitten im Leben standen und die – inklusive dem nahem Umfeld – von einem auf den anderen Tag aus ihrem Alltag gerissen wurden. Bei mir löst das einerseits die Frage aus: „Was sagst du MIR damit, lieber Gott?“, andererseits spüre ich neben der eigenen Sprachlosigkeit auch gewisse Zweifel am Liebesplan, den der liebe Gott ja für uns hat.
Am kommenden Sonntag hören wir das Evangelium vom Heiligen Thomas, für den ich schon lange große Sympathien habe. Er wird oft als ungläubig beschrieben, für mich ist er viel mehr ein Suchender, der Sehnsucht danach hat, im Sturm des Lebens zu glauben. Wir wissen nicht, welche Erfahrung ihn zweifeln ließ, jedenfalls war er offen dafür, was von Jesus auf ihn zukam. Jesus hielt ihm keine großen Predigten oder erklärte ihm, warum er was glauben sollte – er lud ihn ein, Seine Wunden zu berühren – und damit auch seine eigenen Verletzungen. Das veränderte etwas in Thomas, in Schönstatt würden wir sagen, ein Wandlungswunder passierte und er konnte sagen: „Mein Herr und mein Gott!“
Als österreichische Schönstattbewegung haben wir seit gut einer Woche ein neues Jahresmotto: „Im Sturm des Lebens rufst du mich beim Namen.“ Sich als persönlich beim Namen gerufen zu erleben, besonders in den Stürmen des Lebens, verändert den Blick auf das Geschehen und es verändert die Antwort, die wir geben können. Thomas hat sich in der Erfahrung des Berührens der Wunden ganz angenommen, gesehen und gerufen gefühlt. Das hat ihn bereit gemacht, mitzugehen und zu glauben – die Stürme des Lebens waren damit nicht weg – aber die eigene Haltung war eine andere.
Gott spricht manchmal direkt zu uns, aber viel öfter durch andere Menschen. Wo Menschen, die einem nahe sind, vom Sturm des Lebens gebeutelt werden, dürfen wir aktiv versuchen, die Sprachlosigkeit zu durchbrechen, ein Gespräch oder einen Besuch anzubieten, auch wenn es oft wenige Worte gibt. Die Erfahrung im Leid gesehen zu werden und spürbar mitgetragen zu werden, können wir auch einander schenken und so etwas von Gottes Liebe sichtbar machen.
Susi Mitter
