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„Welche Sehnsucht führt uns in die Zukunft?“ – Generationen im Gespräch auf der Schönstattkonferenz
Mit Gesprächen in Generationengruppen, hier die Generation X, startete das Konferenzthema "Die Zukunft Schönstatts?!" (Foto: Brehm)
CBre/HBre. Die Frage nach dem Zukunftsweg der Schönstatt-Bewegung stand am zweiten Vormittag der Schönstattkonferenz auf dem Programm. Unter dem Leitmotiv „Welche Sehnsucht führt uns in die Zukunft?“ arbeiteten die Teilnehmenden zunächst generationenweise miteinander, bevor am Nachmittag die unterschiedlichen Perspektiven miteinander ins Gespräch gebracht wurden.
Ausgangspunkt war ein Wunsch, der bereits auf der Konferenz des vergangenen Jahres deutlich formuliert worden war. Wie Pater Felix Geyer erläuterte, habe es damals ein „überwältigendes Bedürfnis“ gegeben, den Austausch zwischen den Generationen zu vertiefen. Diesem Anliegen wolle die diesjährige Konferenz bewusst Raum geben. In vier Gruppen – Boomer, Generation X, Generation Y und Generation Z – wurden Erfahrungen, Sehnsüchte und Aufgaben für die Zukunft gesammelt.
Boomer: Verantwortung übergeben und begleiten
Die Boomer sahen ihre Aufgabe vor allem darin, Verantwortung bewusst weiterzugeben und jüngere Generationen zu begleiten, ohne sich aus der Verantwortung zurückzuziehen. Betont wurde die Rolle als geistliche Väter und Mütter, die mit Erfahrung, Gebet und Ermutigung den Weg der Jüngeren unterstützen.
Generation X: Brücke zwischen den Generationen
Die Generation X versteht sich vielfach als Brücke zwischen den Generationen. Sie sieht sich weiterhin stark in der Verantwortung für Strukturen, Häuser und Projekte der Bewegung und möchte zugleich das geistliche Erbe Schönstatts weitergeben und Räume für Austausch und Zusammenarbeit öffnen.
Generation Y: Gestalten und neue Wege suchen
Die Generation Y brachte vor allem den Wunsch nach Gestaltung und Aufbruch ein. Sie ist bereit, Verantwortung zu übernehmen, möchte Schönstatt jedoch stärker auf aktuelle gesellschaftliche Fragen hin ausrichten und Freiräume erhalten, um neue Formen und Wege auszuprobieren.
Generation Z: Authentisch leben und Gemeinschaft gestalten
Die Generation Z schließlich betonte die Bedeutung von Authentizität und gegenseitiger Wertschätzung. In einer zunehmend säkularen Umgebung sehen viele die Chance, Glauben vor allem durch gelebtes Leben und kleinere, lebendige Gemeinschaften erfahrbar zu machen.
Die Ergebnisse dieser Gespräche bildeten die Grundlage für den Austausch am Nachmittag.
Der "Zentralrat" im Gespräch - eine Beratungsrunde für den Leiter der Bewegung (Foto: Brehm)
Nachmittag: Generationenperspektiven im Gespräch
Der Nachmittag war zunächst den Generationenperspektiven gewidmet mit der Frage: Wer und was führt uns in die Zukunft? Vier „Beobachter“, die am Vormittag die Gespräche in den Generationengruppen mitprotokolliert hatten, saßen gemeinsam mit Bewegungsleiter Pater Felix Geyer in einer fiktiven Beratungssitzung. Der Leiter der Schönstattbewegung Deutschland machte deutlich, dass es an diesem Nachmittag nicht um konkrete Entscheidungen gehe. Es gehe vielmehr darum zu verstehen, wie unterschiedliche Generationen an Fragen herangehen, was ihnen wichtig ist und welche Perspektiven sie einbringen.
Verantwortung bewusst übergeben
Deutlich wurde, dass sich die Generation Boomer (Jahrgänge 1946 bis 1964) keineswegs als „altes Eisen“ verstehen. Viele hätten im Laufe ihres Lebens große Verantwortung getragen und stünden nun vor der Frage, wie Verantwortung verantwortungsvoll weitergegeben werden könne. Zugleich gehe es darum zu klären, welche Aufgaben noch zu Ende gebracht werden müssten, bevor Bereiche übergeben werden können.
Stabilität und Verantwortung für Strukturen
Die zahlenmäßig zweitgrößte Gruppe, die Generation X (1965 bis 1980), sieht sich weiterhin stark in der Verantwortung – nicht zuletzt gemeinsam mit den Boomern für die zahlreichen Schönstatt-Häuser. Sie beschreibt sich selbst als stabile Generation mit viel Wissen über Schönstatt und den Gründer, welches sie gerne weitergeben würde, auch wenn manchmal der Eindruck entstehe, dass dieses Wissen kaum nachgefragt werde.
Verantwortung übernehmen und auf Weltfragen schauen
Auch die Generation Y (1981 bis 1996), hoch motiviert und stark mit Schönstatt identifiziert, drückt sich nicht vor der Übernahme von Verantwortung. Ihr Blick richtet sich jedoch besonders auf die großen gesellschaftlichen und weltpolitischen Fragen, auf die Schönstatt Antworten geben müsse.
Chancen im Rückgang sehen
Die Teilnehmenden aus der Generation Z (1997 bis 2010) können den vielerorts spürbaren Rückgang auch als Chance sehen: Aus kleineren Kreisen könne neues Leben wachsen. Wichtig sei ihnen ein Miteinander der Generationen, gegenseitige Wertschätzung und die Bereitschaft, manches zu aktualisieren, ohne das zu gering zu achten, was frühere Generationen aufgebaut haben.
Fragen der Zukunft werden zum Teil kontrovers diskutiert (Foto: Brehm)
Kontroverse Fragen der Zukunft
In einer zweiten Runde wurde auf drei weitere Fragen im Blick auf die unterschiedlichen Generationen geschaut, wobei jeweils verschiedene Akzente sichtbar wurden.
Zukunft der Häuser der Bewegung
Beim Thema Häuser der Bewegung (Schönstattzentren) reichte das Spektrum von der Überzeugung, sie unbedingt erhalten zu müssen, bis hin zur Einschätzung: „Verwaltung ist Zeitverschwendung“ oder auch der Forderung, den Mut zum Loslassen zu haben.
Wie der Geist Schönstatts weitergetragen wird
Auch bei der Frage, wie der Geist Schönstatts weitergetragen werden kann, zeigte sich eine große Bandbreite. Einige sehen in den Grundvollzügen bereits Antworten auf heutige Zeitfragen, auch für Menschen ohne religiöse Bindung. Andere betonen die Bedeutung gelebter Erfahrungen im Alltag. Wieder andere wünschen sich weniger Grundlagenreflexion und mehr praktische Umsetzung.
Vorgeschlagen wurde beispielsweise auch eine Datenbank des Kentenich-Schrifttums, um schneller auf Inhalte zugreifen zu können. Einig waren sich jedoch viele: Entscheidend bleibt das Zusammenwachsen und miteinander Gehen der Generationen.
NAch 20 Minuten Zuhören waren alle Teilnehmenden eingeladen, sich in das Gespräch einzubringen (Foto: Brem)
Lebhafte Diskussion im Plenum
Nachdem die Diskussion in der „Zentralratsgruppe“ auf alle Teilnehmenden ausgeweitet wurde, ging es im Plenum lebhaft weiter. Viele Teilnehmende brachten eigene Fragen ein, teilten Erfahrungen oder setzten neue Akzente. Die Schlusssätze der vier Beobachter fassten die Stimmung des Nachmittags so zusammen: Es braucht alle Generationen und ihre unterschiedlichen Sichtweisen, um Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit zu finden. Gegenseitige Wertschätzung sei dabei der Schlüssel, um gemeinsam Schritte in die Zukunft zu gehen.
Obwohl zum Abschluss auch die provokante Frage in den Raum gestellt wurde, ob Schönstatt am Ende sei, „wenn wir feststellen sollten, dass wir auf manche drängenden Fragen keine Antwort finden“, machte der Nachmittag doch auch Hoffnung, dass die Zukunft Schönstatts im Miteinander der Generationen gestaltet werden kann.
