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Im Sturm des Krieges -- kurzer Blick in die Geburtsstunde Schönstatts
Pater Hans-Martin Samietz ISch (Foto: Brehm)
Cbre/Hbre. Pater Hans-Martin Samietz Isch wirft mit einem Bezug auf die die Feldpost der Schüler der Oberklassen des Studienheimes in Schönstatt, die im 1. Weltkrieg eingezogen wurden und in Schützengräben lagen, unter dem Stichwort „Im Sturm des Krieges“ einen kurzen Blick in die Geburtsstunden Schönstatts und setzt sie in Korrelation mit Aussagen des Filmemachers und Schriftstellers Alexander Kluge, der als Kind den 2. Weltkrieg miterlebt hat.
Kluge beschreibt Krieg und Katastrophenerfahrungen als Momente eines tiefen „Realitätsrisses“: Situationen, in denen das Erleben so erschütternd sei, dass Menschen innerlich Abstand nähmen, um das Unerträgliche überhaupt aushalten zu können. Gerade in solchen Zeiten würden Worte und Erzählungen eine besondere Bedeutung gewinnen. Sie schafften Verbindung zwischen Menschen, die äußerlich getrennt seien, und ließen eine Form von Gemeinschaft entstehen.
Kluge zeichne das Bild des einzelnen Lesers, der allein unter einer Lampe sitzte und doch in Beziehung trete mit dem Autor und mit vielen anderen Lesenden. In diesem Austausch gemeinsamer Erfahrungen entstehe Öffentlichkeit: „Ich bin allein, aber nicht wirklich allein.“ Literatur, Briefe und Berichte würden so zu einem Raum, in dem Erfahrungen geteilt und gedeutet werden könne.
Albert Langner (Foto: Ausschnitt aus der Präsentation)
Ein ähnlicher Gedanke begegne in den Texten des jungen Schönstatt-Sodalen Albert Langner aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Inmitten der Zerstreuung der Soldaten an den Fronten habe er dazu aufgerufen, die Verbindung untereinander lebendig zu halten. Die Erfahrungen des Einzelnen sollen nicht isoliert bleiben. In einem seiner Texte habe er der Gottesmutter Maria die Worte in den Mund gelegt: „öffnet mir die Schatzkammer Eurer Erfahrungen und Erlebnisse, damit ich bei meinem nächsten Besuche Euch wieder recht viel von Euren Kämpfen und Siegen erzählen kann.“ Auf diese Weise sollten sie einander stärken und im gemeinsamen Erzählen neue Zuversicht gewinnen können.
Für Kluge sei genau dies die Aufgabe von Sprache und Erzählung: Menschen knüpfen durch Worte ein Netzwerk von Erfahrungen. Autoren und letztlich alle, die ihre Erfahrungen mitteilten, bauten damit „Wohnungen unserer Erfahrung“: Räume, in denen Wirklichkeit gedeutet, Leiden geteilt und Hoffnung wachgehalten wird.
Samietz betonte, dass diese Stimmen aus unterschiedlichen Zeiten einen gemeinsamen Gedanken verbinden: Gerade im Sturm der Zeiten könnten geteilte Worte zu einem Ort werden, an dem Menschen trotz Angst, Distanz und Unsicherheit eine gemeinsame innere Heimat finden.
