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6. März 2026 | Schönstattkonferenz | 

Schönstattkonferenz 2026 hat begonnen: Dem Wind trauen – im Sturm glauben


Die Schönstatt-Konferenz im Pater-Kentenich-Haus auf Berg Schönstatt hat begonnen (Foto: Brehm)

Die Schönstatt-Konferenz im Pater-Kentenich-Haus auf Berg Schönstatt hat begonnen (Foto: Brehm)

CBre/HBre. Aktuell etwa 190 Vertreterinnen und Vertreter aus den verschiedenen Gemeinschaften der Schönstatt-Bewegung, aus Projekten und Initiativen sowie weitere Interessierte sind derzeit zur Schönstattkonferenz 2026 zusammengekommen. Das jährliche Treffen dient dazu, den Standort der Bewegung im Blick auf die Herausforderungen der Zeit zu bestimmen und gemeinsam nach konkreten Wegen zu suchen, wie Menschen heute Orientierung, Halt und Glaubensmut finden können. Das Leitmotiv der Konferenz greift ein Gebet zum Auftakt auf: Gott ist derjenige, „der uns hinausruft ins Offene, Ungewisse: dem Wind trauen – im Sturm glauben“.

Verena und Stefan Groß, Fulda, moderieren die Konferenz (Foto: Brehm)

Verena und Stefan Groß, Fulda, moderieren die Konferenz (Foto: Brehm)

Moderiert wird die Konferenz von Verena und Stefan Groß aus Fulda. In kurzen Gesprächsrunden tauschen sich die Teilnehmenden zum Auftakt darüber aus, wo sie das Liebesbündnis heute als lebendig erfahren. Eine digitale Mentimeter-Umfrage zeigt dabei schnell zentrale Erfahrungsräume: Gemeinschaft und Begegnung, Herausforderungen des Alltags, das Heiligtum, Gebet und Verbundenheit. Die Konferenz dauert noch bis Sonntag, 8. März.

Grundvollzüge – ein Neuaufbruch im Liebesbündnis

Pater Felix Geyer ISch, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland, greift in seinem Referat den Gedanken der „Grundvollzüge des Liebesbündnisses“ auf, den er bereits bei der Konferenz im Vorjahr vorgestellt hat. Damals wurde eine Karte mit fünf Grundvollzügen in einer Auflage von 400 Exemplaren gedruckt. Inzwischen sind daraus rund 17.000 Exemplare geworden, ein Zeichen dafür, dass der Gedanke vielerorts aufgegriffen wird.

Pater Felix Geyer bei seinem Eröffnungsstatement (Foto: Brehm)

Pater Felix Geyer bei seinem Eröffnungsstatement (Foto: Brehm)

Geschenk und reiche Fruchtbarkeit

Der „Bewegungsleiter“ berichtet von zahlreichen Begegnungen in den vergangenen Monaten bei Besuchen in Diözesen und Gemeinschaften. Dabei erlebt er einen neuen Aufbruch. Menschen bekommen wieder Lust auf Christsein, auf Schönstatt und auf konkrete Glaubensprozesse. „Glaubensvorgänge und Schönstatt werden neu sprachfähig“, so Geyer, „generationenübergreifend“. Vom 16-Jährigen bis zur 90-jährigen Teilnehmerin, die ihm sagt, sie freue sich auf die kommenden zehn Jahre, um weiter im Liebesbündnis zu wachsen.

Pater Felix Geyer ISch (Foto: Brehm)

Pater Felix Geyer ISch (Foto: Brehm)

Blick in die Stürme der Zeit

Geyer stellt diese Erfahrungen in den Kontext der gegenwärtigen gesellschaftlichen und kirchlichen Situation. Schon Pater Josef Kentenich hat 1951 gesagt: „Im Liebesbündnis werden die Fragen der Zeit beantwortet. Künftige Generationen werden das erweisen!

Heute seien vielfach Blickverengungen, Spaltungen und Oberflächlichkeit zu beobachten. Menschen würden zunehmend auf einzelne Identitätsmerkmale reduziert: „Du bist der, der in die Kirche geht. Du bist der, der rechts wählt …“. Gleichzeitig erleben viele eine Art Dauerkrisenmodus – geprägt von Pandemie, Kriegen, wirtschaftlicher Unsicherheit und der Kirchenkrise. Die Folge sind Erschöpfung, Rückzug ins Private und ein Verlust religiöser Substanz. Es entsteht eine Spiritualität ohne Bindung, ein Glaube ohne konkrete Lebensformen. Zugleich steht Kirche und Bewegung unter starkem Transformationsdruck. Hinter all dem zeigt sich jedoch eine tiefe Sehnsucht nach Verlässlichkeit und nach einer tragenden Wirklichkeit.

Das Liebesbündnis – ein geistliches Baugesetz

In einer Zeit, in der Geist und Geschichte oft voneinander getrennt werden, erinnert das Liebesbündnis daran, dass Leben dort entsteht, wo Gnade konkret wirksam wird – erfahrbar und in menschlichen Beziehungen. Gnade braucht keine theologischen Voraussetzungen, so Geyer. Sie wird dort wirksam, „wo ich bin, wo ich wachse und Gottes Spuren suche – und dort, wo ich anderen begegne und wir miteinander ins Tun kommen“.

Das Liebesbündnis konkret leben

Vier konkrete Zugänge nennt der Schönstattpater, um das Liebesbündnis im Alltag zu verorten:

  • Die Beziehung zu Maria. Sie ist kein religiöses Motiv, sondern ein personales Gegenüber. Gerade in einer funktionalen Kultur kann die persönliche Beziehung zur Mutter Jesu zu einer geistlichen Widerstandskraft werden.
  • Das Urheiligtum als Wirk-Ort. Von ihm gehen – im Sinne der Gründungsgeschichte – reale Gnaden aus, die sich auch auf Filial-, Haus- und Herzensheiligtümer übertragen lassen. Solche Orte können zu geistlichen Kraftzentren für Menschen werden.
  • Generationenübergreifende Begegnung als synodaler Stil. Schönstatt lebt von der Begegnung zwischen den Generationen. Vielfalt gilt es als Reichtum zu erleben und Synodalität nicht nur als Programm, sondern als Stil zu leben.
  • Vernetzung im digitalen Zeitalter. Schon früh ermöglicht etwa die MTA-Zeitschrift eine geistliche Vernetzung. Heute bieten digitale Formen neue Möglichkeiten, Bindungen zu stärken – eine Aufgabe, die weiter gestaltet werden muss.
Aufmerksames Plenum (Foto: Brehm)

Aufmerksames Plenum (Foto: Brehm)

Konkretion wagen

Zum Abschluss betont Geyer, dass die Grundvollzüge lebendig bleiben, wenn sie persönliche Beziehung, Orte, Begegnung und Vernetzung konkret prägen. Entscheidend sei dabei Substanz statt Aktionismus und Alltagsrealität statt Abstraktion. Geist und Geschichte müssten zusammengehen, damit das Bündnis als tragende Wirklichkeit erfahrbar wird. Dann kann das Liebesbündnis auch in Zeiten des Substanzverlustes kraftvoll wirken.

Impressionen von den Gruppengesprächen (Foto: Brehm)

Impressionen von den Gruppengesprächen (Foto: Brehm)

Impressionen von den Gruppengesprächen (Foto: Brehm)

 

Impressionen von den Gruppengesprächen (Foto: Brehm)

Aufbrüche konkret entdecken

In der Kaffeepause – bei sonnigem Wetter in und vor dem Pater-Kentenich-Haus – können alle, die möchten auch das im Foyer eingerichtete Social-media-Studio besuchen, um „ihre Botschaft in die Welt zu senden“. In der sich anschließenden Vertiefungsrunde richtet sich der Blick u.a. auf die Frage: „Wo erleben wir Neuaufbrüche konkret?“ Über Mentimeter gesammelte Stichworte zeigen eine große thematische Breite: genannt werden etwa das „Haus der Bewegung“, das Hausheiligtum, Initiativen aus der Frauenbewegung, neue Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft, 24/7-Anbetung, Angebote für Mütter mit Kindern und den Mütterbund, eine Schönstatt-App, Projekte für junge Familien, Social Media sowie Formen eines neuen Miteinanders.

Potenziale entdecken

Eine weitere Frage dreht sich um Potenziale, die gehoben werden können. Zentrale Begriffe sind "Zusammenarbeit", "Vernetzung", Jesus Christus", "Liebesbündnis", "Social media". Darüber hinaus werden im Plenum u.a. etwa Wanderungen auf dem Rheinsteig rund um Schönstatt genannt, zu denen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft anmelden und bei denen immer wieder philosophische, theologische oder psychologische Gespräche entstehen. Ebenso kommen die Projekttage zur Sprache, die seit rund 40 Jahren nichts von ihrer Attraktivität verloren haben und sich im vergangenen Jahr dem Thema Frieden widmeten – verbunden mit der Frage an die Teilnehmenden, ob Christen Waffenlieferungen zustimmen können. Auch ein Buchprojekt der Diakonengemeinschaft wird vorgestellt: Politikerinnen und Politiker mit christlichem Hintergrund werden ermutigt, ihre Überzeugungen darzustellen. So entstand im vergangenen Jahr das Buch von Reiner Haseloff „Christliche Werte leben – Politik gestalten“. Weitere Beispiele sind Männerangebote auf dem Marienberg in Schönstatt – vor Ort und digital – sowie die „Männer-Brotzeit“ auf dem Marienberg in Scheßlitz, Diözese Bamberg, wo am Vorabend rund 50 Männer zu einem Austausch über das Thema Künstliche Intelligenz zusammenkamen. Insgesamt entsteht ein lebendiger Austausch, der neue Ideen wachsen lässt und ein Klima von Familie, Verbundenheit und Wertschätzung schafft.


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