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Dem Wind trauen – hörend glauben im Sturm der Zeit
Jahresmotto 2026 der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Gestaltung: Brehm)
Liebe Mitglieder und Freunde der Schönstatt-Bewegung!
Der Februar ist ein Schwellenmonat. Noch liegt der Winter über dem Land, noch ist vieles karg und unbeweglich. Und doch liegt bereits ein neuer Anfang in der Luft. In diesem Jahr fällt der Bündnistag auf den Aschermittwoch. Ein starkes Zeichen: Anfang und Umkehr, Bündnis und Loslassen fallen zusammen.
Aschermittwoch ist kein lauter Tag. Er zwingt sich nicht auf. Er unterbricht. Er lädt ein, innezuhalten und ehrlich zu werden. „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist“ – dieser Satz relativiert vieles, was wir festhalten möchten. Er erinnert uns daran, dass nicht alles unsere Geschichte ist. Dass wir nicht alles machen, planen oder absichern müssen. Bevor es unsere Geschichte ist, ist es Gottes Geschichte – Heilsgeschichte.
1. Welchem Wind trauen wir? – Unterscheiden lernen
Unsere Zeit ist voller Stimmen. Erwartungen, Meinungen, Forderungen – von außen und von innen. Manche treiben an, andere verunsichern. Orientierung entsteht nicht automatisch. Sie wächst dort, wo wir unterscheiden lernen.
Aschermittwoch ist ein Tag der inneren geistlichen Klärung. Er lädt uns ein, Ballast abzuwerfen – nicht nur äußerlich, sondern innerlich. Eine junge Frau erzählte mir Anfang des Jahres von der Diagnose einer unheilbaren Krankheit. Neben viel Ärger und Unverständnis erzählte sie auch, dass für sie jetzt vieles so relativ erscheint: Karriere, manche Sorgen in der Familie etc. Welche Stimmen machen mich weiter? Welche engen mich ein? Welche führen mich tiefer – und welche zerstreuen?
Josef Kentenich sprach von den Seins- und Zeitenstimmen: Gott spricht nicht nur im Außergewöhnlichen, sondern mitten im Alltag, in Ereignissen, in inneren Regungen, in den Herausforderungen der Zeit. Dem Wind trauen heißt daher nicht, jedem Impuls zu folgen. Es heißt, hörend zu leben. Wachsam. Unterscheidend. Bereit, auch Gegenwind ernst zu nehmen.
Aschermittwoch gibt dafür Raum. Er ist kein moralischer Druck, sondern eine Einladung zur Ehrlichkeit: Was darf ich lassen, um freier zu werden für das, was Gott beginnen will?

2. Liebesbündnis mit Maria – die Frau in der Mitte
Diesen Weg gehen wir nicht allein. Im Liebesbündnis mit Maria ist uns eine Haltung gegeben, die trägt – gerade in Zeiten der Verunsicherung. Maria steht nicht am Rand, sondern in der Mitte. Nicht als fertige Antwort, sondern als hörende, suchende, entscheidende Frau.
Maria zeigt eine Spiritualität des Hörens. Sie sammelt, bewahrt und erwägt. Sie lässt sich anfragen – und sie entscheidet sich. Ihr ‚Ja‘ ist kein vorschnelles Einverständnis, sondern ein Weg der inneren Reifung. Darin wird sie zur Lehrmeisterin der Unterscheidung.
Im Liebesbündnis lernen wir mit ihr, dem richtigen Wind zu trauen. Nicht dem lautesten. Nicht dem bequemsten. Sondern jenem, der uns innerlich ausrichtet. Maria hilft uns, loszulassen, ohne haltlos zu werden. Sie lehrt uns, Vertrauen zu wagen, ohne die Verantwortung abzugeben.
Gerade am Aschermittwoch wird diese marianische Dimension spürbar: Umkehr heißt nicht Abwertung des Lebens, sondern Neuordnung. Maria begleitet diesen Weg – nicht von oben herab, sondern von innen heraus.
3. Der Alltag als Ort der Heilsgeschichte
Vielleicht liegt die größte Herausforderung unseres Glaubens heute darin, das Große im Kleinen zu entdecken. Wir sehnen uns nach Sinn, nach Bedeutung, nach einer tragenden Geschichte – und übersehen dabei oft, dass genau dort, wo wir leben, Heilsgeschichte geschieht.
Aschermittwoch passt genau hier hinein. Er lenkt den Blick weg vom Spektakulären und hin zum Wesentlichen. Zum Kleinen, das trägt: Gott wirkt dort am tiefsten, wo wir ihm frei Raum geben. Das kann heißen, einen inneren Kommentar nicht auszusprechen. Eine Situation nicht sofort zu bewerten. Einen Moment der Stille zuzulassen, wo sonst Ablenkung wäre. Vielleicht ist das ein passender Akzent dieser Wochen: Nicht mehr tun – sondern Zeit nehmen, tiefer zu antworten.
Der 18. Februar wird so zu einem dichten Bündnistag: ein Tag der Umkehr, der Klärung, der Neuorientierung. Ein Tag, an dem wir Maria neu in die Mitte stellen – und uns selbst auf einen Weg einlassen, der nicht spektakulär ist, aber tragfähig.
Dem Wind trauen heißt:
Gottes Geschichte größer sein lassen als unsere Pläne.
Im Kleinen treu bleiben.
Und im Sturm glauben, dass neues Leben wachsen kann.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Bündnistag und ein innerlich tiefes Zugehen auf Ostern
Ihr
P. Felix Geyer
Schönstatt-Bewegung Deutschland
