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Eine Sprache finden, mit der das Liebesbündnis ausstrahlt und rund um den Globus verstanden wird
Ein Interview mit Pater Stefan Strecker ISch, der ab August 2026 Leiter der internationalen Schönstatt-Wallfahrt in Vallendar werden wird (Foto: privat)
Hbre. Pater Stefan Strecker ISch ist designierter Leiter der Schönstatt-Wallfahrt am internationalen Wallfahrtsort Schönstatt, Vallendar. Gleichzeitig wird er Rektor des dortigen Urheiligtums, des Gründungsortes der Schönstatt-Bewegung, werden. Wie es ihm damit geht, was er für Chancen darin sieht, und welche Vision er hat, lesen Sie im Interview.
Ein Interview mit dem designierten Leiter der internationalen Schönstatt-Wallfahrt
Pater Strecker, am 15. August werden Sie im Team mit Schwester M. Anika Lämmle in die Leitung der Wallfahrt zur Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt in Vallendar eingeführt. Was ging Ihnen als erstes durch den Kopf, als Sie für diese Aufgabe angefragt wurden?
Das Erste, was mir durch den Kopf ging, war, dass ich noch mehr Teil des Umbruchs werde, in dem wir uns als Schönstatt-Bewegung aktuell befinden, vor allem auch am Ort Schönstatt in Vallendar. Das löst natürlich auch mulmige Gefühle aus, denn Vieles ist in Veränderung. Wir werden immer weniger, die für die Aufgaben vor Ort zur Verfügung stehen. Trotzdem bin ich optimistisch, wenn ich an die Bereitschaft der Vielen denke, die sich einbringen und die Atmosphäre am Ort Schönstatt in einem neuen Miteinander mitgestalten wollen.
Beim Familienfestival 2024 in der Pilgerkirche, Schönstatt, Vallendar (Foto: Kröper)
Sie begleiten seit Jahrzehnten Ehepaare und Familien in Projekten, bei Wochenenden, Festivals, Seminaren und Bildungsreisen. Sie sind bekannt als ein „Familienseelsorger mit Leib und Seele“. Fällt da der Abschied nicht schwer oder sehen Sie Möglichkeiten im Rahmen Ihrer neuen Verantwortung Familien auf andere Weise zu begleiten?
Der Abschied fällt sehr schwer. Ich hoffe natürlich, dass viele der Ehepaare und Familien, die ich kenne, immer wieder an den Ort Schönstatt kommen, sich vielleicht zum Familienfestival 2027 einfinden. Ich glaube jedoch, dass sich auch die Art der Verbundenheit von meiner Seite verändern wird. Ich werde am Gnadenort einer sein, der einfach stellvertretend für die vielen Ehepaare und Familien in unserer Familienbewegung „geistlich“ da sein wird, sie im Gebet vor Gott und die Gottesmutter bringt. Das wird für mich eine wichtige Aufgabe sein.
Sie werden nicht nur Wallfahrtsleiter, sondern übernehmen gleichzeitig die Aufgabe des Rektors des Urheiligtums – ein Novum in der Geschichte Schönstatts, dass diese beiden Aufgaben nun in Personalunion ausgeführt werden. Welche Chancen sehen Sie darin?
So wie sich zurzeit vieles in der Kirche und auch in unserer Schönstatt-Bewegung verändert, hoffe ich, dass wir einfach miteinander Dinge neu gestalten und erproben können. Es sind Gott sei Dank eine ganze Reihe von Patres und Schwestern, Ehepaare und Einzelpersonen da, denen der Gnadenort ein Herzensanliegen ist, und die haupt- oder ehrenamtlich zusammenwirken. Vielleicht liegt gerade in den aktuellen Umbrüchen die Chance, dass durch die Art und Weise, wie wir miteinander für den Gnadenort arbeiten, der Ort Schönstatt eine neue Ausstrahlungskraft erhält.
"Damals hat die internationale Jugend das Urheiligtum als Gnadenort ganz neu in den Mittelpunkt der weltweiten Schönstatt-Bewegung gerückt." (Foto: privat)
Persönliche Erfahrungen mit dem Urheiligtum
Man erzählt sich von Ihnen, dass Sie das Urheiligtum lieben. Wie ist diese Liebe entstanden und was von Ihren Erfahrungen mit diesem heiligen Ort möchten Sie an die Pilger weitergeben?
Ich durfte mit dem Urheiligtum in Schönstatt viele persönliche Erfahrungen machen. Nach der Schule war ich 1985 als Volontär bei den Vorbereitungen und der Durchführung des großen Gedenkjahrs dabei. Ich durfte das Noviziat am Ort Schönstatt machen. Damals war das Urheiligtum für mich ein ganz wichtiger Erfahrungsraum. Entscheidend waren für mich 2005 die Ereignisse beim internationalen Jugendfestival rund um den Weltjugendtag in Köln und die ersten Jahre der „Nacht des Heiligtums“. Das setzte sich dann 2014 in meiner Aufgabe für das 100Jahr-Jubiläum Schönstatts fort.
Bei allen drei Familienfestivals, 2018, 2021 und 2024, wurden uns im und mit dem Urheiligtum Erfahrungen geschenkt, bei denen man den Eindruck hatte, dass „der Himmel die Erde berührt“. Erlebnisse, die niemand planen und machen konnte. Jedes Mal dachte ich: Ja, das Urheiligtum ist wirklich der Ort, wo die Gottesmutter als Erzieherin wirkt, und wo sie „die Herzen an sich zieht“, wie wir in Schönstatt sagen.
Als ich meinem Priesteronkel, der im Pflegeheim ist, gestern von der neuen Aufgabe erzählte, sagte er: „Ja, unsere ganze Familie hat viel geschenkt bekommen durch das Urheiligtum.“ Und wir sprachen darüber, dass meine Großeltern Anfang der 50er Jahre das Liebesbündnis mit der Gottesmutter im Urheiligtum geschlossen haben.
Mit wallfahren verbinden Viele Rosenkranzgebet, Lichterprozession, Beichte und bewegende Gottesdienste. Wie möchten Sie für die Menschen in den heute herausfordernden Lebenssituationen das Wallfahrtserlebnis zur Gnadenkapelle in Schönstatt gestalten?
Ich bin immer wieder neu beeindruckt, wie viele Menschen diesen Gnadenort aufsuchen und wie sie hier beten. Es gibt viele, die das Rosenkranzgebet und die Lichterprozessionen lieben, die zu den Gottesdiensten und zu unseren Beichtangeboten kommen. Darüber hinaus möchte ich ermöglichen, dass viele Gruppen und Einzelne den Gnadenort so erfahren können, dass sie in ihrem Inneren berührt werden, wenn sie zu Maria, der Mutter Jesu, kommen. Wir haben dafür bereits verschiedene Formen, wie zum Beispiel der Krug im Urheiligtum. Aber ich bin gespannt, was sich noch entwickeln kann, wie vor allem die jüngeren Generationen, die ganz anders religiöse Erlebnisse suchen, sich an diesem Gnadenort ausdrücken, in der Gnadenkapelle feiern und beten und diesen Ort geistlich erfahren wollen. Darauf freue ich mich und bin sehr interessiert daran mitzuwirken.

Eine Sprache finden, "mit der das Liebesbündnis ausstrahlt und rund um den Globus verstanden wird und das Leben der Menschen erreicht" (Foto: privat)
Für einen internationalen Ort der Sehnsucht arbeiten
Schönstatt ist ein internationaler Wallfahrtsort. Menschen aus der ganzen Welt pilgern hierher. Welche „internationalen Erfahrungen“ bringen Sie mit? Was kann Ihnen in Ihrer neuen Aufgabe helfen?
Ich habe in meinem Kurs der Schönstattpatres schon in den Anfangsjahren erlebt, mit welcher Sehnsucht meine Mitbrüder aus den anderen Ländern und Kontinenten zu diesem Gnadenort gekommen sind. Das hat mich immer tief beeindruckt. Diese ungeheuer große Sehnsucht und das damit verbundene Investment durfte ich unter anderem 2014 bei den internationalen Feiern erleben. Was nehmen Menschen auf sich, um einmal in ihrem Leben das Urheiligtum zu besuchen! Da wartet das Taxi vor dem Urheiligtum, weil jemand gerade einen Zwischenstopp am Flughafen in Frankfurt für den Besuch in Schönstatt nutzt. Oder eine junge Frau verkauft ihr Auto, um die Reise nach Schönstatt zu bezahlen.
In den letzten Jahren ist, ausgelöst durch Corona, dem Urheiligtum eine ganz neue digitale Wirksamkeit geschenkt worden. Unzählige Menschen aus vielen Ländern finden sich täglich online in der Gnadenkapelle ein. Was für eine Kraft, die von diesem Ort in die ganze Welt ausgeht! Und wenn ich selbst auch kein Sprachengenie bin, ich hoffe, wir finden hier am Gnadenort immer neu „die Sprache“, mit der das Liebesbündnis ausstrahlt und rund um den Globus verstanden wird.
Pater Stefan als begeisterter Reiseführer vor der Grabeskirche in Jerusalem (Foto: Brehm)
Viele Schönstätter und andere kennen Sie als begnadeten Reiseleiter ins Heilige Land – auch etwas das Sie leidenschaftlich gerne tun. Ist damit nun Schluss oder können Sie diese Leidenschaft auch in Ihrer Funktion als Wallfahrtsleiter und Rektor des Urheiligtum weiterverfolgen?
Bereits für die erste Augustwoche 2027 ist eine Familienpilgerfahrt ins Heilige Land geplant. Außerdem hoffe ich sehr, dass sich in den nächsten Jahren viele Pilger auch für Wallfahrten ins Heilige Land, nach Rom oder zu anderen wichtigen heiligen Orten interessieren.
Meine Vision für den Wallfahrtsort Schönstatt
Könnten Sie den folgenden Satz vollenden?
Meine Vision für den Wallfahrtsort Schönstatt ist, …
… dass viele Menschen erleben, dass Gott sie berühren möchte, und sie Gott in ihrem Leben erfahren können – egal ob sie Schönstatt als Gnadenort live erleben oder über die Heiligtümer in ihren Ländern, in ihrem Hausheiligtum oder in ihrem persönlichen Herzensheiligtum.
Herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben für dieses Interview. Wir wünschen Ihnen von Herzen viel Kraft, Fingerspitzengefühl, Freude an der neuen Aufgabe und die Gewissheit, dass die Gottesmutter Ihnen Ihr großes Herz zur Verfügung stellt, damit Sie alle Pilger darin bergen können.
Das Interview führte Heinrich Brehm
