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20. Februar 2026 | Deutschland | 

„Vor allem aber mein Herz“ –Milwaukee-Pilger und solche, die es werden wollen, beschäftigen sich mit einer Kirche der Herzen


Die Teilnehmenden des Milwaukee-Pilger-Treffens versammelten sich während ihrer Tagung auch in der sogenannten "Gründerkapelle", dom Ort in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt, wo Pater Josef Kentenich begraben liegt (Foto: Wieland)

Die Teilnehmenden des Milwaukee-Pilger-Treffens versammelten sich während ihrer Tagung auch in der sogenannten "Gründerkapelle", dom Ort in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt, wo Pater Josef Kentenich begraben liegt (Foto: Wieland)

Rita Schuler & Marcia Potes / Hbre. Vom 6. bis 8. Februar traf sich in Schönstatt, Vallendar, eine internationale Gruppe von 26 Interessierten und ehemaligen „Milwaukee-Pilgern“ zu einem geistlichen Wochenende. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Schönstätter heute zur Vision Pater Josef Kentenichs von einer „Kirche der Herzen“ beitragen können. Bereits beim gemeinsamen Abendessen entstand eine Atmosphäre der Offenheit; viele kannten sich von früheren Begegnungen. In persönlichen Austauschrunden wurde deutlich, wie sehr die Beziehung zum geistlichen Vater, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, den Alltag der Teilnehmenden prägt.

Milwaukee – Ort des Exils und der Sendung

Milwaukee ist für die Schönstattbewegung ein zentraler Erinnerungsort: Dort verbrachte Josef Kentenich von 1952 bis 1965 seine sogenannte Exilszeit, die Zeit, in der er vom Heiligen Offizium verordnet von seiner Gründung getrennt wurde. Aus der räumlichen Trennung von Schönstatt erwuchs eine geistliche Vertiefung seines Denkens über Vater- und Herzenspastoral. Viele Impulse zur personalen Bindung, zur inneren Freiheit und zu einer Kirche aus lebendigen Beziehungen haben hier ihre konkrete Ausprägung gefunden.

Begegnungen, die Herzen öffnen

Ein bewegendes Zeugnis prägte den ersten Abend des Treffens: Eine Familie berichtete von einem Weihnachtsbesuch bei einem jungen Paar, das wenige Tage zuvor sein Kind verloren hatte. Zwei Stunden verbrachten sie gemeinsam, „um sie erzählen zu lassen, mit ihnen zu weinen und zu lachen“. Am Ende suchten sie zusammen ein Bild für die Todesanzeige aus. Der unerwartete Besuch wurde für die Trauernden zu einem „wunderbaren Weihnachtserlebnis“, ein sprechendes Beispiel dafür, was es heißt, das eigene Herz zu verschenken.

Dr. Hubertus Brantzen, Mainz, führte in den Beitrag des 2000 verstorbenen Studienrats Werner Krimm ein, der per Tonbandaufnahme eingespielt wurde (Foto: Wieland)

Dr. Hubertus Brantzen, Mainz, führte in den Beitrag des 2000 verstorbenen Studienrats Werner Krimm ein, der per Tonbandaufnahme eingespielt wurde (Foto: Wieland)

Schwester M. Eileen Johannsen sprach in einem online-Meeting direkt aus Milwaukee von ihren Erfahrungen mit Pater Josef Kentenich (Foto: Wieland)

Schwester M. Eileen Johannsen sprach in einem online-Meeting direkt aus Milwaukee von ihren Erfahrungen mit Pater Josef Kentenich (Foto: Wieland)

Zeitzeugen aus der Exilzeit

Am Samstag standen Zeugnisse aus Milwaukee im Mittelpunkt. Eine Tonbandaufnahme von Studienrat Werner Krimm (+) aus Mainz schilderte seine Begegnung mit Pater Kentenich als Erfahrung „unbedingten Angenommenseins durch einen Vater mit einem großen liebenden Herzen“. Diese Begegnung führte zu einer doppelten Lebenswende: Krimm stellte sich einerseits selbst jungen Menschen als väterlicher Begleiter zur Verfügung und er führte andererseits viele Menschen in die Praxis eines gelebten des Vorsehungsglaubens ein.

Per Zoom zugeschaltet war Schwester M. Eileen Johannsen Milwaukee, USA. Die bald 90-Jährige, die als Jugendliche mit Pater Kentenich in Milwaukee Kontakt hatte, beschrieb Kentenich als „personalisierte Liebe ersten Grades, natürlich und übernatürlich“. Er habe sich innerlich leer gemacht, um sein Gegenüber tief in sich aufnehmen zu können. In Gruppenarbeiten fragten die Teilnehmenden, wie sie diese Haltung heute konkret weitergeben können.

Das Herz verschenken – konkret im Alltag

In einer Auswertungs- und „Ernterunde“ am Sonntag zogen die Teilnehmenden Bilanz. Die Frage nach Synodalität, die zum Abschluss dieses Treffens ebenfalls thematisiert wurde, erhielt eine persönliche Zuspitzung: Besteht sie nicht zuerst darin, aufeinander zu hören und das Herz zu öffnen? Eine Teilnehmerin formulierte: „Die Theorie ist wichtig, aber die Liebe muss man konkret leben.“ Sie gehe „gestärkt und dankbar nach Hause, mit dem Wunsch, mein Herz weiter einfach, treu und mit Freude zu schenken“.

Ein weiterer Teilnehmer betonte, die Zeugnisse hätten sein „persönliches Band zu Pater Kentenich gestärkt“. Er wolle täglich einige Zeilen von ihm lesen und teilen – aus der Überzeugung: „Wahre Liebe verbindet und verändert uns.“


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