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Dachau-Schönstatt-Begegnungstag im Zeichen von Vertrauen und Erinnerung
Über 40 Personen versammelten sich zum Dachau-Schönstatt-Begegnungstag am 25. Januar in der KZ-Gedenkstätte Dachau (Foto: Arnulf Rausch)
Ilse Keßler, Sr. M. Elinor Grimm / Hbre. Rund um den internationalen Holocaust-Gedenktag fand am Sonntag, 25. Januar 2026, in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein Dachau-Schönstatt-Begegnungstag statt. Unter dem Jahresmotto der Schönstatt-Bewegung Deutschland „Dem Wind trauen, im Sturm glauben“ kamen mehr als 40 Teilnehmende zusammen, um sich an die historischen Vorgänge zu erinnern sowie geistliche Impulse und gemeinsames Gedenken zu verbinden. Treffpunkt war gegen 12.45 Uhr am Jourhaus, dem historischen Lagereingang. Thema des Nachmittags war die Frage nach innerer Freiheit, Glaubenstreue und Hoffnung angesichts existenzieller Bedrohung – damals im Konzentrationslager wie auch in gegenwärtigen Krisenzeiten.
Erinnerung an Freiheit in einem Ort der Unfreiheit
Im Angesicht der Torinschrift „Arbeit macht frei“ stand ein Wort Pater Josef Kentenichs im Mittelpunkt, das Anton Pfaffenzeller vortrug: „In heiliger Freiheit! Sie wissen, dass die Vorgeschichte Schönstatts begonnen hat durch einen Freiheitskampf... die Schönstattgeschichte ist eine einzigartige Freiheitsgeschichte….“ (J. Kentenich, Grundsteinlegung Memhölz, 7.9.1966). Die Auseinandersetzung mit dem Begriff Freiheit erhielt an diesem historischen Ort eine besondere Schärfe.
Gespannt hören die Teilnehmer der Führung zu (Foto: Arnulf Rausch)
Anschließend führten zwei Gruppen durch unterschiedliche Bereiche der Gedenkstätte. Stationen auf der Lagerstraße sowie ein Rundgang durch das Museum – unter anderem Raum 7 – eröffneten Zugänge zur Geschichte geistlicher Häftlinge und zu den sogenannten Invalidentransporten nach Schloss Hartheim. Zur Sprache kamen auch persönliche Schicksale, etwa die Bewahrung Pater Kentenichs vor einer Selektion am 24. Juni 1942 sowie der Tod des Schönstatt-Bundespriesters Heinrich König im Krankenrevier.
Pater Kentenich war wie andere KZ-Gefangene in der Stube des Zugangsblocks gezwungen, barfuß zu gehen. Die Holzpantinen mussten in ein Schuhfach abgestellt werden. So bat er die Gottesmutter um Pantoffeln. Am nächsten Tag erhält er welche von P. Fischer. Für den Schönstatt-Gründer ein vorsehungsgläubig gedeutetes „Liebesbündnis-Zeichen“ (Foto: Archiv der KZ Gedenkstätte Dachau)
Liebesbündnis als geistlicher Deutungshorizont
Auf der Lagerstraße wurde das zentrale Motiv der Schönstatt-Bewegung, das Liebesbündnis, thematisiert. In Montagabendgesprächen von 1956 erläuterte Kentenich: „Weil nun der liebe Gott unsere sinnenhafte Natur kennt, hat er gleichsam die Gottesmutter auf die Erde heruntergelassen. Und er wünscht, dass wir ein Liebesbündnis mit ihr schließen…“ (Montagabendgespräche 1956, S. 86). An anderer Stelle betonte er: „Die Gottesmutter ist auch eine Wirklichkeit. … Das Bündnis ist eine Wirklichkeit.“ (ebd., S. 103).
Konkrete Episoden aus der Dachau-Zeit verdeutlichten diese geistliche Sichtweise. So wird berichtet, Kentenich habe selbst kleine Anliegen im Vertrauen vor Gott getragen. Über ein solches Erlebnis heißt es: „Nun schau doch einmal, wie die Gottesmutter mir selbst kleine Bitten erfüllt, jetzt habe ich sie gestern um Pantoffeln gebeten, heute kommen sie.“ (Dachau-Chronik I, S. 8).
Eucharistiefeier im Karmel
Höhepunkt des Gedenktages war für die Gruppe die Eucharistiefeier in der Kirche des Karmel. In seiner Predigt griff Pater Frank Riedel ISch das Jesaja-Wort auf: „Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht“ (Jes 9,1). Er erinnerte an Kentenichs Entscheidung vom 20. Januar 1942, auf ein entlastendes Attest zu verzichten, und deutete sie als Ausdruck eines „inneren Lichtes“, das stärker gewesen sei als Angst und Bedrohung. Dieses Vertrauen beschrieb er als Leben aus der „Realität der Übernatur“, als „zweiten Blick“ auf die Wirklichkeit.
In der Kapelle des Karmel-Klosters wurde mit allen Teilnehmenden eine Hl. Messe von Pater Frank Riedel gefeiert (Foto: Arnulf Rausch)
Mit einem Zitat des Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl – „Ich definiere die Kirche nicht in erster Linie über Probleme … sondern über die biblische Verheißung. Und die besagt: Wir sind Volk Gottes.“ – schlug Riedel eine Brücke in die Gegenwart. Christlicher Glaube erscheine so nicht als Realitätsflucht, sondern als Kraftquelle, die befähige, auch in dunklen Zeiten Menschlichkeit zu bewahren.
Austausch und Ausblick
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernahm Ehepaar Hellmich aus Schrobenhausen. Lieder und Fürbitten griffen das Jahresmotto auf. Den Abschluss bildete ein Austausch im Gesprächsraum der Evangelischen Versöhnungskirche. Dabei wurde deutlich, dass der Begegnungstag als fester Gedenk- und Besinnungstermin um den 20. Januar weitergeführt werden soll.
