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Hubertus Brantzen: Weltordnung
Prof. Dr. theol. Hubertus Brantzen, Mainz (Foto: Basis-online.net)
Hubertus Brantzen
Weltordnung
21.01.2026
In diesen Tagen bekam ich über WhatsApp ein KI-Bild zugeschickt, auf dem ein grönländischer Eisbär zu sehen war, der an einem Knochen nagte. Vor ihm lag eine rote Schildkappe im Schnee. Die Unterschrift zum Bild: Das Grönlandproblem ist gelöst. Die lustvollen Kommentare, die das Bild auslöste, wurden schließlich ihrerseits kommentiert mit: „Wo bleibt denn eure Feindesliebe?“
Das könnte spontan zum Lachen reizen, wenn die Sache an sich nicht so ernst wäre. Zu den Konfliktherden, die uns seit Jahren beschäftigen, kommen wie aus dem Nichts weitere hinzu. Die Weltordnung scheint aus den Fugen zu geraten und keiner kann das sich ausbreitende Chaos stoppen. Begründungen, warum alternativlos hier oder dort eingegriffen werden muss, finden sich immer. Die bisher geltenden Spielregeln zwischen den Menschen und Völkern scheinen immer weniger zu gelten. Der Starke nimmt sich, was ihm in den Sinn kommt, und die Ohnmächtigen sinnen über Tyrannenmord, wenn auch nur mittels Eisbärbilder.
Da betet der orthodoxe Patriarch von Moskau in den Sonntagsgottesdiensten für den Sieg Russlands über den verkommenen Westen. Katholiken kämpfen als rechte oder linke Hand der Gegenseite für eine angeblich christliche Theokratie à la USA. Gleichzeitig verurteilen genau diese wieder das islamistische Mullah-Regime im Iran. Ins Lächerliche gezogene europäische Volksvertreter kämpfen wie Zwerge gegen den transatlantischen Goliath, der sich auf den Weg in die Arktis macht.
Und wir, die einfachen Leute, dürfen uns jeden Abend dieses Drama auf der Weltbühne zu Gemüte führen.
„Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ (Gen1,1–2)
Ohne apokalyptische Szenarien beschwören zu wollen, sei die bange Frage erlaubt: Geht es mit der Schöpfung zurück zu den Anfängen? Damals schwebte Gottes Geist über dem Wasser. Ich gehe davon aus, dass er auch heute anwesend ist. Doch wohin führt er?
Prof. Dr. theol. Hubertus Brantzen, Mainz
