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12. Dezember 2025 | Deutschland | 

„Fackel der Hoffnung“ – Ein Abend über Zivilcourage nach dem Vorbild Pater Franz Reinischs


Am Beispiel von Pater Franz Reinisch wird die Thematik von Zivilcourage erörtert (Foto: Siebenkäs)

Am Beispiel von Pater Franz Reinisch wird die Thematik von Zivilcourage erörtert (Foto: Siebenkäs)

R. Siebenkäs / Hbre. Mehrmals im Jahr lädt die Schönstatt-Männerbewegung zur „Männerbrotzeit“ ins Schönstattzentrum Marienberg, Schesslitz, Erzbistum Bamberg ein – mit kräftiger Brotzeit, Austausch und einem inhaltlichen Impuls. Anfang Dezember konnte Mitinitiator Msgr. Josef Treutlein mit Domkapitular Martin J. Emge einen Referenten zum Thema „Zivilcourage – damals wie heute“ gewinnen, der den Baupatron des Marienbergs, Pater Franz Reinisch, als ein eindrückliches Beispiel vorstellen konnte, dessen Haltung der Zivilcourage in der Zeit des 3. Reiches beeindruckte und bis in die Gegenwart hineinweist.

Zivilcourage in einer Zeit der Verunsicherung

Zu Beginn nahm der Referent einen aktuellen Faktencheck vor: von Fake News über KI-generierte Täuschungen bis zu prorussischer Propaganda, deren Ziel es sei, „die Bevölkerung zu verunsichern“, kamen unterschiedlichste Themen zur Sprache. Gesellschaft und Demokratie, so Martin Emge, bräuchten heute mehr denn je Menschen, die hinschauen und handeln. Gelingende Beispiele fänden sich etwa in Schulen, die sich nach Durchlaufen eines entsprechenden Programms als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bezeichnen könnten oder auch beim bundesweiten Tag der Zivilcourage am 19. September, der unter dem Thema „Helfen statt Wegsehen“ stehe. Eindrücklich schilderte Emge den „Virus der Freiheit“, der Menschen wie Alexej Nawalny das Leben kostete und Hunderttausende trotz Repressionen zu friedlichem Protest ermutigt. „Zivilcourage braucht es heute mehr denn je“, betonte der Referent.

Ausschnitt aus einem Gemälde das Stationen des Lebens von Pater Franz Reinisch aufgreift (Foto: Siebenkäs)

Ausschnitt aus einem Gemälde das Stationen des Lebens von Pater Franz Reinisch aufgreift (Foto: Siebenkäs)

Pater Franz Reinisch – Mut aus Gewissenstreue

Als ein besonders eindrückliches Beispiel für Zivilcourage stellte Emge Pater Franz Reinisch vor, dessen Satz „Bei mir beißen die auf Granit!“ seine Unerschrockenheit zusammenfasst. Reinisch sei „glaubensstark, unbestechlich, couragiert und gewissenstreu“ gewesen. Der Wahlspruch seiner Studentenverbindung „Unverrückbar …“ sei für ihn zum geistlichen Fundament geworden, woraus er sagen konnte: „Unverrückbar steht unser Glaube an Christus und Maria.

Reinisch habe gewusst, wie gefährlich sein Weg war. Dennoch habe er als einziger Priester den Fahnen-Eid auf Hitler verweigert, ein Akt höchster Zivilcourage, der ihn „den direkten Weg ins Zuchthaus“ kostete und schließlich am 21. August 1942 zur Enthauptung führte. Auf seinem schweren Weg sei Reinisch getragen worden von seiner geistlichen Heimat Schönstatt und von der Muttergottes als „Leidensrose“.

Wie wird ein Mensch so stark?

Die Männer hörten gebannt zu, als Emge fragte: „Wie wird jemand so stark?“ Reinischs Lebensweg habe zwar unter dem Fidelis-Segen begonnen, einem Segen, der sich auf den Heiligen Fidelis von Sigmaringen bezieht, einen Märtyrer der Gegenreformation, der als Schutzpatron für die Treue und die Glaubensverbreitung gilt und der für seine Standhaftigkeit im Glauben bekannt ist. Doch Reinischs Leben sei zunächst ganz normal verlaufen: humorvoller Gymnasiast, Jura-Student „mit eigenem Kopf“, verwurzelt im Glauben, geprägt von Familie und der ersten Liebe. Eine Lebenskrise führte ihn schließlich zur Entscheidung, Priester zu werden.

Pater Franz Reinisch wurde für die Teilnehmer zu einem leuchtenden Vorbild (Foto: Siebenkäs)

Pater Franz Reinisch wurde für die Teilnehmer zu einem leuchtenden Vorbild (Foto: Siebenkäs)

Prägend sei für ihn ein „Heureka-Erlebnis“ geworden: ein Artikel, der ihn zur Schönstattbewegung führte. Dort habe er jene geistliche Kraft gefunden, die ihn seinem Gewissen treu bleiben ließ, bis zum Schafott von Brandenburg-Görden.

Ein Vorbild, das unter die Haut geht

Reinischs „Fackel der Hoffnung und Liebe“ brenne weiter, so Emge. Seine Zivilcourage fordere heraus und ermutige „zum prophetischen Protest“. Viele der Teilnehmer an der Männerbrotzeit zeigten sich sichtbar bewegt. In kleinen Runden wurde über die Fragen gesprochen: „Was berührt mich an diesem Lebenszeugnis? Wo habe ich selbst Zivilcourage gezeigt? Folge ich meinem Gewissen?“ Die Veranstaltung endete im ehrlichen Austausch. Spuren des Baupatrons Reinisch lassen sich bis heute auf dem Marienberg entdecken und sein Beispiel wirkt als Einladung, Haltung zu zeigen.


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