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22. April 2025 | Deutschland | 

Wegweiser für eine neue Welt – Eine Betrachtung über das Pontifikat aus der Perspektive der Schönstatt-Bewegung


Papst Franziskus * 17.12.1936 + 21.04.2025 - bei einer Audienz mit der internationalen Schönstattfamilie in Rom am 25.10.2014 (Foto: Archiv 2024, B. Neiser)

Papst Franziskus * 17.12.1936 + 21.04.2025 - bei einer Audienz mit der internationalen Schönstattfamilie in Rom am 25.10.2014 (Foto: Archiv 2024, B. Neiser)

P. Felix Geyer. „Wege“ auf alle erdenkliche Art und Weise sind es, die das Pontifikat von Papst Franziskus prägen. Er ging Wege, auch neue Wege, und prägte das Kirchenbild einer „Kirche, die unterwegs ist“. Unermüdlich unterwegs zu den Menschen und zu mehr Menschlichkeit, setzte er Zeichen und gab Orientierung in seinen Worten und Taten. Seine Reisen nach Lampedusa und in die Krisengebiete, sein Aufgreifen drängender Fragen der Zeit, wie Klimawandel und vor allem die Frage nach Frieden zeugen von einer wegweisenden und unermüdlichen Unruhe für die Kirche und die Welt.

Sein Pontifikat setzt auch für die Schönstatt-Bewegung lebendige Maßstäbe. Neben seiner tiefen Marienliebe sind das vor allem die Konkretheit die Zeichen der Zeit anzugehen und das Bild einer neuen Kirche, die von gemeinsamen Wegen geprägt ist.

Papst Franziskus - ein Mann des Gebetes, hier bei der Audienz mit der internationalen Schönstattfamilie in Rom am 25.10.2014 (Foto: Archiv 2024, Vilches)

Papst Franziskus - ein Mann des Gebetes, hier bei der Audienz mit der internationalen Schönstattfamilie in Rom am 25.10.2014 (Foto: Archiv 2024, Vilches)

Papst Franziskus - verbunden mit Maria (Foto: Archiv 2024, Eduardo)

Papst Franziskus - verbunden mit Maria, 25.10.2014 (Foto: Archiv 2024, Vilches)

Gespeist aus einer tiefen Marienliebe

Die Liebe zu Maria kommt in etlichen Predigten, in vielen persönlichen Erzählungen und Zeichenhandlungen von Papst Franziskus zum Ausdruck. Auf seinem Nachttisch stand eine pilgernde Gottesmutter, ein MTA-Bild, das ihm P. Alexandre Awi Mello, Vorsitzender des Generalpräsidiums des Schönstattwerkes, geschenkt hatte, mit dem Papst Franziskus seit der Zusammenarbeit für die Bischofskonferenz in Aparecida eine Freundschaft verband. Dort war der damalige Jorge Mario Bergoglio maßgeblich mit der Abfassung des Schlussdokuments beauftragt. Er sprach später immer wieder von der prägenden Erfahrung an diesem Marienwallfahrtsort. Für ihn verband sich die persönliche Beziehung mit Maria mit der programmatischen und verantwortlichen Leitungsaufgabe der ganzen Kirche. In Erinnerung an die Abfassung des Dokuments sagte er einmal: „Wir arbeiteten in einem Konferenzraum, der unter dem Wallfahrtsort [von Aparecida] liegt. Und dort konnte man die Gebete, die Gesänge der Gläubigen hören. Im Schlussdokument findet sich eine Stelle, in der es um die Volksfrömmigkeit geht. Eine wunderschöne Stelle. Und ich glaube, ja, ich bin mir sicher, dass das, was dort steht, von all dem inspiriert wurde.“ (G. Valente, Nähe und Freiheit, Freiburg 2013, 44)

Die Stelle im Schlussdokument dürfte die sein, in der es um die Verschiedenheit der Kulturen und deren unterschiedliche Ausprägungen geht: „Vielmehr vermissen wir die Möglichkeit, diese Verschiedenheiten in einer Synthese zusammenfließen zu lassen, die in der Lage ist, die Verschiedenartigkeiten der Sinndeutungen zusammenzufügen und auf ein gemeinsames historisches Ziel zu lenken. Gerade darin besteht der unschätzbare Wert des marianischen Charakters unserer Volksreligiosität, die es verstanden hat, in der Gestalt der verschiedenen Arten der Marienverehrung die unterschiedlichen lateinamerikanischen geschichtlichen Wirklichkeiten zu einer gemeinsamen Geschichte zu verschmelzen: zu jener, die zu Christus dem Herrn des Lebens führt, in dem die höchste Würde unserer menschlichen Berufung verwirklicht ist“ (Schlussdokument Aparecida §43). In der Beziehung zu Maria liegt die Möglichkeit der Einheit von kultureller Vielfalt und zusätzlich, wie in seiner Erinnerung deutlich wird, bedingen sich Glaubensleben und Glaubenslehre in enger Weise.

Papst Franziskus stand in einem engen Bund mit der Gottesmutter und glaubte, dass Gott durch Maria wirkt. Von diesem Wirken gab er immer wieder lebendiges Zeugnis.

Zeichen der Zeit

Die Zeichen der Zeit waren für Papst Franziskus nicht nur ein Thema, sondern immer auch Anspruch, der mit persönlicher Begegnung und Veränderung sowie inhaltlich-programmatischer Ausrichtung einhergeht. Flucht und Migration, Klimakrise, die Fragen nach Geschlechtlichkeit, nach Ehe und Familie und vor allem die drängende Thematik des Friedens sind für ihn bleibende Fragen. Keine davon sieht er ein für allemal behandelt und entschieden. Er sieht die christgläubigen Menschen zu jedem dieser zu großen und überfordernden Themen in persönlicher Haltung und gemeinsamer Ausrichtung herausgefordert. Dabei betont er immer wieder die Maßstäbe des Evangeliums und die konkrete Begegnung mit den Menschen und Themen der Zeit, die er in einen lebendigen Dialog miteinander bringen möchte.

Die Schönstatt-Bewegung hat ihre spirituellen Vertiefungen ebenso immer in den Auseinandersetzungen und Herausforderungen der Zeit wahrgenommen. In der Entstehungszeit in den Weltkriegen hat sich die Spiritualität Schönstatts als persönlicher Wachstumsweg hin zum Gott des Lebens entwickelt. Das Zeitgeschehen erfordert von uns eine Antwort, einen Umgang. Antwort geben oder anders ausgedrückt „Ver-Antwortung“ wahrnehmen heißt, sich diesen Fragen zu stellen. Papst Franziskus trat in den Dialog mit den Menschen und Themen der Zeit. Immer wieder regte er Zusammenkünfte und Austausch an, um gemeinsame Antworten zu suchen, von denen er überzeugt war, dass kein Mensch sie alleine finden kann, sondern dass diese Verantwortung im gemeinsamen Hören auf den Willen Gottes liegt.

Gemeinsam unterwegs

Zentral und auch bleibend ist schließlich der Synodale Weg der Weltkirche. Hier prägte er ein Kirchenbild, das eine lebendige und dienende Kirche für die jeweilige Zeit beinhaltet. Hier gibt es eine große Nähe zu Gedanken Pater Kentenichs, die er in den Rom Vorträgen von 1964 formuliert hat. Der katholische Glaube ist in dieser Kirchenvision weniger vom „Was“ als vielmehr vom „Wie“ des Glaubens geprägt. Das gemeinsame Ringen fügte er sozusagen als Prinzip ins Herz der Kirche ein. Auch darin liegt eine große Gemeinsamkeit zur schönstättischen Art Synodalität zu leben. Wie im Lukasevangelium ist dies ein Grundelement marianischer Synodalität: Nach der Geburt Jesu kamen Hirten zu Maria und Josef berichteten ihr, dass Engel ihnen erschienen waren und die Erlösung der Welt durch dieses Kind verkündet hatten. Marias Reaktion auf diese unfassbare Botschaft war – so berichtet es Lukas – dass sie all dies in ihrem Herzen erwägt. Im griechischen Text steht hier „symballein“, was so viel wie zusammen werfen“ oder „hin und her werfen“ bedeutet und im lateinischen Text steht hier das Wort „conferre“ (dt. zusammentragen), woher auch das Wort Konferenz stammt. Themen, Fragen und Probleme, aber auch Freudige Botschaften und Verheißungen werden auf marianische Weise durch ein Abwägen im Herzen beantwortet. Durch die Synodalität, wie Papst Franziskus sie betont hat, findet dieses Abwägen im gemeinsamen Suchen nach dem Willen Gottes im Herzen der Kirche einen strukturell wirksamen Ausdruck.

Pater Felix Geyer kann die Fackel und das Feuer des Fackellaufes der Schönstattjugend im Vorfeld des Jubiläums 2014 auf dem Petersplatz von Papst Franziskus segnen lassen (Foto: privat)

Pater Felix Geyer kann die Fackel und das Feuer des Fackellaufes der Schönstattjugend im Vorfeld des Jubiläums 2014 auf dem Petersplatz von Papst Franziskus segnen lassen (Foto: privat)

Sein Feuer strahlt und leuchtet weiter. Das Feuer der Fackel, das Papst Franziskus zum Jubiläum 2014, zu Beginn des neuen Jahrhunderts der Schönstatt-Geschichte segnete, steht sinnbildlich für gemeinsames und ausstrahlendes Gehen auf vielen Wegen in die neueste Zeit. Die Stimme von Papst Franziskus wird noch lange nachhallen und uns als Schönstatt-Bewegung den ein oder anderen Weg weisen. Seine Anliegen, sein Leben und seinen Nachfolger wollen wir in unsere Gebete einschließen.

P. Felix Geyer
Schönstatt-Bewegung Deutschland


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