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Männer & Glaube – eine Herausforderung im Blick auf Zeit und Gesellschaft
Am Marienberg-Forum nahmen Männer aus allen Männergemeinschaften der Schönstatt-Bewegung teil (Foto: Hagmann)
Peter Hagman / Markus M. Amrein. Vom 21. bis 23. Februar 2025 trafen sich 25 Männer und einige Online-Teilnehmer aller Altersgruppen in Schönstatt, Vallendar, im Haus Tabor auf dem Marienberg zum 5. Marienberg-Forum. Das Thema „Männer & Glaube – zwei Welten oder eine Herausforderung?” wurde mit einem besonderen Blick auf die heutige Zeit und Gesellschaft bearbeitet.
Ein Blick auf Zeit und Gesellschaft
Hauptreferent der Tagung war Dr. Helmut Müller, Vallendar, em. Dozent für Theologie und Philosophie. In seinem Vortrag legte er auf anschauliche und leicht verständliche Weise dar, wie unterschiedliche philosophische Denkrichtungen den heutigen „Mainstream“ prägen, sowie zahlreiche gesellschaftliche Diskussionen und politische Entscheidungen mitbestimmen. Er beschäftigte sich damit, wie die beiden Begriffspaare „Glaube und Vernunft“ in Beziehung zur Wahrheit stehen. Papst Benedikt habe noch als Josef Ratzinger zum Ausdruck gebracht: „Der Kern der heutigen Krise ist der Verzicht auf Wahrheit.“
Mit einem Blick in die Geschichte ging Müller auch auf Persönlichkeiten wie Augustinus und Thomas von Aquin ein. Dabei legte er ihre Methoden und Überlegungen offen. So habe Thomas von Aquin eine sehr analytische Methode entwickelt, die sich zuerst mit den Argumenten der Gegenseite auseinandersetzte, bevor sie diese bis in kleinste Details widerlegen konnte. Ein solches Eingehen auf Argumente, so wurde in Rückmeldungen von Teilnehmern deutlich, wäre auch heute bei mancher Diskussion sehnlich wünschenswert.
Dr. Helmut Müller, Vallendar, war Gastreferent des Forums (Foto: Hagmann)
Auf der Suche nach der Wahrheit
„Glauben Sie mir nichts, hinterfragen Sie alles, Kopfnicker haben wir genug“, so zitierte Dr. Müller den Gründer Schönstatts, Pater Josef Kentenich, und regte dadurch an, sich mit den existenziellen Glaubens- und Sinnfragen zu befassen, „immer im Bewusstsein, das wir Menschen ein Leben lang die Wahrheit suchen und sie doch nur bekennend, nicht wissend(!), finden können.“
Revolution heiße heute, das Unterste wird nach oben gekehrt und umgekehrt. Der Mensch mache sich zum „Schöpfer“. Hier seien Christen gefordert, denn bei ihnen sei der Schöpfer ausschließlich „Gott“. Die Umdeutung von Wahrheit, wie sie täglich zu erleben sei, präge die heutige Zeit und verursache große Verunsicherung.
Für eine Kirche, die die Herzen erwärmt
Zu aktuellen kirchlichen Themen und zum „synodalen Weg“ konfrontierte der Referent die anwesenden Männer abschließend mit der Frage von Papst Franziskus: „Sind wir noch eine Kirche, die imstande ist, die Herzen zu erwärmen? Eine Kirche, die fähig ist, nach Jerusalem [zum Berg Tabor] zurückzuführen?“
Solche Fragestellungen rüttelten auf und so wurden am Samstagnachmittag im Plenum anhand der Präsentation vom Vormittag Punkte gesammelt, welche zum Nachdenken angeregt und Spuren hinterlassen haben. Methodisch wurden dazu immer wieder neue Gesprächspaare gebildet, die sich über die jeweiligen Folien austauschten.
Franz Bradler gab Zeugnis davon, wie er seinen Glauben im Alltag lebt (Foto: Hagmann)
Den Glauben im Alltag leben
Als Ergänzung zu den theoretischen Gedanken vom Samstag erzählte Franz Bradler am Sonntagmorgen ganz konkret, wie er seinen Glauben im Alltag lebt. Dabei sei es ihm wichtig, ganz persönliche Elemente in seine Gebete einzubeziehen oder auch bewusst persönliche Gedanken und persönliches Gedenken mit einzubauen. Für ihn sei das Gebet eine ständige Rückbesinnung auf seine Verbindung mit Gott und der Gottesmutter, „also ein Weg von unten nach oben, damit die Erde den Himmel berührt.“ Das gelte im Alltag, in den familiären Begegnungen oder auf dem Fußballplatz als Schiedsrichter. Auch im Ehrenamt, z.B. als Laienrichter oder Dozent sei ihm jeweils eine kurze Rückbesinnung auf seine religiösen Wurzeln immer neu eine „gebetsähnliche Gotteshinwendung in allen Lebenssituationen“.
30 Jahre Tabor-Heiligtum auf dem Marienberg
Ein weiterer thematischer Schwerpunkt war bereits am Freitag zur Eröffnung der Tagung die Feier des 30. Einweihungstages des Tabor-Heiligtums auf dem Marienberg. Markus M. Amrein, Schönstätter Marienbruder, der das Haus Tabor seit seiner Einweihung leitet, erzählte von vielfältigen Erfahrungen der Besucher des Tabor-Heiligtums und wie diese die Atmosphäre des Ortes wertschätzen und sich dort wohlfühlen. Beeindruckend war von den tiefgehenden Erfahrungen zu hören, die Menschen, egal welchen religiösen Hintergrund sie haben oder eben auch nicht, in dieser Atmosphäre des Heiligtums gemacht haben. Amrein betonte, dass das Wirken der Gottesmutter sich schon in der 40 jährigen Geschichte vor der Einweihung am 15. Oktober 1995 ganz real gezeigt habe. Aber ganz offenbar sei es ein Wunsch Gottes gewesen, dass gerade zu Beginn des 3. Jahrtausends dieser Gnadenort besonders für Männer gebaut werden konnte.
Gemeinschaftspflege, Gebet und Austausch
Neben allen inhaltlichen Themen gab es natürlich auch genügend Zeit für Gemeinschaftspflege und Austausch, für Gottesdienste und eucharistische Anbetung bis weit in die Nacht hinein. Die Onlineteilnehmer dieses Wochenendes bedauerten ausdrücklich, bei diesen Aktivitäten nicht in präsenz dabei sein zu können.
- Das Marienberg-Forum 2026 findet vom 6. bis 8. Februar 2026 statt.
