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12. Juni 2022 | International | 

Pioniere der Mitgestaltung der neuen Epoche werden


Die Delegierten unterzeichnen den "geschwisterlichen Brief an die internationale Schönstattfamilie" (Foto: Brehm)

Die Delegierten unterzeichnen den "geschwisterlichen Brief an die internationale Schönstattfamilie" (Foto: Brehm)

Hbre. Mit der Unterzeichnung des Abschlussdokumentes des Pfingstkongresses, einem „geschwisterlichen Brief an die internationale Schönstattfamilie“, der den Titel trägt: „Unser Brief seid ihr (2 Kor 2,3)“, ist die Versammlung von 145 Delegierten aus 30 Ländern in Schönstatt, Vallendar, am 12. Juni 2022 zu Ende gegangen. In dem in englischer Sprache verfassten Brief rufen die Delegierten die internationale Schönstattfamilie zu einem tieferen Verständnis des prophetischen Charismas und der Person Pater Kentenichs auf. Es sei nötig, sich in diesem Charisma zu verwurzeln, damit es für die Bewegung, die Kirche und die Welt fruchtbar werden könne. Das Dokument lädt die Schönstattfamilie dazu ein, das Charisma Schönstatts auf „lernende, offene und synodale Weise zu erneuern“ und es fordert die Mitglieder der Bewegung weltweit auf, mutig und geduldig zugleich, auf der Basis christlicher und schönstättischer Wurzeln, nach Antworten auf die heute drängenden Zeichen der Zeit zu suchen.

Plenum zum Abschluss des internationalen Pfingstkongresses (Foto: Brehm)

Plenum zum Abschluss des internationalen Pfingstkongresses (Foto: Brehm)

Eine Kultur des Dialogs, der Offenheit und des Zuhörens

In der abschließenden Plenumsversammlung des Pfingstkongresses war der Text des Dokumentes, der als Ergebnis der viertägigen Beratungen entstanden ist, vom Redaktionsteam im Plenum vorgestellt worden. Nach einer grundsätzlichen Zustimmung, die in anhaltendem Applaus und in dankbaren und freudigen Kommentaren zum Ausdruck kam, wurde es mit vielfältigen Anregungen angereichert, die während der Abschlussmesse des Kongresses noch eingearbeitet wurden. Ein wichtiger Abschnitt des Dokumentes widmet sich dem Thema Synodalität, die durch eine Kultur des Dialogs, der Offenheit und des Zuhörens gekennzeichnet sei. Dazu gehöre der Mut, „unsere Zerbrechlichkeit zu akzeptieren und unsere Haltungen auf der Grundlage eines jugendlichen Geistes neu zu definieren.“ Der kreative Beitrag der Schönstattfamilie zum Aufruf des Heiligen Vaters zur Synodalität sei das Liebesbündnis, das zu einer organischen Sichtweise, die Natur und Gnade verbindet, führe. „Für uns bedeutet dies, dass wir nicht nur auf die menschliche Vernunft hören sollten, sondern auch auf die Stimme Gottes, die zu uns spricht.“

Gottesdienst zum Abschluss des Pfingstkongresses in der Dreifaltigkeitskirche, Berg Schönstatt (Foto: Brehm)

Gottesdienst zum Abschluss des Pfingstkongresses in der Dreifaltigkeitskirche, Berg Schönstatt (Foto: Brehm)

Die Arche der Sicherheiten verlassen

Pater Heinrich Walter, ICS (internationale Koordination der Schönstatt-Bewegung), betont in seiner Predigt bei der Abschlussmesse des Kongresses, dass Gott die Bewegung einen weiteren Schritt in der Geschichte führe und Schönstatt neu für diese Zeit rufe. Die Vorgänge um P. Kentenich in der Schönstattfamilie hätten einen Reifungsprozess bewirkt. „Wir haben mehr Transparenz geschaffen, sind einander im Schmerz beigestanden, sind uns der Fragilität bewusster geworden und auch in der Demut gewachsen.“

"Kirche am neuen Zeitenufer" - Bild: Maria Elina, Argentinien (Foto: PressOffice Schönstatt, Brehm)

"Kirche am neuen Zeitenufer" - Bild: Maria Elina, Argentinien (Foto: PressOffice Schönstatt, Brehm)

Bezugnehmend auf ein Gemälde der Argentinierin Maria Elina, macht der Prediger deutlich, dass jetzt die Zeit sei, für die Gott Schönstatt ins Leben gerufen habe. „Es ist höchste Zeit, aus dem Boot auszusteigen, die Arche der Sicherheiten zu verlassen und an Land zu gehen.“ Der Gründer sei als erster ausgestiegen. Er gehe voran mit Wagemut und Vertrauen auf Gottes Führung. „Er sagt uns durch seine Glaubenshaltung: zögert nicht, zweifelt nicht, habt keine Angst! Es ist Zeit, in der aktuellen Kirche und Gesellschaft das einzubringen, was sich unter uns bewährt hat. Es ist die Zeit für den Dialog auf allen Ebenen.“

Pater Heinrich Walter macht weiter deutlich, dass es nun die Zeit sei „für Pioniere der Mitgestaltung der neuen Epoche“, die selbstlos der Erneuerung der Kirche dienten, wie es Papst Franziskus in Evanglii gaudium beschreibe. „Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient.“ (EG 27) Es gehe darum, so Walter, ohne Ängstlichkeit und mit klaren Überzeugungen und Entschlossenheit (EG 223) Prozesse in Gang zu setzen, und Handlungen zu fördern, die eine neue Dynamik in der Gesellschaft erzeugen. „Wer wirklich liebt, vergisst sich selbst, und sucht weder die Bestätigung noch die Anerkennung, denn die Liebe ist immer größer“, so der Schönstattpater.

Die Kongressteilnehmerinnen und Teilnehmer zum Abschlussfoto auf der Treppe der Anbetungskirche (Foto: Brehm)

Die Kongressteilnehmerinnen und Teilnehmer zum Abschlussfoto auf der Treppe der Anbetungskirche (Foto: Brehm)

Vielklang im Liebesbündnis

Bei diesem Kongress sei die Partizipation aller Generationen und Länder erlebt worden. Das lasse an diesem Dreifaltigkeitssonntag das Geheimnis der Dreifaltigkeit besser verstehen: Gott wolle die Vielfalt und Unterschiedlichkeit. „Wir lieben den Vielklang, in dem sich nicht eine Stimme auf Kosten der anderen durchsetzt“, zitiert der Prediger Christine Büchner. Er endet seine Ansprache mit einem Wort Pater Kentenichs vom 31. Mai 1949, das die Verbundenheit untereinander im Liebesbündnis beschreibt, eine Verbundenheit, die auch hineinführe ins Herz Gottes. Das sei die Erfahrung der vergangenen Tage gewesen. „Wir sind beieinander, um uns gegenseitig zu entzünden... Es ist ein Liebesineinander von Mensch zu Mensch, ein ewiges Liebesineinander.“

Am Ende des Gottesdienstes gehen die Delegierten in die Gründerkapelle, den Sterbeort Pater Josef Kentenichs, um den „Brief“ an die internationale Schönstattbewegung mit ihrem Namen zu unterzeichnen. Sobald entsprechende Übersetzungen des Dokumentes vorliegen, werden diese in den Ländern verbreitet.


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