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11. Juni 2022 | International | 

Weichenstellungen für das Schönstatt der Zukunft


Geistlicher Impuls: Pater Alexandre Awi Mello, Sekretär des Dikasteriums für Familien, Laien und die Fragen des Lebens, Rom (Foto: Brehm)

Geistlicher Impuls: Pater Alexandre Awi Mello, Sekretär des Dikasteriums für Familien, Laien und die Fragen des Lebens, Rom (Foto: Brehm)

Hbre. Am vierten Tag des internationalen Pfingstkongresses stehen für die Delegierten intensive Diskussionen über den Zukunftsweg der Bewegung an.

Optionen der jungen Generation in der Schönstatt-Bewegung werden vorgestellt (Foto: Brehm)

Optionen der jungen Generation in der Schönstatt-Bewegung werden vorgestellt (Foto: Brehm)

Kleines Pfingsten der jungen Generation

Die jungen Schönstätterinnen und Schönstätter auf dem Pfingstkongress haben sich während der Kongress-Tage immer wieder getroffen, um sich international über Optionen der jungen Generation in der Schönstatt-Bewegung auszutauschen. Dieser Gedanke, die Delegierten der jungen Generation zu einem „kleinen Pfingsten“ innerhalb des Kongresses einzuladen, war am Anfang der Tagung aufgekommen und hatte Energien geweckt. Der Samstagvormittag beginnt damit, dass drei jugendliche Teilnehmer die Ergebnisse dieser Gespräche vorstellen. Die Optionen werden vom Plenum mit großem Interesse aufgenommen.

Diesem Statement der jungen Generation folgt ein geistlicher Impuls von Pater Alexandre Awi Mello, Sekretär des Dikasteriums für Familien, Laien und die Fragen des Lebens im Vatikan. Er würdigt das Zeugnis der jungen Leute als ein Beispiel von Reife, Themen anzugehen, die heute zur Herausforderung werden. Aus seiner langjährigen Erfahrung mit jungen Menschen, aber auch in der Verantwortung seines Dikasteriums für die Jugend der Weltkirche hat er eine besondere Sensibilität für diese Generation.

"„Wir sind Kirche, wir sind ein Teil des Volkes Gottes, das in der Kirche und von der Kirche sein eigenes Charisma erhalten hat. Und jedes Charisma ist da für den Dienst, den Aufbau des Ganzen: der Kirche und der Gesellschaft." (Foto: Brehm)

"„Wir sind Kirche, wir sind ein Teil des Volkes Gottes, das in der Kirche und von der Kirche sein eigenes Charisma erhalten hat. Und jedes Charisma ist da für den Dienst, den Aufbau des Ganzen: der Kirche und der Gesellschaft." (Foto: Brehm)

Das Charisma Schönstatts für diese Zeit

In seinem Beitrag unter dem Thema „Das Charisma Schönstatts für diese Zeit“, den er aus einer persönlichen Perspektive verstanden wissen wollte, weist der aus Brasilien stammende Schönstattpater mit Nachdruck darauf hin, dass es nicht darum gehe, dass Schönstatt der Kirche helfen solle, ihre Zeitsendung zu erfüllen, sondern als Kirche und in der Kirche. Jede charismatische Gründung sei in Versuchung, sich im Gegenüber zur Kirche zu sehen. Diese Sicht sollte Schönstatt nicht pflegen.  Ohne die Kirche existieren wir nicht, und nur in der Kirche haben wir ‚Existenzrecht‘“, so Pater Awi Mello. Er verweist auf das Wort „dilexit ecclesiam“, das Pater Kentenich sich als Grabinschrift wünschte: Alles, was wir als Schönstattbewegung sind und tun, geschieht, weil wir Kirche sind und dieses „Kirche sein“ lieben, ja, weil wir die Kirche lieben.

Dabei sei es wichtig, dass Schönstatt sich nicht in sich selbst verschließe. Pater Kentenich habe oft betont, dass Schönstatt kein „Selbstheiligungsclub“ sei. Die Bewegung brauche das Bewusstsein ihrer Sendung. Aber sie müsse auch, wie jede Bewegung, zwei Versuchungen meiden: „Erstens die Versuchung des ‚Größenwahns‘, d.h. uns für die Besten zu halten, als ob ‚wir schon alle Antworten hätten‘; und zweitens die der ‚Selbstbezogenheit‘, die der Papst in der Begegnung mit Bewegungen immer verurteilt“, so der Pater.

Die Bewegung müsse sich einerseits, gerade auch aufgrund der Anschuldigungen gegen ihren Gründer, sehr ernst mit ihren Grenzen auseinandersetzen. Andererseits gelte es auch, die entgegengesetzte Versuchung zu vermeiden: „die Versuchung des ‚Minderwertigkeitskomplexes‘, des ‚uns klein Machens‘ angesichts der Herausforderungen, die die Kirche und die Gesellschaft erleben, so als ob wir nichts mehr zu sagen hätten, als ob wir um Verzeihung dafür bitten müssten, dass es uns gibt, und um die Erlaubnis, sprechen zu dürfen.“ Schönstatt, so betonte Mello, habe eine charismatische und prophetische Sendung. Dieses Charisma Schönstatts sei für die Gegenwartskirche wichtig.

Eindringlich macht Pater Awi den Zuhörerinnen und Zuhörern die Herausforderungen für Schönstatt und Kirche heute deutlich (Foto: Brehm)

Eindringlich macht Pater Awi den Zuhörerinnen und Zuhörern die Herausforderungen für Schönstatt und Kirche heute deutlich (Foto: Brehm)

Herausforderungen

Als Herausforderungen nennt Alexandre Awi Mello das Engagement für eine Kirche im Aufbruch, die zu einem missionarischen Wirken in der Welt bis hin zur Option für die Armen und Ausgegrenzten gerufen sei. Es müsse eine barmherzige, einladende und offene Kirche sein, die – angesichts der Missbrauchsproblematik – der Demut, Einfachheit und Transparenz eine große Bedeutung beimesse. Die offenen Fragen nach Spiritualität, der Bedeutung der Laien, des Beitrags der Frauen, der Abwesenheit von Christen in Politik, Wirtschaft und Pädagogik, der Fragen um Jugend und Familie sowie den neuen Herausforderungen der Arbeitswelt, verlangten nach kreativen Antworten. Besonders dringlich seien Fragen der sozialen Ungleichheit und der Ökologie. Eine synodale Kirche, eine Kirche des Dialogs und des Zuhörens sei heute notwendig, die ökumenisch nach universeller Geschwisterlichkeit und Frieden strebe. Awi Mello zeigt sich überzeugt, dass Stichworte wie Bündniskultur, Werktagsheiligkeit, Spurensuche und eine marianische Kirche, wie sie im Liebesbündnis wächst, Anregungen aus dem Schönstatt-Charisma seien, die jetzt gebraucht werden. Pater Kentenich habe gesagt, dass Schönstatt für das „Übermorgen“ der Geschichte geboren wurde. Diese Zeit sei jetzt, so der Referent. Er endet mit dem Aufruf: Lasst uns gemeinsam in die Zukunft aufbrechen, die gerade erst beginnt.

Pater Felix Geyer leitet den Prozess der Sammlung, Bündelung und Priorisierung, sowie die weitere Erarbeitung des Textes für das angezielte Memorandum (Foto: Brehm)

Pater Felix Geyer leitet den Prozess der Sammlung, Bündelung und Priorisierung, sowie die weitere Erarbeitung des Textes für das angezielte Memorandum (Foto: Brehm)

Die Suche nach Konkretionen des weiteren Weges

Der Beitrag Awi Mellos war eine Einstimmung auf die Arbeit, die nun vor den Delegierten liegt: Während der vorausgehenden Tage hat ein Reflexionsteam aus den Reihen der Delegierten fortlaufend die Ergebnisse und Lebensströme beobachtet und evaluiert. Diese werden nun im Plenum vorgestellt als Grundlage für die Diskussion in Sprachgruppen. Die Gruppen tauschen sich über Zentralwerte aus. Im Plenum werden sie gebündelt und schließlich durch die Methode des Punktens priorisiert. Während sich am Nachmittag die Kontinente bzw. Länder treffen, um die Überlegungen für ihr Gebiet auszuwerten, arbeitet das Reflexionsteam aufgrund der Voten an der Schwerpunktfindung für das Memorandum. Der Nachmittag endet mit einem Plenum, in dem das Reflexionsteam seine Ergebnisse vorstellt, aber auch die Länder Erkenntnisse aus ihren Besprechungen einbringen. Am Ende steht eine große Dankesrunde für alle, die sich für diesen Kongress investiert haben. Während sich dann einige Mitglieder des Reflexionsteams zurückziehen, um das Memorandum über Nacht zu erarbeiten, klingt für alle anderen der Tag mit einer Schifffahrt auf dem Rhein gesellig aus.

Das Plenum des Pfingstkongresses (Foto: Brehm)

Das Plenum des Pfingstkongresses (Foto: Brehm)


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