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28. August 2020 | Impuls aus Schönstatt | 

Pulsierende Strukturen – Interview zur Instruktion aus Rom


Impuls aus Schönstatt (Foto: Brehm)

Die Kleruskonkregation, eine vatikanische Behörde, hat die Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ veröffentlicht.

Beim Lesen des Textes fällt auf – so in einem Beitrag auf der Website www.pastoral-am-puls.de –, was das Hauptanliegen der Autoren ist: die Laien von allen Formen der Leitung fernzuhalten, den Anfängen zu wehren, selbst „Bezeichnungen zu vermeiden, die an Leitung erinnern“.(96) Natürlich braucht man ihre Mitarbeit. Aber haben sie auch Rechte? Ein Recht wird genannt: das „Recht, … ihre Meinung … mitzuteilen.“(112) Der Pastoralrat der Laien, möglichst Personen, „die in der Pastoral der Pfarrei wirkliche Verantwortung tragen“ (114), „hat nur beratendes Stimmrecht“ (111), hat nach den Beratungen lediglich „praktische Schlussfolgerungen vorzulegen“ (110), die der Pfarrer zu „prüfen“ und zu „bedenken“ hat. (113) Der Text ist ganz im Blick und im Interesse der Priester geschrieben. Sie sollen vor dem Extrem bewahrt werden, ihrer Rolle „beraubt“ zu werden. (113)  

Besonders in der deutschen Kirche gab es eine große Empörung über den Text. Viele Bischöfe, Priester und Laien drückten ihren Unmut aus. Viele Laien fühlen sich in ihrem Engagement nicht ernstgenommen und wertgeschätzt und fragen sich, wie eine gute Zusammenarbeit gelingen kann.

In einem Interview hat nun Pfarrer Kurt Faulhaber auf der Website www.pastoral-am-puls.de dargestellt, wie das praktische, geistliche Miteinander aller – fern von theoretischen Diskussionen – aussehen kann.
Die Redaktion Impuls aus Schönstatt dankt Faulhaber für die freundliche Genehmigung der Veröffentlichung des Interviews auf dieser Seite.

Für die Redaktion Impuls aus Schönstatt
Hubertus Brantzen


Pfr. Kurt Faulhaber (Foto: privat)

Pfr. Kurt Faulhaber (Foto: privat)

Frage an Herrn Pfarrer Faulhaber: Was sagt denn die Pastoral am Puls, die aus der Spiritualität der Schönstatt-Bewegung erwachsen ist, zum Klerikalismus gegenüber Laien, zu Strukturreformen und all dem?
Faulhaber: Weiß ich nicht.

Frage: Aber du hast doch auf der Seite www.pastoral-am-puls.de zur Instruktion aus Rom geschrieben
Faulhaber: Ja, meine Meinung. Die Pastoral am Puls legt keine Positionen fest. Man diskutiert darüber, aber lässt Freiheit. 

Frage: Aber man muss doch seine Überzeugungen einbringen. Sich auf der Suche nach Antworten beteiligen. Nur gemeinsam hat man ein Gewicht.
Faulhaber: Die Pastoral am Puls sucht intensiv nach Antworten. Mehr nach gelebten Antworten.

Frage: Was sind gelebte Antworten? Zum Beispiel beim Miteinander von Priestern und Laien. Wer darf leiten?
Faulhaber: Eine gelebte Antwort: Da sitzt eine Gruppe um eine Schriftrolle. Jeder schreibt seine stärkste Erfahrung darauf. Ob der jung oder alt, Mann oder Frau, Priester oder Laie ist, das macht keinen Unterschied. Und wenn ein Bischof dabei ist …

Frage: Dann macht der den Unterschied.
Faulhaber: Nein, der wartet, bis er an der Reihe ist. Spricht nicht mehr oder länger als jeder andere. Dem höre ich nicht anders zu als der Gemeindereferentin. Wenn alle gesprochen haben, folgt die Frage: Was von dem Gesagten hat die Herzen am meisten berührt? Gott spricht nicht mit der Stimme der Macht, sondern in den Stimmen der Herzen.

Frage: Aber wer entscheidet?
Faulhaber: Die alle verbindende Frage lautet: Was sagt uns Gott durch das Geschehene, das wir voneinander gehört haben? Zu was regt sein Geist unsere Herzen an? Es ist ein gemeinsames Hören. Daraus entsteht fast immer eine Einmütigkeit. Wir kämen nie auf die Idee, einen Satz zu sagen wie den der Instruktion, dass die „Priester zusammen mit dem Bischof an erster Stelle der grundlegende Bezugspunkt für die Pfarrgemeinde“ sind (62) Der buchstäblich „grund-legende“ Bezugspunkt ist Christus, der durch seinen Geist in unserem Miteinander spricht.

Frage: Aber es muss Letztentscheider geben. Und es braucht Strukturen.
Faulhaber: Es braucht Strukturen, wie der Leib das Skelett.

Wir entwickeln im Kleinen Strukturen, z.B. Strukturen fruchtbarer Gespräche, Strukturen geistlicher Prozesse. Alles Leben entfaltet sich in Strukturen. Die können aber auch versteinern; dann blockieren sie das Leben. Sie müssen lebensdienlich, beweglich, vorläufig sein. Mal bahnt sich das Leben seinen Weg in den Kanälen der Strukturen, mal sucht es andere und auch neue Wege, mal wirkt es gegen überholte Strukturen.

Frage: Wo bleibt das Missionarische?
Faulhaber: Die Pastoral am Puls spricht sich herum, Leben weckt Leben, Leben überträgt sich auf andere. So breitet sie sich aus. Ist nicht so die Kirche entstanden und gewachsen?
Vor einigen Tagen schrieb mir jemand Erfahrungen in Südamerika von einer „Kirche, die ganz vom Leben der Menschen ausgeht, die aufgreift, was aus dem Leben heraus wächst, die dies schützt und fördert. In der >inkarnierten Kirche< sind Kleriker, Laien, Hauptamtliche, Ehrenamtliche, alle dabei – es ist keine strukturierte Kirche – sondern eine aus dem Leben kommende und Leben fördernde Kirche.“

Frage: Ist das eine gelebte, am Leben abgelesene Antwort?
Faulhaber: Meiner Meinung nach: ja.

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