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4. Juli 2020 | Deutschland | 

Offen auf alle Klärungen zugehen – „Wort zur Situation“ an die deutsche Schönstatt-Bewegung


Offen auf alle Klärungen zugehen (Foto: Pixabay.com)

Offen auf alle Klärungen zugehen (Foto: Pixabay.com)

Die deutsche Schönstatt-Bewegung setzt sich dafür ein, dass die Geschichte der Bewegung mit einem heute neu entwickelten Bewusstsein "im Blick auf den Umgang mit geistlicher Macht und das Hineinwirken in seelische Vorgänge" neu aufgearbeitet wird. Das wird aus einem „Wort zur Situation“ von Pater Ludwig Güthlein, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland, und dem Zentralrat (die Vertreter der Familien-, Frauen-, Männer- und Priestergemeinschaften sowie der Wallfahrt) der zur Bewegung gehörenden Gemeinschaften deutlich. Hintergrund für den Brief sind in den letzten Tagen veröffentlichte Vorwürfe gegenüber Pater Josef Kentenich.

Wort zur Situation
im Namen des Zentralrates der deutschen Schönstattbewegung

Die Nachrichten der letzten Tage mit Vorwürfen an Pater Josef Kentenich machen in der weltweiten Schönstatt-Bewegung die Runde und lösen Betroffenheit und Verunsicherung aus.

Wir sind schockiert und traurig, dass so etwas über Pater Kentenich geschrieben wird. Wenn jemand über unseren Gründer so etwas schreibt, wollen wir als Schönstattbewegung als erste, dass diese Anschuldigungen geprüft werden. Es trifft uns doppelt hart, weil uns Ehrfurcht vor der Freiheit jedes Menschen in unserer Spiritualität und in unserer Pädagogik zentral wichtig sind. Schönstatt will ein Raum sein, in dem Menschen in ihrer Würde geachtet und geschützt sind.

Die Erfahrungen derer, die Pater Kentenich gut gekannt haben, geben keinerlei Anlass zu den erhobenen Verdächtigungen gegen seine Person.

Durch kirchliche - also von Schönstatt unabhängige - Autoritäten gab es eingehende Untersuchungen von Anschuldigungen gegen Pater Kentenich in Zusammenhang mit dem Konzil unter maßgeblicher Beteiligung führender Konzilsvertreter und im Zusammenhang mit den Arbeiten am Seligsprechungsverfahren. Dass aus diesen Untersuchungen der Seligsprechungsprozess möglich wurde, spricht für sich und ist für uns eine wichtige Bestätigung.

In zwei Stellungnahmen am 1. und 2. Juli hat das Generalpräsidium der Schönstattbewegung die Vorwürfe gegen Pater Kentenich zurückgewiesen. Diese Stellungnahmen kann jeder auf der Homepage schoenstatt.de lesen. Die nächsten Schritte werden nun gemeinsam geplant.

Was können wir als Schönstattbewegung zur weiteren Aufarbeitung tun?

Wir sehen die Veröffentlichung über die bisherigen Klarstellungen hinaus als einen Impuls, eine Aufarbeitung der Fragen aus heutiger Perspektive anzugehen.

So, wie die Diözesen ihre Geschichte aufarbeiten mit einem neu entwickelten Bewusstsein im Blick auf den Umgang mit geistlicher Macht und das Hineinwirken in seelische Vorgänge, sprechen wir als deutsche Schönstatt-Bewegung dafür, dass von den Leitungsgremien Schönstatts mit externer und unabhängiger Hilfe eine erneute Erarbeitung in Gang gebracht wird. Wir begrüßen und unterstützen alle Schritte dazu.

In einem weiteren Kontext, wenn es um die Beziehung zum Gründer geht, braucht es auch eine Erarbeitung des zentralen Anliegens, das für Pater Kentenich dahinter steht. Seine Überzeugung und seine Erfahrung war es, dass Menschen aus einer guten Bindung heraus (menschlich und religiös) zur inneren Freiheit und Stärke gelangen. Ohne eigene Erfahrung ist das schwer zu vermitteln. Dieses Grundanliegen, sein Vorgehen und seine Konkretisierungen in die Bewusstseinslage und in die Sensibilität unserer Zeit zu transponieren, ist die Herausforderung in der wir stehen.

»Der Geist Gottes wohnt in eurer Mitte!« (1Kor 3,16) – Klima wandeln

Wir sehen in der Situation auch einen Fingerzeig Gottes, die Situation im Licht unseres Jahresmottos zu betrachten: Welcher Geist und welches Klima werden uns im Blick auf diese Situation bestimmen?

Wir gehen offen auf alle Klärungen zu. Es gehört dazu, dass Persönlichkeiten der Geschichte und auch die Heiligen der Kirche in den Veränderungen der Zeit immer wieder neu wahrgenommen werden. Person und Charisma Kentenichs geben unserem Leben Orientierung. Deshalb gehen wir mit großer Ehrfurcht und Wertschätzung mit seiner Biografie um. Aus dieser Haltung gehen wir auch mit allen Erkenntnissen zu seinem Leben und Wirken um.

Wir glauben: Gott hat etwas vor. Er führt – manchmal auch durch Vorwürfe und Verunsicherungen. Das haben wir in der Geschichte der Schönstattfamilie schon oft erfahren. Möge uns die Gottesmutter im Liebesbündnis helfen, in diesem Klima des Vertrauens und der Zuversicht zu wachsen.

Üben wir uns darin, im Alltäglichen unseres Lebens offen zu sein für den Geist Gottes, „der in unserer Mitte wohnt“, wie der Hl. Paulus sagt.

Es ist auf jeden Fall ganz im Sinne unseres Gründers, wenn wir alle zusammenwirken, dass Schönstatt in unserem Land eine der – im biblischen Sinne  – „guten Früchte“ des Wirkens Pater Kentenichs ist.

Mit herzlichen Grüßen vom Heiligtum der Gottesmutter in Schönstatt
P. Ludwig Güthlein


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