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26. November 2019 | Impuls aus Schönstatt | 

Austrittswelle – Kirchenaustritt vom Leben her betrachtet


Impuls aus Schönstatt (Foto: Brehm)

Eine Frau erzählte in einer Gruppe, sie sei nun aus der Kirche ausgetreten. Was sich gegenwärtig in der Kirche abspiele sei unerträglich. Zudem fühle sie sich als wiederverheiratete Geschiedene seit langem nicht mehr als gleichberechtigtes Mitglied in der Kirche. Sie komme sich vor wie eine Aussätzige. Dennoch habe sie sich lange Zeit in ihrer Gemeinde engagiert. Doch nun sei das Maß voll. Das heiße jedoch nicht, dass sie nicht mehr an Gott glaube. Nur mit dem amtskirchlichen Apparat wolle sie nichts mehr zu tun haben.

Das ist eine neue Erfahrung für die Gemeinden: Menschen, die bisher Aufgabe übernommen hatten, sogar Mitglied in Pfarrgemeinderat waren, melden sich ab. Es sind nicht mehr nur die, die sowieso auf dem Absprung waren.

Jedes Jahr steigen eine Großstadt aus der evangelischen und eine aus der katholischen Kirche aus. Im Jahr 2018 waren es um die 395.000 Protestanten und knapp 309.000 Katholiken. Die jährlich wiederkehrenden und sich steigernden Zahlen sind Anlass, nicht nur über das Phänomen zu jammern und es zu analysieren, sondern etwas zu tun.

Ein erster Schritt ist sicher der, nicht alle, die aus der Kirche austreten, über einen Kamm zu scheren.

  • Da gib es sicher die, sie sich seit langem der Kirche entfremdet haben. Seit der Erstkommunion gab es keinen Kontakt mehr – außer dass sie Kirchensteuer zahlten. Die gegenwärtige Krise der Kirche ist nun Anlass, den letzten Schritt zu gehen.
    • Da gibt es ferner Menschen wie jene Frau im Gespräch, die sich eigentlich mit der Gemeinschaft der Kirche verbunden fühlen, sich aber nun über den Reformstau so sehr aufregen, nicht zuletzt über die Diskussion über die mangelnde Teilhabe der Frauen, dass sie die Nase voll haben.
    • Dann gibt es Menschen, die einen langen Leidensweg mit der Kirche hinter sich haben. Es sind oft schlechte Erfahrungen mit Pfarrern oder anderen Hauptamtlichen, das Gefühl, etwa aufgrund von Scheidung und Wiederverheiratung ausgeschlossen, ja ausgestoßen zu sein. Alle Beschwichtigungen helfen nicht, weil sie sich einfach persönlich verletzt fühlen. Sie wollen den Leidensweg beenden und wenigstens nicht mehr an ihn denken.
    • Sicher gibt es auch die, die einfach Kirchensteuer sparen wollen. Nicht selten sind es solche, die während ihres Arbeitslebens zig Tausende Euros an Kirchensteuer gezahlt habe und jetzt sagen: Es reicht – und mit meiner Beerdigung werden wir sehen!

Als vor Jahren der Streit entstand, ob einer, der sich von der Kirchensteuer abmeldet, exkommuniziert sei, legte die Bischofskonferenz fest: Wer austritt, bekundet zugleich seinen Bruch mit der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden und darf nicht mehr an den Sakramenten teilhaben.

Immer noch die althergebrachten Handlungsmuster: ausschließen und bestrafen. Es ist wohl an der Zeit, genauer hinzuschauen – und Türen offen zu halten oder neu zu öffnen.

Redaktion Impuls, Schönstatt

Leserreaktionen

27.11.2019, 07:42

Ich frage mich, ist nicht auch hier Schönstatt ein Spiegelbild der Kirche?
Wieviele Ex- Schönstätter kenne ich, die bis heute darunter leiden, dass Sie sich zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben stark engagiert hatten, dann kam es zu Fragen und Verletzungen. Vielleicht war da ein Pater, der seine Beziehungen danach ausrichtete, ob die Familie bedeutend war, vielleicht gab es eine Marienschwester, die die Lebensweise der Jugendlichen deutlich ablehnte und damit suggerierte: „Du passt nicht zu uns.“ Vielleicht erlebte eine Junge Frau, dass die Beziehungen im Leitungsteam Zweckbeziehungen waren, solange sie sich engagierte war sie wichtig, als sie dieses - aus welchem Grund auch immer - nicht mehr konnte, meldete sich niemand mehr bei ihr. Alles reale Fälle, die ich kenne.
Warum gibt es soviele Ex-Schönstätter?
Schönstatt als Spiegelbild der Kirche.

Andrea Schwarz, Freiburg

03.12.2019, 17:24

Viele (engagierte) Katholiken haben sich vermutlich zu wenig damit beschäftigt, das Wesen der Kirche Jesu zu ergründen. Die Verfehlungen im Klerus / in der Gemeinde sollten kein Grund sein, der Gemeinschaft der Gläubigen den Rücken zu kehren.
Wiederverheiratung Geschiedener: Dazu ist der Platz hier zu klein..

Name: nicht angegeben, Düsseldorf

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