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24. Oktober 2018 | Deutschland | 

Oktobertreffen 2018: Apostelzeit - Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen


Pater Ludwig Güthlein beim Oktobertreffen der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Foto: Brehm)

Pater Ludwig Güthlein beim Oktobertreffen der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Foto: Brehm)

Cbre/Hbre. Die Schönstatt-Bewegung Deutschland hat mit dem Oktobertreffen 2018 ihre neue Jahresarbeit unter dem Leitwort Apostelzeit – „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“ Apg 1,8 begonnen. In seinem Anfangsimpuls spannte Pater Ludwig Güthlein, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland, einen großen Bogen, ausgehend vom Leitmotiv „Gründergeist“ des Kentenichjahres 2018 hin zum Leitmotiv „Apostelzeit“ für das Jahr 2019.

Plenum des Oktobertreffens in der Aula der Dreifaltigkeitskirche (Foto: Brehm)

Plenum des Oktobertreffens in der Aula der Dreifaltigkeitskirche (Foto: Brehm)

Ein großes Plakat visualisiert das Motto der Jahresarbeit der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Foto: Kröper)

Ein großes Plakat visualisiert das Motto der Jahresarbeit der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Foto: Kröper)

Pater Ludwig Güthlein, Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Foto: Kröper)

Ein großes Plakat visualisiert das Motto der Jahresarbeit der Schönstatt-Bewegung Deutschland (Foto: Kröper)

Neugründung und Neuaufbau braucht Apostel

Neugründung und Neuaufbau der Bewegung erfordere Menschen, die Apostelqualität und Apostelmentalität ausbilden und den Zupackwillen entwickeln, durch geöffnete Türen zu gehen. Dazu brauche es aber den Heiligen Geist: „Wir müssen ihn einladen zu uns, zu ihm rufen, ihm unser Wollen anvertrauen“, rief Güthlein den Verantwortlichen in der Bewegungsarbeit und den Projektverantwortlichen zu, die zum diesjährigen Oktobertreffen nach Schönstatt gekommen waren.

Wer von Apostelzeit spreche, müsse sich über seine persönlichen Gefühle gegenüber der Zeit klar werden: „Habe ich mich aufs Jammern eingestellt oder auf die aktive Beteiligung an Veränderung?“, das sei für Apostel eine wichtige Frage. Dramageschichten erzählen, das sei einfach, lasse aber ein schales Gefühl zurück, so Güthlein. Den Blick auf die vielfältigen und wunderbaren Veränderungen zu lenken, sei allerdings auch schwieriger. In einer solchen Situation seien Menschen gefragt, die an den Anfang glauben und sich auf Neuanfänge einlassen, „auch wenn man noch nicht viel davon sehen kann, wohin der Weg geht.“ Von den Aposteln der Bibel sei Wirkung ausgegangen. Christen seien damals „die vom neuen Weg“ genannt worden. Apostelzeit brauche Menschen, die Apostelmentalität entwickeln und die beginnen, Leben zu gestalten und Klima zu prägen. Der Leiter der Schönstatt-Bewegung Deutschland richtete zum Abschluss seines Impulses den Wunsch an die Versammlung, „dass wir in diesem Jahr viele kleine Schritte durch geöffnete Türen gehen.“

Predigt: Pater Michael Czysch, Standesleiter der Schönstattbewegung Frauen und Mütter (Foto: Kröper)

Predigt: Pater Michael Czysch, Standesleiter der Schönstattbewegung Frauen und Mütter (Foto: Kröper)

Musikalische Gottesdienstgestaltung: Projektgruppe der Schönstattbewegung Frauen und Mütter (Foto: Kröper)

Musikalische Gottesdienstgestaltung: Projektgruppe der Schönstattbewegung Frauen und Mütter (Foto: Kröper)

Pater Antonio Bracht, Rektor des Urheiligtums und Mitglied der internationalen Leitung der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres (Foto: Kröper)

Pater Antonio Bracht, Rektor des Urheiligtums und Mitglied der internationalen Leitung der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres (Foto: Kröper)

Dass die Liebe ihre Kraft und Dynamik entfalten kann

Vorangegangen war eine Eucharistiefeier in der Dreifaltigkeitskirche, die von Sängerinnen und Instrumentalistinnen aus der Schönstattbewegung Frauen und Mütter ansprechend gestaltet wurde. Pater Michael Czysch, der erstmals als Hauptstandesleiter der Schönstatt-Frauengemeinschaften der Feier vorstand, führte in seiner Predigt aus, dass Apostelzeit bedeuten könne, „das weiterzugeben, was für mich Schönstatt ist“ und dies zu tun  „schöpferisch, treu, beherzt, etwas verrückt und  kreativ.“ „Sie wissen gar nicht“, so ruft er den Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmern engagiert zu; „was Großes in Ihnen steckt!“ Schönstätter hätten eine wertvolle Botschaft zu bringen. Das Dilexit ecclesiam (Er liebte die Kirche) des Gründers heiße, mit ihm mitwirken und dabei alles zu tun, dass die Liebe ihre Kraft entfalten könne, dass die Dynamik der Liebe wieder mehr zur menschlichen Grundkraft des Denkens, Fühlens und Liebens werden könne. Als Apostel sei jeder berufen, andere teilhaben zu lassen an der Freude, die ihn erfülle und dann andere zu begleiten und zu ermutigen. Jeder habe da seine ganz eigene Art, aber jeder sei ganz wichtig.

Der Zukunft mit Vertrauen entgegen gehen

Dankbar waren viele der Teilnehmer am Oktobertreffen, über die Worte von Pater Antonio Bracht, Rektor des Urheiligtums und gleichzeitig Mitglied der internationalen Leitung der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres, zum Fall ihres Mitbruders Francisco José Cox, der vom Vatikan in jüngster Zeit wegen Missbrauchsvorwürfen aus dem Klerikerstand entlassen wurde. Pater Bracht betonte, dass die ersten Gedanken bei den Opfern seien, „zu denen wir solidarisch stehen und mit denen wir leiden. Wir sind erschüttert, betroffen und tief beschämt. Die begangenen Delikte bedeuten für uns eine Schande und einen großen Schmerz.“ Die Patresgemeinschaft habe auch vollstes Verständnis für Gefühle der Enttäuschung, der Trauer oder sogar der Wut innerhalb der Schönstattfamilie, die in ihrem Ansehen und guten Ruf mitleide. Auch wenn der ganze Vorgang schwer zu tragen erscheine und lähmend wirken könne, so wolle die Gemeinschaft doch der Zukunft mit Vertrauen entgegen gehen, den Weg der Wahrheit in Demut gehen und in großer Transparenz zu einer tiefen Bekehrung finden. „Heute mehr denn je wollen wir uns bemühen, gute Priester und Seelsorger im Geiste unseres Vaters zu sein und immer mehr zu werden“, so Pater Antonio.

Pfingstmotivfenster in der Gründerkapelle

Zum Programm des Vormittages und als Teil eines Rückblicks auf das Kentenichjahr, gehörte auch ein kurzer Film über die Feiern, die zum 50. Todestag des Gründers am 14./15. September sowohl in Schönstatt als auch an vielen Schönstattzentren deutschlandweit stattgefunden haben. Beeindruckend, dass das Fenster mit dem Pfingstmotiv, das in der Gründerkapelle angebracht wurde, sowohl als Kerzenmotiv, als auch auf den Festschriften und Postkarten immer wieder auftaucht. Es wird begeistert aufgenommen und findet Verbreitung. Dazu trug auch ein kurzer Film über die Künstlerin, Maria Kiess, bei, die den Entstehungsprozess des Fensters vorstellte und eine künstlerische Deutung des Fensters vornahm.

Impuls zum Thema Apostolat: Christine und Erwin Hinterberger, Windach  (Foto: Brehm)

Impuls zum Thema Apostolat: Christine und Erwin Hinterberger, Windach  (Foto: Brehm)

Was uns apostolisch macht

Ganz praktische Anregungen für die Apostelzeit erhielten alle Versammelten im ersten Impuls des Nachmittags, den Ehepaar Christine und Erwin Hinterberger aus Windach beisteuerten. In vielen kleinen und großen, bewegenden Beispielen wurde deutlich, dass es „keinen Masterplan mit To-do-Listen für jeden gibt, möglichst noch mit vorgegebener Wirkung.“ Schönstatt lege Wert auf freie, starke Persönlichkeiten, die sich einbringen, in einer Gemeinschaft, die getragen ist vom In-, Mit- und Füreinander. Meist seien es Situationen, die so nicht geplant sind, in denen Gott jemanden als Apostel brauche. „Z.B. wenn der Nachmittag durchgetaktet ist und dann die Nachbarin kommt und man spürt, sie will reden, sie braucht jetzt jemanden.“ Dann heiße es: „Mich mit dem Himmel verbünden.“

Dass die Gottesmutter alle „Typen“ als Apostel brauchen könne, werde an Petrus und Paulus deutlich. Der eine der Herztyp, der andere der Kopftyp. Und ebenso einen ängstlichen Timotheus und einen beziehungsorientierten Johannes. Dabei sei Beweglichsein in einer ständig sich ändernden Welt für Apostel überlebensnotwendig. „Selten vergeht ein Tag, an dem alles nach Plan läuft. In einer Welt unbegrenzter Kommunikationsmöglichkeiten ist der Ausbau von Bindungen im Hier und Jetzt unbedingt nötig, damit ein Raum entsteht, wo Kommunikation und Vertrauen möglich wird und Begegnung tatsächlich stattfinden kann“, so Ehepaar Hinterberger.

"Was die Kirche zukunftsfähig macht" - Impuls von Professor Dr. Christian Hennecke, Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim (Foto: Brehm)

"Was die Kirche zukunftsfähig macht" - Impuls von Professor Dr. Christian Hennecke, Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim (Foto: Brehm)

Was die Kirche zukunftsfähig macht

Professor Dr. Christian Hennecke, Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim, hielt zum Abschluss des Nachmittages einen ermutigenden Vortrag, der Lust auf Neuaufbruch machte. Früher habe es ein katholisches Aquarium gegeben, in dem die kleinen Fische von den großen trainiert worden seien. Mit Beginn der 60ger Jahre seien die Gläser des Aquariums aufgelöst worden, seither schwämmen die Fische im Meer. Glaube sei heute zur persönlichen Lebensgeschichte geworden. Das sei nicht schlimm, nur herausfordernd.

Anhand verschiedenen biblischer Textbezüge, machte Henneke deutlich, dass Menschen sich nicht gerne auf Veränderungen einlassen, gerade das aber für Apostel gefragt sei. Apostel bräuchten auch ein neues Sehen damit sie erkennen, wo man Altes sterben lassen muss, damit Neues wachsen kann. Wichtig sei für Apostel der Zusage Jesu zu vertrauen: „Nicht ihr macht etwas Neues, sondern ich schaffe Neues!“ Apostel sein heiße nicht, viel Erfolg zu haben, oder zu sehen, dass etwas herauskommt. Apostel bräuchten die Geduld darauf zu warten, dass Neues wächst, etwas, das sie nicht kennen und von dem sie nicht wissen, wie es aussehen wird.

Abschluss des Nachmittages und Zusammenfassung des Oktobertreffens durch Pater Güthlein (Foto: Brehm)

Abschluss des Nachmittages und Zusammenfassung des Oktobertreffens durch Pater Güthlein (Foto: Brehm)

Zuversichtsfreude

Pater Güthlein verband zum Abschluss des Nachmittages alle Impulse des Tages miteinander. Durch das Erlebnis der vergangenen Jahre und besonders auch das Erlebnis des 15. Septembers in diesem Jahr sei an vielen Stellen Zuversichtsfreude wach geworden, die nun in die Apostelzeit münde und weitergehen solle. Wie es konkret gehen könne, dazu hätte Ehepaar Hinterberger viele Beispiele gegeben. Dr. Hennekes Referat habe gezeigt, dass es in der Apostelzeit vor allem auch darum gehe, Umdenkprozesse zuzulassen und voran zu bringen.

Mit den zukunftsweisenden Worten: „Lasst uns nicht fragen, wie viel, sondern wo etwas wächst. Da ist Leben, wo Neues dazukommt. In diesem Moment wächst Zukunft - Apostelzeit“ und einer herzlichen Einladung zur Liebesbündnis-Erneuerung am Urheiligtum und dem kulturellen Highlight des Tages, der Musical-Aufführung „GEFÄHRLICH – Franz Reinisch“ am Abend in der Pilgerkirche, beendete Güthlein das Oktobertreffen 2018.


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