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4. Juli 2017 | Impuls aus Schönstatt | 

Plädoyer für ein eindeutiges Eheverständnis


Impuls aus Schönstatt (Foto: Brehm)

Es ist befremdlich, dass in einer politischen Blitzaktion die Ehe als eine Institution, die in allen Kulturen über Tausende von Jahren - wenn auch in einer gewissen Bandbreite - eindeutig verstanden wurde, nun umdefiniert werden soll. Politisches Kalkül mag die Motivation bilden: Ein leidiges, emotional inzwischen hoch aufgepeitschtes Thema sollte rechtzeitig vor der Bundestagswahl entzaubert werden.

Bei genauerem Hinsehen ergeben sich für das Thema notwendige Differenzierungen, die in der bisher oberflächlich geführten Diskussion zu wenig berücksichtigt wurden.

  • Selbstverständlich ist die Würde des Menschen, auch im Blick auf seine sexuelle Orientierung, unantastbar, weshalb es auch einer gesellschaftlichen Minderheit gegenüber keine Diskriminierung geben darf. Diskriminierung zu vermeiden kann aber nicht bedeuten, dass man die Unterschiedlichkeit der Menschen abschaffen könnte. Keiner käme zum Beispiel beim Thema Frauenemanzipation auf die Idee, den Begriff Frau abzuschaffen, weil er traditionell die Gruppe von Menschen so bezeichnet, die unterdrückt wurden. Oder noch radikaler: Um mit den Begriffen Frau und Mann keine falschen Assoziationen auszulösen, dürfte nur noch der Begriff Mensch als Bezeichnung verwendet werden.
  • Die Sätze „Als Mann und Frau schuf er sie.“ (Genesis 1,27), und „Darum werden sie zu einem Fleisch werden.“ (Genesis 2,24) sind keine ideologische Vorgabe der Bibel, sondern zeichnen die allgemeine Menschheitserfahrung nach, geben das wieder, was „von Natur aus“ vorgegeben ist und sich als Kulturgut in verschiedenen Ausformungen zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Kulturen entwickelt hat.
  • Bezüglich der Anerkennung sexuell gleichgeschlechtlich ortientierter Menschen muss die Kirche neue Wege gehen. Insofern es sich um eine angeborene Homosexualität handelt, soll die Abweichung von der heterosexuellen Orientierung nicht als Fehlleistung der Natur verstanden werden. Man würde sonst behaupten, der Schöpfer habe sich in bestimmten Fällen geirrt. Wenn dem so ist, bedarf es der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaft, in der positive Werte wie Liebe, Treue und gegenseitige Unterstützung gelebt werden.
  • Der Ruf nach Gleichstellung mit der Ehe von Mann und Frau ist auf dem Hintergrund einer lange verwehrten Würdigung und Wertschätzung nachvollziehbar. Genau dafür wurde bereits vor etlichen Jahren die eingetragene Lebenspartnerschaft eingeführt. In einer pluralistischen Gesellschaft ist der Staat gefragt, Regelungen zu finden, die allen gerecht werden und konsensfähig sind. Das über die Einebnung des Begriffes der Ehe zu tun, höhlt aber dessen genuinen Inhalt aus.
  • Zum Inhalt der Ehe gehört gemäß unserer gesamten kulturellen Tradition, dass Frau und Mann nicht nur miteinander geschlechtlich verkehren, sondern auch Kinder als Ausdruck ihrer Liebe das Leben schenken. Wenn nun der Begriff Ehe auf gleichgeschlechtliche Paare angewendet wird, wird die Zeugung von Kindern als wesentliches Element entfallen. Ehe wird zu einem reinen Beziehungsbegriff für zwei Partner, die vor dem Gesetz gleiche Rechte erhalten. Aus alledem folgt, dass der Staat das Recht und auch die Pflicht hat, für gleichgeschlechtliche Paare Rechtsverbindlichkeit und Rechtssicherheit zu schaffen, aber nicht unter dem Begriff der Ehe.
  • Um nicht den Anschein ideologischer Argumentation zu wecken, ist die katholisch-kirchliche Sicht von Ehe als Sakrament noch nicht eingebracht. Innerkirchlich gesehen ist allerdings das Verständnis der Ehe als Sakrament ein wichtiger Grund, den Begriff der Ehe für die Partnerschaft von Frau und Mann zu reservieren.
  • Bei der Öffnung des Ehebegriffes können sich schnell weitere Fragen ergeben, so etwa die der Legalisierung und Gleichstellung von Geschwisterehen oder auch die Frage nach der Polygamie.

Wenn man die gesellschaftliche Entwicklung realistisch einschätzt, wird es in der Diskussion nicht so differenziert zugehen, wie aufgezeigt. Es wird sehr viel schlichter einfach mit dem Begriff der Diskriminierung argumentiert. Es ist abzusehen, dass unter dem Schlagwort der Diskriminierung Druck in der gesellschaftlichen Diskussion entsteht der begünstigt wird durch eine eigenartige institutionsfeindliche Euphorie (vergl. Konfettiknaller nach der Abstimmung im Bundestag).

Das bedeutet allerdings für (katholische) Christen, dass sich die Begrifflichkeit in Gesellschaft und Kirche auseinander entwickeln werden. Die Christen werden sich am Eheverständnis einer Verbindung von Mann und Frau, die durch Kinder zur Familie wird, orientieren. Die Zukunftsaufgabe wird sei, Ehe und Familie nicht nur über Gesetzgebung sichern zu wollen, sondern sie durch überzeugende Lebensmodelle gesellschaftlich plausibel und anziehend zu gestalten.


Redaktion Impuls
Hubertus Brantzen, Heinrich Brehm, Pater Heinrich Walter

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Leserbeiträge

08.07.2017 15:44 Peter Speth, Klingenberg

Ich verweiese auf Randziffer 79 des Urteils des Bundesverfassungssgericht vom 17.07.2002:
Die Ehe kann nur mit einem Partner des jeweils anderen Geschlechts geschlossen werden, da ihr als Wesensmerkmal die Verschieden-geschlechtlichkeit der Partner innewohnt. Das Urteil erging zur Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes über die Lebenspartnerschaft.


06.07.2017 17:02 Pater Elmar Busse, Dernbach

Wer bei sich diese Schöpfungsvariante der sexuellen Orientierung beobachtet, muss sich mit der Minderheitensituation, in der er sich befindet, auseinandersetzen. Er ist - statistisch gesehen - die Ausnahme von der Regel. - Achtung, damit keine Missverständnisse entstehen: Das ist einfach eine beschreibende und keine wertende Aussage!! Biologisch gesehen, sind wir "Herdentiere"; das heißt: Zur unauffälligen Mehrheit zu gehören, schenkt Sicherheit. Eine Ausnahme zu sein erzeugt Überlebensängste. Nun ticken wir aber nicht rein biologisch. Wir können uns beobachten, wir können Stellung zu uns nehmen, und wir können Ängste überwinden. Und wir können uns in unseren jeweiligen Grenzen, bzw. unserem Sosein annehmen. Ich erinnere mich an eine hochbegabte Psychologiestudentin, die mal Kinderbetreuerin bei unseren Familienwochen war. Andere hatten sie beneidet, wegen ihres ausgezeichneten Abiturs. Und doch hat diese junge Frau Suizid begangen, weil sie meinte, es sei besser, es gäbe sie nicht, als dass sie so sei, wie sie ist. Selbstannahme ist also noch einmal eine eigene Reifungsherausforderung. Klaus Wowereit hat diese Selbstannahme auf den viel zitierten Punkt gebracht: "Ich bin homosexuell; und das ist gut so." - Wer aber noch nicht so weit ist, neigt vielfach dazu, seine Selbstverneinung nach außen zu projizieren und Diskriminierung zu wittern, wo keine ist.

Wer sich in seiner sexuellen Orientierung noch nicht angenommen hat, neigt dazu, anderen Diskriminierung zu unterstellen, wo gar keine Diskriminierung, sondern oft nur Beschreibung vorliegt.


05.07.2017 00:29 Maria und Klaus Heizmann, Saulheim

Eine ausgezeichnete, differenzierte Stellungnahme. Vielen Dank!

Sie ist sowohl im politischen als auch innerkirchlichen Diskurs tragfähig. Wir werden sie morgen beim Treffen des ökum. Netzwerkes von Verantwortlichen in Ehe-Initiativen der geistl. Bewegungen einbringen.


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