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12. Juni 2017 | Impuls aus Schönstatt | 

Maria im Jubiläumsjahr der Reformation


Impuls aus Schönstatt (Foto: Brehm)

Am 20. Mai 2017 trafen sich Delegierte der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA und des Réseau évangelique suisse RES in Bern, um über das Verhältnis zwischen katholischer und evangelischer Kirche zu sprechen. Im Hauptreferat nahm Prof. Dr. Thomas Schirrmacher Stellung zum Thema. Der stellvertretende Generalsekretär und Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 600 Mio. evangelische Christen vertritt, lobte zwar die Zusammenarbeit der Kirchen, bezeichnete aber als größte Herausforderung die aus seiner Sicht problematische "Marienverehrung" in der katholischen Kirche. Gespräche dazu hätten bisher zwischen evangelischen und katholischen Christen bis heute nicht stattgefunden. (vergl. communio.ch)

Schirrmacher, reformierter Theologe, der sich selbst gerne als „des Papstes beliebtester Protestant“ bezeichnet, ist in der deutschen Szene der Theologen ein bekannter Mann. Seine Worte und seine Diagnose sind ernst zu nehmen und repräsentativ für die Sicht in den evangelischen Kirchen zu diesem Bereich.

Das kann eine Bewegung wie Schönstatt, die wesentlich auf dem Bündnis mit Maria, der Mutter Jesu, aufbaut, nicht übersehen. Vielmehr ist sie durch solche Voten direkt aufgefordert, sich in die Diskussion einzumischen und einzubringen. Wie aber kann dies geschehen?

Sicher hilft hier die Behauptung wenig, Maria sei kein trennendes, sondern ein verbindendes Element im christlichen Glauben jenseits der Konfessionen. Diese gut gemeinte Aussage trifft kaum den Stand der theologischen Diskussion zum Thema, noch viel weniger das Lebensgefühl evangelischer Christen. Sicher gibt es an der einen oder anderen Stelle Erfahrungen eines Miteinanders, doch sind diese eine Ausnahme.

Als marianische Bewegung gründet Schönstatt nicht auf Wunder und Marienerscheinungen, sondern auf dem biblischen Gedanken des Bundes mit dem dreifaltigen Gott, geprägt durch ein Bündnis mit Maria. Könnte die Schönstatt-Bewegung hier nicht einen wichtigen, ja entscheidenden Beitrag in der Diskussion um Stellung und Funktion Marias im Glauben leisten? Sollte sie sich nicht in dieser Frage im ökumenischen Dialog zu Wort melden?

Hierfür bedarf es einer neuen Bereitschaft, in anschlussfähiger Weise das Thema innerhalb der Bewegung anzupacken. Folgende Aufgaben stehen an:

  • Die eigenen Erfahrungen mit Maria besonders auf biblischer Grundlage so formulieren, dass auch ein evangelischer Christ einen Zugang findet.
  • Das Bündnis mit Maria so präsentieren, dass es auch für Außenstehende verständlich, mitvollziehbar und erstrebenswert erscheint.
  • Die positiven Erfahrungen in eine Sprache fassen, die weniger Fremdeln und Unverständnis, sondern einen guten Zugang zu Maria auslösen und ermöglichen.

Läge hier nicht ein wichtiger Beitrag Schönstatts im Jubiläumsjahr der Reformation?


Redaktion Impuls
Hubertus Brantzen

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Leserbeiträge

28.6.2017, 21:22 Uhr Bruno Kulinsky, Uhingen

Entscheidend ist m. E. auf welcher Ebene wir über den Glauben, Gott oder insbesondere über die Gottesmutter Maria diskutieren. Wenn es die theologische Ebene ist, dann werden wir uns sicherlich noch Jahrhunderte im Kreis drehen, denn dieser „Knoten“ oder diese Differenzen sind rationell oder wissenschaftlich motiviert und dadurch unlösbar. Diese Ebene ist für das gelebte Leben und den Lebensalltag eines Menschen aber auch völlig unbedeutend. Es kommt allein auf die lebendige Beziehung zu Gottesmutter, zu Maria, an. „Probleme“ mit Maria haben aber neben Nicht-Katholiken auch im hohen Maße deutsche Katholiken selbst. Es gibt wohl nur wenige Regionen, die traditionell eine Beziehung zu Maria pflegten.

Pater Kentenich habe ich in Bezug auf Maria bisher in etwa so verstanden: Maria ist Mitpilgerin auf unseren Lebenswegen, Mitbewohnerin in unseren Häusern, Mitleidende in unseren Sorgen und Nöten, Lehrerin in der Herzensbildung. Maria ist der Weg Gottes zu uns Menschen. In ihrer liebenden Art ist sie für den Menschen auch der kürzeste Weg zu Gott.

Mit ihrem Gottvertrauen, ihrer Unbeirrtheit und Liebe ist sie ein Vorbild für einen Christmenschen, Impulsgeberin für das persönlich-innere Wachstum, Coach in der Formung eines liebenden Herzens, sie gibt die Hand und führt zu Christus, sie schenkt Geborgenheit, Sicherheit, Schutz, Heimat, innere Freiheit – alles Bausteine für ein festes Lebensfundament und Lebensfreude.

Von Vincenzo Pallotti stammt der Satz: Die Verehrung Mariens (oder heute besser: Beziehung zu Maria) besteht vor allem darin, dass man ihrem Sohn nachfolgt und die rechte Art der Nachfolge von ihr lernt. Vielleicht fangen wir bei Gesprächen über Maria einfach mit diesem Satz oder dem Blick in das Johannes-Evangelium an, indem Jesus vom Kreuz herab im Hinblick auf Maria dem Apostel Johannes sagte: „Siehe deine Mutter!“

Bruno Kulinsky

25.6.2017, 21:56 Uhr Andreas Borghoff, Bad Berleburg

Als katholisch geborener Christ und als gewordener Schönstätter ehre ich in besonderem Maße Maria, die Mutter Jesu. Ohne ihr Wirken und die Treue ihres Mannes Josefs hätte Jesus seine Botschaften nicht verkünden können. Die heilige Familie ist Ausdruck der Gnade Gottes.

Der Kreuzesausruf Jesu "Siehe, dies ist deine Mutter" gibt mir die Gewissheit, dass ich Maria auch um etwas bitten und mich unter ihren Schutz stellen darf.

Meine evangelischen Freunde werfen dann in Mehrheit ein, dass doch allein Gott und seine Gnade ausreichen, um dem Heilsplan zu entsprechen. Das Verständnis geht in der Tat auseinander. Und nicht nur in diesem Punkt. Die Meinungen sind fest und beharrlich. Das verwundert auch kaum, da wir alle sonntäglich - jeder in seiner Gemeinde - den von der jeweiligen Kirche favorisierten Standpunkt gepredigt bekommen.

Aus diesem Kontext heraus möchte ich die Frage stellen: Wozu brauchen wir eigentlich Ökumene?

Jesus hat zwei Gebote als die wichtigsten benannt: "Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Ihn sollt ihr von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem ganzen Verstand und mit all eurer Kraft" und "Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst". Und genau diesen beiden Aufforderungen sollten wir schlichtweg Folge leisten. Ich bin mir sicher, dass es dann Gott ziemlich egal ist, wer was, zu welcher Zeit, wie auslegt.

Es ist doch schließlich verwunderlich, dass so viele WürdenträgerInnen in den unterschiedlichen christlichen Kirchen langjährige Theologiestudiengänge hinter sich gebracht haben, aber dennoch zu ganz verschiedenen Glaubensinterpretationen geführt wurden. Kann das Gottes Wunsch sein?

Andreas Borghoff

25.6.2017, 10:52 Uhr Michaela Koch, Bullay

Dem „Impuls aus Schönstatt“ ist es bereits gelungen, sein Anliegen durch die Wahl der Sprache so zu formulieren, dass es von evangelischen Christen sicher ernst genommen würde. So wurde das Wort „Marienverehrung“ nur in Anführungszeichen erwähnt. Und dies ist meiner Ansicht nach das Entscheidende: Die Sprache. Es ist relativ wahrscheinlich, dass sich ein evangelischer Christ und auch ein sich als „modern“ verstehender katholischer Christ durch den Sprachduktus des innerschönstättischen Diskurses befremdet fühlen. Das hat dann weniger mit Theologie zu tun als mit Gewohnheit.

Ich habe in meinem persönlichen Umfeld erlebt, dass evangelische Christen durchaus Maria als wichtige und interessante Person sehen und als wichtigen und interessanten Teil des christlichen Glaubens. Dass evangelische sie mit Inbrunst Lieder singen, deren Texte aus der Perspektive Marias formuliert sind oder die Maria als Person ansprechen (Merke: Ich habe das Wort „Marienlied“ vermieden ?). Ich kenne auch einige solcher Lieder, die von evangelischen Kirchenmusikern getextet und komponiert wurden (z.B. „Was ist geschehn“ von Bernhard Rörich).

Das Bedürfnis nach Nähe zu der Gestalt Maria gibt es also auch bei evangelischen Christen. Möglicherweise am ehesten auf der Ebene, die auch in Schönstatt sehr geschätzt wird: Der Ebene des sinnlichen Erlebens in der Musik. Befindet sich jemand der zum Beispiel das Magnifikat singt, nicht schon in einem Bündnis mit Maria, das ihn mit Gott verbindet?

Es wäre schön, wenn es möglich wäre, in Schönstatt verstärkt eine Sprache zu pflegen, die weniger Befremden als Resonanz, das heißt auch Vertrautheit, bei evangelischen und auch vielen katholischen Christen auslöst. Es ist vielleicht sogar notwendig um sich nicht als Bewegung immer mehr vom Mainstream abzutrennen und damit irgendwann kaum noch jemanden zu erreichen.

Michaela Koch

20.6.2017, 21:17 Uhr Irene Eldracher

Marienverehrung

Letztes Jahr war ich in München bei Miteinander für Europa und ich muss sagen, da wurde mir so richtig bewusst, wie wertvoll unser christlicher Glaube ist.

Marienverehrung ist vielleicht schon im Ausdruck etwas quer. Verehrung ist es ja eigentlich nicht. Wir ehren sie schon, in dem wir mit ihr leben und sie als Mutter, Schwester, Vertraute, Königin sehen. Je nach Lebenslage und -situation. Wertschätzung wäre vielleicht die richtigere Formulierung. Wir schätzen sie, weil sie „JA“ gesagt hat und auch alle Folgen im Glauben und im Herzen getragen hat.

Ich glaube, dass das heute auch wieder sehr notwendig ist. Am Mittwoch nach dem Muttertag haben wir die Kinder gefragt, ob sie am Sonntag etwas verschenkt haben und wem. Die Kinder wussten erst nicht, dass wir eigentlich von ihnen wissen wollten, ob sie ihrer Mutter etwas geschenkt haben, zum Muttertag. Und das sind Kinder der Grundschule! Vielleicht bewegt sich unsere Gesellschaft momentan in eine Richtung, in der die Familie (Vater/Mutter/Großeltern) nicht mehr so wertgeschätzt werden oder vielleicht einfach nicht mehr so präsent sind. Ich weiß es nicht, aber was mich immer wieder erstaunt, ist trotz der Genderströmung, dass Mädchen und Jungen sehr an der Kleidung erkannt werden. Vor allem bei den Mädchen sind Röcke, Kleider und Glitzer total in.

Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass - je weniger die Gottesmutter, die Mutter Jesu, im öffentlichen Raum sichtbar ist - doch eine Sehnsucht nach ihr da ist, die zu gegebener Zeit auch wieder öffentlich aufblüht. Grüße

Irene Eldracher

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